Zwei seit Langem bekannte Wracks vor der Küste des Cahuita-Nationalparks in Costa Rica galten bislang als Piratenschiffe. Neue Funde zeigen nun: Es handelt sich um dänische Sklavenschiffe aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Entdeckung bietet wichtige Einblicke in Dänemarks Rolle im transatlantischen Sklavenhandel.

Dänische Kolonialgeschichte: Dieser Fund schreibt die Geschichte neu

Den entscheidenden Hinweis lieferte der Fund gelber Ziegel im Jahr 2015. Diese Entdeckung war der Beginn einer jahrelangen Untersuchung durch dänische Meeresarchäologen. Die Steine wurden eindeutig als sogenannte Flensburger Ziegel identifiziert – Baumaterial, das ausschließlich in bestimmten Regionen Dänemarks und seiner damaligen Kolonien produziert wurde.

In Folge dieser Beobachtung führten Meeresarchäologen des Dänischen Nationalmuseums und des Wikingerschiffmuseums umfassende Analysen durch. Im Rahmen einer Unterwasserexpedition 2023 wurden Proben von Holz, Ziegeln und Tonpfeifen geborgen. Die Untersuchungen ergaben, dass das verbaute Eichenholz aus dem Ostseeraum stammte und um 1690–1695 gefällt wurde. Mehrere Balken wiesen deutliche Brandspuren auf, die historische Berichte über einen Schiffsbrand untermauerten.

„Die Analysen sind sehr überzeugend und wir haben keine Zweifel mehr daran, dass es sich um die Wracks der beiden dänischen Sklavenschiffe handelt“, sagte David Gregory, Meeresarchäologe und Forschungsprofessor am Dänischen Nationalmuseum, in einer Erklärung.

Historische Quellen berichten: der dramatische Untergang zweier Sklavenschiffe

Die Funde stimmen mit historischen Berichten über die „Fridericus Quartus“ und die „Christianus Quintus“ überein – zwei große Schiffe der Dänischen Westindien-Kompanie, die 1710 im Karibikraum verschwanden. Beide waren am Sklavenhandel zwischen Westafrika, der Karibik und Dänemark beteiligt.

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Laut historischen Quellen kam es an Bord der „Fridericus Quartus“ zu einem Aufstand versklavter Menschen. Mehrere Sklaven befreiten sich aus ihren Fesseln. Sie wurden jedoch brutal niedergeschlagen. Der Anführer der Aufständischen wurde enthauptet und die Angst vor einem erneuten Aufstand führte dazu, dass die „Christianus Quintus“ als Begleitschiff mitsegelte.

Auf dem Weg zur Karibik gingen jedoch die Lebensmittel aus, woraufhin die Mannschaft eine Meuterei plante und die Freilassung der etwa 600 versklavten Menschen erzwang. Kurz darauf gerieten die Schiffe in Not: Der „Fridericus Quartus“ soll Feuer gefangen haben, während die „Christianus Quintus“ durch Sturm und Wellen zerschmettert wurde.

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Für die beteiligten Archäologen ist der Fund von enormer Bedeutung. „Es war ein langer Prozess und ich war zwischendurch schon kurz davor aufzugeben, aber dies ist zweifellos die verrückteste archäologische Ausgrabung, an der ich je teilgenommen habe“, sagte Andreas Kallmeyer Bloch, Meeresarchäologe und Museumskurator am Dänischen Nationalmuseum.

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Die Aufdeckung der Herkunft dieser Wracks rückt nicht nur das düstere Kapitel in der dänischen Geschichte in ein neues Licht, sondern erinnert auch daran, dass der transatlantische Sklavenhandel keineswegs nur ein Verbrechen der großen Kolonialmächte war. Auch kleinere europäische Staaten waren aktiv daran beteiligt – und ihre Spuren liegen nur manchmal tief verborgen, auf dem Grund eines Ozeans.