Die minoische Linearschrift A, die vor rund 3800 Jahren entstanden ist, gilt als die älteste Schrift Europas. Doch was die minoischen Zeichen bedeuten, ist bis heute unklar. Nun stießen Archäologinnen und Archäologen im antiken Knossos auf einen Fund, der bei der Entschlüsselung der rätselhaften Schrift eine wichtige Rolle spielen könnte: ein faszinierendes Elfenbeinobjekt.

Rätselhafte Linearschrift A: Neuer Fund im antiken Knossos fasziniert Forscher

Bislang waren alle bekannten Inschriften in Linearschrift A nur von kurzer Länge – ein Problem für Wissenschaftler, die versuchten, das Schriftsystem zu entschlüsseln. Dabei ist das Erbe dieses Volkes von großer historischer Bedeutung: Die Minoer gelten als die erste Hochkultur Europas, die gleich zwei verschiedene Schriftsysteme entwickelten: die minoische Hieroglyphenschrift und die Linearschrift A. Die jüngste Entdeckung könnte nun Licht ins Dunkel bringen und den Forschern dabei helfen, die Linearschrift zu entziffern.

Bei dem neu entdeckten Objekt handelt es sich um einen etwa 14 Zentimeter großen Ring als Elfenbein, mit rund 13 Zentimeter langem Griff. Die Archäologen um Athanasia Kanta von der University of Virginia entdeckten den Ring zufällig, als sie Relikte aus der minoischen Zeit wegen Bauarbeiten unweit des berühmten Palasts von Knossos an einen anderen Ort bringen wollten.

Die Wissenschaftler stießen dabei auf Überreste eines etwa 1700 Jahre v. Chr. erbauten Gebäudes aus der Minoer-Zeit, das zahlreiche Kultobjekte und Wandgemälde beherbergte. In dem als eine Art Heiligtum interpretierten Bau, entdecken sie eine Grube, in der das Elfenbeinobjekt mit der Linearschrift A verborgen lag. Die Experten gehen davon aus, dass es sich bei dem Elfenbeinring um ein Kultobjekt der minoischen Kultur handelt, das Göttinnen auf manchen historischen Abbildungen in der Hand halten.

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Die längste Inschrift dieser Art: Was verbirgt sich hinter den Zeichen?

Wie die Archäologen berichten, ist die Schrift auf dem Ring absolut einzigartig. „Damit ist dies die längste bekannte Inschrift in Linear A“, schreiben sie in der Studie. Insgesamt besteht die Inschrift aus 119 Linear-A-Zeichen, davon sind 84 nahezu vollständig erhalten. Spannend ist auch, dass der Elfenbeinring keine Zahlen beinhaltet und die Schrift in dieser Art auf keinem anderen bekannten Fund abgebildet ist.

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Auch der Stil der Inschrift begeistert die Wissenschaftler: „Es gibt nur wenige Linear-A-Inschriften, selbst unter den qualitativ hochwertigen, deren Zeichen so lebensecht, so kunstvoll und fast dreidimensional ausgeführt wurden“, so die Forscher. „Wir sehen hier zum ersten Mal eine Linear-A-Inschrift, die vorwiegend in einem kalligrafischen Stil eingeritzt wurde. Das ist ein neues Schlüsselmerkmal, das für paläografische Studien wichtig sein könnte.“

Elfenbeinobjekt mit längster Inschrift der mysteriösen Linearschrift A.
Forscher staunen über den jüngsten Fund: Was verbirgt sich hinter den rätselhaften Zeichen der Linearschrift A?© Kanta et al./ Ariadne Supplement | Kanta et al./ Ariadne Supplement

Die faszinierende Kombination der Schriftzeichen mit Bildern von Tieren, Gefäßen und Textilien führt unter den Archäologen zu den ersten Spekulationen über deren Bedeutung: „Die Art und Zahl dieser Tiere könnten die Gaben anzeigen, die bei rituellen Festen geopfert wurden“, so die Experten. „Auch die Gefäße – Dreifüße, Amphoren und Rhyta – scheinen klar rituelle Funktionen zu haben.“

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Entdeckung in Griechenland: Schlüsselrolle bei künftigen Untersuchungen

Der neueste Fund könnte in der künftigen Erforschung der minoischen Linearschrift A eine Schlüsselrolle spielen. Die Vergleiche mit der bereits entschlüsselten Linearschrift B, die vermutlich in der Spätphase der minoischen Kultur von den Mykenern entwickelt wurde, könnten die Entschlüsselung der kretischen Schriften auf ein ganz neues Niveau bringen.