In der Region um Tanger, südlich der Straße von Gibraltar, haben Archäologen Überreste einer antiken Zivilisation entdeckt, die auf etwa 4000 Jahre vor unserer Zeit datiert werden. Die Frage, seit wann diese Region dauerhaft besiedelt ist und wie sich die Lebensweisen ihrer Bewohner im Laufe der Jahrtausende verändert haben, ist Gegenstand kontroverser Diskussionen in der Wissenschaft.

Wissenschaftler staunen: Sensationelle Funde im Nordwesten von Marokko

Auf der Halbinsel Tanger im Nordwesten Marokkos haben Archäologen bedeutende prähistorische Befunde dokumentiert, darunter Felsunterkünfte mit Felszeichnungen, Steinstelen sowie drei alte Friedhöfe mit vielfältigen Bestattungspraktiken. Die neu entdeckten Gräber zeigen ein „reiches Mosaik von Bestattungstraditionen“, wie die Forscherinnen und Forscher in der „African Archaeological Review“ berichten.

Besonderes Augenmerk galt sogenannten Zisternenbestattungen – in den Fels geschlagene Grabkammern, die mit Steinplatten abgedeckt wurden. Die aufwändige Herstellung dieser Grabstätten deutet auf einen erheblichen Arbeitsaufwand hin, wie der Erstautor der Studie, Hamza Benattia von der Universität Barcelona, betont.

Eine dieser Bestattungen konnte mittels Radiokarbondatierung auf etwa 2000 v. Chr. datiert werden – die erste derartige Datierung für eine Zisternenbestattung in Nordwestafrika. Die Funde stammen aus dem Zeitraum zwischen 3000 und 500 v. Chr. und werfen neues Licht auf die prähistorische Ritual- und Bestattungskultur in der Region, die trotz jahrhundertelanger Forschung außerhalb Ägyptens noch immer vergleichsweise wenig erforscht ist.

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Geheimnisvolle Symbole: Felszeichnungen mit komplexen Mustern geben Forschern Rätsel auf

Das Forschungsteam dokumentierte rund ein Dutzend Felsunterkünfte mit Wandzeichnungen, die eine Vielzahl geometrischer Motive wie Quadrate, Punkte, Wellenlinien sowie anthropomorphe Figuren zeigen – möglicherweise Darstellungen von Menschen oder Gottheiten. In mehreren Unterkünften wurden zudem kreisförmige Gravuren entdeckt, sogenannte „Cup Marks“, die häufig in Mustern wie Kreisen oder parallelen Linien angeordnet sind.

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Besonders auffällig sind Darstellungen von acht übereinandergestellten, gegensätzlich ausgerichteten Dreiecken – sogenannte „Bi-Dreiecke“. Diese Motive, auch aus Iberien bekannt, werden oft als anthropomorphe, teils weibliche Figuren interpretiert. Weitere Felsbilder mit Quadraten, Punkten und Linien weisen Parallelen zur Felskunst in der Sahara auf, wie die Studie betont.

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Grenzsteine oder Versammlungsort? Archäologen müssen weiter auf Spurensuche gehen

Sowohl in den Bestattungsstätten als auch nahe der Felszeichnungen entdeckten die Archäologen Reste aufgerichteter Steine, von denen einige über 2,5 Meter hoch waren. Mehrere dieser Monolithe traten gruppiert auf. Solche Steine wurden in der Vorgeschichte vermutlich als territoriale Marker genutzt, könnten aber auch rituellen Zwecken gedient haben. Die Funde weisen auf eine komplexe, weit verbreitete Rituallandschaft auf der Halbinsel Tanger hin, mit kulturellen Parallelen zu spätprähistorischen Traditionen in Südiberien und der Sahara.