Im Rahmen archäologischer Ausgrabungen an der bekannten Fundstätte Strandvägen wurde ein multifunktionales Artefakt aus der schwedischen Steinzeit entdeckt. Die rund 7500 Jahre alte Waffe diente nach aktuellem Forschungsstand sowohl als Instrument zur Jagd als auch im Zusammenhang von Kampfhandlungen als Hiebwaffe.
Spektakuläre Funde in Mittelschweden: Was Wissenschaftler im Boden einer alten Siedlung entdeckten
Ein etwa 7500 Jahre altes, kunstvoll verziertes Geweihartefakt aus Mittelschweden wurde laut einer aktuellen Studie zunächst als Streitaxt und in einer späteren Nutzungsphase vermutlich als Harpune für die Fischerei verwendet. Das Objekt wurde bereits vor acht Jahren entdeckt, konnte jedoch erst kürzlich mithilfe moderner Analysetechnologien eingehend untersucht und funktional interpretiert werden.
Die Fundstätte Strandvägen zählt zu den größten Siedlungen Schwedens aus der Mittelsteinzeit und gilt aufgrund außergewöhnlicher Erhaltungsbedingungen als einzigartig. Während organisches Material in den meist stark sauren Böden Skandinaviens gewöhnlich vollständig zersetzt wird, konnten in Strandvägen unter anderem Geweihreste konserviert werden. Dies ist insbesondere auf die Lagerung im Wasser sowie auf weniger saure Bodenschichten zurückzuführen.
Radiokarbondatierungen belegen eine Besiedlung der Region zwischen 5800 und 5000 v. Chr. Die Siedlung liegt strategisch am einzigen Abfluss des Vätternsees, was die Nutzung von Wasserressourcen und umliegender Wälder durch Jäger-Fischer-Sammler-Gruppen ermöglichte. Gegenüber befindet sich die zeitgleich bewohnte Fundstätte Kanaljorden, bekannt für außergewöhnliche Funde wie auf Pfählen platzierte menschliche Schädel. Frühere Ausgrabungen in Strandvägen förderten Gräber, Wohnstrukturen, Werkstätten sowie zahlreiche Artefakte aus Knochen und Geweih zutage. Unter diesen sticht das nun entdeckte, reich verzierte Geweihobjekt als besonders bemerkenswert hervor.
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Seltenes Steinzeit-Artefakt: Multifunktionale Nutzung begeistert Archäologen
Das etwa 10,7 Zentimeter lange und 2,1 Zentimeter breite Artefakt besteht aus dem Geweih eines Rothirsches (Cervus elaphus) und wurde mittels Radiokarbondatierung des in den Gravuren enthaltenen Teers auf ein Alter von rund 7500 Jahren datiert. Um Herstellung und Nutzung besser zu verstehen, analysierten Magnus Larsson und Fredrik Molin vom Schwedischen Nationalmuseum das Stück mittels digitaler Mikroskopie.

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Dabei zeigte sich, dass das Geweih zunächst geglättet und anschließend mit einem Feuersteinwerkzeug dekorativ graviert wurde; die Rillen wurden mit Teer gefüllt, um das Muster visuell hervorzuheben. Unterschiede in Ausführung und Präzision der Gravuren deuten auf die Beteiligung mehrerer Personen mit variierendem handwerklichem Können hin. Bruchmuster an der Basis des Geweihs sprechen für eine Nutzung als Axt, vermutlich im Kontext von Kampfhandlungen. Die anschließende Fragmentierung legt eine sekundäre Verwendung als Harpune nahe – ein Werkzeugtyp, der an der Fundstätte häufiger dokumentiert ist.
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Faszinierende Fundstelle: Forscher vermuten Bedeutungs- und Funktionswandel im Laufe der Zeit
Die abschließende Beisetzung des Geweihs in unmittelbarer Nähe zu weiteren wertvollen Objekten und menschlichen Überresten legt nahe, dass es schließlich im Rahmen einer rituellen Handlung als Opfergabe niedergelegt wurde. Wie Sara Gummesson von der Universität Stockholm betonte, können Objekte im Verlauf ihrer Nutzungsgeschichte – die sich über die Lebensspanne einer einzelnen Person hinaus erstrecken kann – mehrfachen Bedeutungs- und Funktionswandel erfahren. Sie können repariert, umgewertet und auf vielfältige Weise sozial oder symbolisch aufgeladen worden sein.







