Im Zuge archäologischer Untersuchungen an einer nationalen Gedenkstätte in Székesfehérvár wurden menschliche Überreste entdeckt, bei denen es sich möglicherweise um jene eines bedeutenden ungarischen Herrschers handelt. Die Identifikation basiert derzeit auf der Analyse eines Schädels, deren Annahmen jedoch bislang nicht durch genetische Untersuchungen bestätigt werden konnte.
Königlicher Fund: Sterbliche Überreste eines bedeutsames Monarchen gefunden?
Wissenschaftler vermuten, in der nationalen Gedenkstätte von Székesfehérvár die sterblichen Überreste von König Matthias Corvinus, einem der bedeutendsten ungarischen Herrscher des 15. Jahrhunderts, entdeckt zu haben. Obwohl eine abschließende DNA-Analyse noch aussteht, deuten archäologische Befunde darauf hin, dass das in den Ruinen der ehemaligen Marienbasilika freigelegte Skelett mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Monarchen zuzuordnen ist.
Im Zentrum der Untersuchungen steht ein Schädel mit der Bezeichnung „Individuum I/10“, der bereits 2002 an der Stelle der einstigen Basilika geborgen wurde. Die Marienbasilika war im Mittelalter zentrale Krönungs- und Begräbnisstätte ungarischer Könige, ehe sie nach jahrhundertelanger Vernachlässigung sowie Zerstörungen – insbesondere während der osmanischen Herrschaft – zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollständig abgetragen wurde.
Matthias Corvinus regierte von 1458 bis 1490 als König von Ungarn und Kroatien. Er gilt als einer der bedeutendsten Monarchen des spätmittelalterlichen Europa. Zu seinen zentralen Errungenschaften zählen die Etablierung eines der ersten stehenden Heere des Kontinents, erfolgreiche militärische Auseinandersetzungen gegen das expandierende Osmanische Reich sowie umfassende Reformen des Justizwesens. Darüber hinaus war er ein herausragender Förderer von Wissenschaft und Kunst; unter seiner Herrschaft entstand die Bibliotheca Corviniana, eine der bedeutendsten humanistischen Büchersammlungen ihrer Zeit.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Sensation in Ungarn: Grafische Rekonstruktion als Grundlage der Untersuchungen
Im Jahr 2024 fertigte Gábor Emese vom Gyula-László-Forschungszentrum grafische Rekonstruktionen mehrerer in der Basilika von Székesfehérvár entdeckter Schädel an. Besonders auffällig war die Gesichtsstruktur des Individuums I/10, die eine hohe Ähnlichkeit mit jener von János Corvinus, dem anerkannten Sohn König Matthias’ Corvinus, aufwies.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Zur Überprüfung wurde ein 3D-Modell erstellt und eine plastische Gesichtsrekonstruktion durchgeführt. Die anonymisierten Daten wurden dem forensischen Anthropologen Martin Trautmann zur unabhängigen Analyse übermittelt. Trautmann bestätigte eine enge verwandtschaftliche Beziehung beider Individuen, schloss jedoch eine Zwillingsbeziehung aus. Aufgrund der Lage des Fundes im königlichen Grabareal und der vermuteten genetischen Verbindung zu János Corvinus halten die Forscher König Matthias Corvinus für den wahrscheinlichsten Identitätskandidaten von Individuum I/10.
Genetische Prüfung steht noch aus: DNA-Analyse soll Forschern Gewissheit bringen
Ungarische Behörden mahnen zur Zurückhaltung in der Deutung der Funde. Das Institut für Ungarische Forschung betont, dass die Identifikation des Skeletts als jenes von König Matthias Corvinus bislang unbestätigt ist. Eine wissenschaftliche Überprüfung, insbesondere durch DNA-Analysen, ist im Gange.
- Aktuelle Nachrichten aufs Handy? Hier geht es zur neuen WAZ-News-App – für Android und iOS.
- Die WAZ auch bei Social Media – ob WhatsApp, Instagram oder Facebook.
- Sie mögen den Tag kompakt zusammengefasst? Dann sind Sie beim täglichen WAZ-Newsletter richtig – hier entlang.
Dank genetischer Marker von János und Kristóf Corvin, die 2021 ermittelt wurden, verfügen die Forscher jedoch über Vergleichsdaten. Bis zur genetischen Bestätigung stützen sich die Hypothesen auf anatomische und visuelle Übereinstimmungen. Die endgültige Klärung steht noch aus – doch die Hoffnung wächst, dass die sterblichen Überreste des berühmten Renaissance-Königs nach Jahrhunderten identifiziert werden könnten.







