Tief in der Krypta einer Dorfkirche nahe der Donau ruhte über Jahrhunderte ein geheimnisvoller Leichnam eines Kaplans. Erst heute, rund 280 Jahre nach seinem Tod, gelingt es der Wissenschaft, das Rätsel um diesen außergewöhnlichen Fund zu lüften. Bei dem Verstorbenen handelt es sich vermutlich um Franz Xaver Sidler von Rosenegg, einen jungen Pfarrer, der 1746 im Alter von nur 37 Jahren starb. Warum er auf so ungewöhnliche Weise konserviert wurde und woran er tatsächlich starb, blieb lange im Schatten der Geschichte.
Mumienexperten aus München: Seltene Einbalsamierungsmethode wirft Fragen auf
Ein Forscherteam unter der Leitung des Mumienexperten Andreas Nerlich von der Ludwig-Maximilians-Universität München veröffentlichte kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Medicine“ neue Erkenntnisse zur Mumie. Im Rahmen einer umfassenden Analyse entdeckten die Wissenschaftler eine besonders seltene Form der Einbalsamierung.
Statt die Bauchdecke zu öffnen, wie es bei historischen Mumifizierungen üblich war, wurde Sidlers Körper durch den Anus mit einer Mischung aus Holzspänen, Zweigen, Stoff und Zinkchlorid präpariert. Diese Methode ermöglichte eine innere Trocknung und sorgte für den außergewöhnlich guten Erhaltungszustand der Mumie, heißt es in einer Erklärung.
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Tod von Franz Xaver Sidler von Rosenegg: Rätselhafte Substanzen und eine falsche Spur
Bereits eine frühere Röntgenuntersuchung aus dem Jahr 2000 hatte für Spekulationen gesorgt: Eine angebliche Giftkapsel im Körper ließ auf einen gewaltsamen Tod schließen. Doch nun konnte dieses Gerücht entkräftet werden. Der vermeintlich verdächtige Gegenstand stellte sich bei genauerer Analyse als Glasperle eines Rosenkranzes heraus. Zudem enthielt das Füllmaterial nicht nur Pflanzenreste, sondern auch Stofffragmente aus Hanf, Flachs und Seide sowie verzierende Holzknöpfe.

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Durch eine Computertomografie und chemische Untersuchungen an Haut, Gewebe und Zähnen konnten die Forscher eine wahrscheinliche Todesursache identifizieren: Franz Xaver Sidler litt vermutlich an einer chronischen Tuberkulose. Verkalkungen und Zysten in der Lunge deuten darauf hin, dass eine akute Lungenblutung zu seinem Tod führte. Hinweise auf eine Vergiftung fanden die Forscher nicht. Weitere Indizien – wie die halbkreisförmig abgenutzten Zähne – sprechen für langjähriges Pfeifenrauchen, was die Lungenschäden zusätzlich begünstigt haben könnte.
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Leichnam des Kaplans: Ein posthumes Rätsel bleibt bestehen
Auch wenn nun mehr über Sidlers Todesursache und die Konservierung seines Körpers bekannt ist, bleibt ein zentrales Rätsel ungelöst: Warum wurde gerade dieser Pfarrer auf eine derart aufwändige Weise mumifiziert? Mumifizierungen waren im 18. Jahrhundert äußerst selten. Ein möglicher Grund könnte laut Andreas Nerlich in einem geplanten, aber letztlich nicht vollzogenen Transport des Leichnams liegen.








