Im Südosten der Türkei liegt eine archäologische Stätte voller Rätsel. In den etwa 5000 Jahre alten Gräbern fanden Forscherinnen und Forscher mehrere Überreste junger Menschen. Waren sie Opfer eines brutalen Rituals oder Teil einer zeremoniellen Tradition? Eine neue Untersuchung liefert faszinierende Erkenntnisse – und überrascht selbst Experten.

Geheimnisvolle Funde in der Türkei: Wer waren die Opfer von Başur Höyük?

Die Stätte Başur Höyük, die einst Teil des antiken Mesopotamiens war, wird von Archäologen auf die Zeit zwischen 3100 und 2800 v. Chr. datiert. In der Bronzezeit errichteten dort Menschen Steingräber, in denen sie Hunderte von Kupferartefakten, Textilien und Perlen zurückließen. Doch eine zentrale Frage blieb lange unbeantwortet: Wer wurde hier bestattet? Forscher der University of Cambridge führten DNA-Analysen der Skelette durch und präsentierten ihre Ergebnisse in einem kürzlich im „Cambridge Archaeological Journal“ veröffentlichten Artikel.

Die Untersuchungen der Skelette legen nahe, dass die meisten der dort begrabenen Personen weiblich und nicht biologisch miteinander verwandt waren. Eine frühere Studie ergab, dass unter den Skeletten zwei 12-jährige Kinder waren. Sie wurden gemeinsam mit weiteren Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren bestattet, die offenbar gewaltsam getötet worden waren. Die Experten vermuteten, dass es sich um ein Bestattungsritual handeln könnte, das auf die Entstehung eines frühen Staates hindeutet – und „königliche“ Gräber mit „Gefolgsmann-Opfern“ umfasste.

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Bronzezeitliche Gesellschaft: Neue Studie untersucht die Bedeutung der Adoleszenz

In der aktuellen Studie widmeten sich die Wissenschaftler einer bisher wenig beachteten Frage: der Bedeutung der Adoleszenz in der bronzezeitlichen Gesellschaft: „Die Tatsache, dass es sich größtenteils um Jugendliche handelt, ist faszinierend und überraschend“, sagte David Wengrow, Professor für Vergleichende Archäologie am University College London, gegenüber „Live Science“. „Es zeigt, wie wenig sich Wissenschaftler und Historiker wirklich Gedanken über die Bedeutung der Adoleszenz als entscheidende Phase im menschlichen Lebenszyklus gemacht haben.“

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Bisher gingen Archäologen davon aus, dass es sich um eine Bestattung für junge Könige und ihre geopferten Diener handelte – basierend auf der Annahme, dass die Großstaaten der frühen Bronzezeit von einem König regiert wurden. Die neueste Forschung stellt jedoch diese Vermutung infrage, denn laut Experten deuten die Bestattungen eher auf eine egalitäre Gesellschaft hin, in der eine soziale Gleichheit angestrebt wurde. „Wir haben es also mit Jugendlichen zu tun, die aus biologisch nicht verwandten Gruppen zusammengebracht wurden oder sich freiwillig zusammengefunden haben, um eine sehr extreme Form von Ritual durchzuführen“, sagte Wengrow.

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Überholte Annahmen über Mesopotamien: Existierten damals doch flexible Herrschaftssysteme?

Bisher nahm man an, dass die Großstaaten der frühen Bronzezeit von Monarchen regiert wurden. Doch die neue Forschung legt nahe, dass die Gesellschaftsstruktur deutlich flexibler gewesen sein könnte, schreiben die Wissenschaftler in der Studie. Möglicherweise wechselten die politischen Systeme Mesopotamiens regelmäßig zwischen hierarchischen, königsbasierten Herrschaftsformen und egalitären Gesellschaftsstrukturen. „Die Vorstellung, dass sich der Mensch so entwickelt hat, dass er fast immer in einer einzigen Gesellschaftsform lebt, ist mit ziemlicher Sicherheit falsch“, betont Wengrow.

Die Forscher erklären, dass in egalitären Gesellschaften verschiedene Altersklassen und das biologische Geschlecht eine wichtige Rolle spielten: Ältere wurden für ihre Weisheit geschätzt, während jüngere Menschen oft für ihre Jagdfähigkeiten anerkannt wurden. So könnte es sein, dass die in Başur Höyük begrabenen Jugendlichen Initiierte eines antiken Kults oder Opfer von Konkurrenzkämpfen darstellten.

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Gräber in Başur Höyük: Forscher wollen endgültige Gewissheit durch weitere Analysen

Die bronzezeitlichen Gräber von Başur Höyük sind wertvolle Zeugnisse vergangener Rituale, die ältere Annahmen infrage stellen. Um noch mehr über die Identität der Jugendlichen herauszufinden, planen Forscher weitere Analysen der Skelette.

„Im Moment können wir nur sagen, dass viele der in den Gräbern begrabenen Teenager nicht aus der Gegend des Friedhofs stammten“, so Wengrow. Was genau in Başur Höyük vor 5000 Jahren geschah, bleibt ein Rätsel – doch die neuen Entdeckungen bringen uns der Wahrheit ein Stück näher.