Es klang nach einer historischen Sensation: Die erste bekannte schwangere Mumie der Welt. Doch neue Untersuchungen bringen eine andere Wahrheit ans Licht. Nach vier Jahren intensiver Forschung liefern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun eindeutige Erkenntnisse: Die altägyptische Mumie, auch „Mysteriöse Dame“ genannt, war doch nicht schwanger – und hatte keinen Krebs. Wie kam es zu diesem Irrtum?

Irrtum um Mumie: Der vermeintliche Fötus, Krebserkrankung und die wissenschaftliche Kontroverse

Die Mumie stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und wurde in der ägyptischen Stadt Luxor (dem antiken Theben) entdeckt. 1826 gelangte sie an die Universität Warschau, wo sie mehr als ein Jahrhundert lang unbeachtet blieb. Erst 2021 sorgte eine spektakuläre Entdeckung für Aufsehen: Forscher des Warsaw Mummy Project kamen zu dem Schluss, dass es sich bei der vermeintlichen männlichen Priester-Mumie um eine junge Frau handelte – und noch dazu um die erste bekannte schwangere Mumie der Geschichte.

Mithilfe von Röntgen- und CT-Scans aus der ersten Studie glaubten Wissenschaftler, in ihrem Bauchraum mehrere mumifizierte Organe und einen 28 Wochen alten Fötus zu erkennen. Die zweite Studie stellte die Theorie auf, dass ein Sauerstoffmangel im Mutterleib zu einer Übersäuerung geführt habe, wodurch die Knochen des Ungeborenen nicht mehr nachweisbar seien. Zudem vermutete das Team Hinweise auf Nasenrachenkrebs.

Doch nicht alle Experten waren überzeugt. Die ägyptische Radiologin und Mumienforscherin Sahar Saleem erklärte 2022 gegenüber „Live Science“, dass keine eindeutigen anatomischen Strukturen eines Fötus erkennbar seien. Sie vermutete vielmehr, dass es sich um spezielle Einbalsamierungsreste handelte, die den Anschein einer Schwangerschaft erweckten.

Ein Scan des vermeintlichen Fötus der „Mysteriösen Frau“ aus Ägypten.
Ein Scan des vermeintlichen Fötus der „Mysteriösen Dame“ aus Ägypten.© Warsaw-Mummy-Project | WMP

1300 CT-Scans der „Mysteriösen Dame“: Neue Untersuchungen bringen nun Klarheit

Ein interdisziplinäres Team von 14 Wissenschaftlern nahm sich der Debatte an. Sie analysierten über 1300 CT-Scans der Mumie und fanden keine Beweise für einen Fötus. Auch die Theorie der „Einlegung“ wurde verworfen, da die im menschlichen Körper vorhandenen Säuren nicht ausreichen, um Knochen zu lösen – insbesondere nach der Einbalsamierung. Ebenso wenig gab es eindeutige Hinweise auf Krebs. Die Schädelveränderungen erklärten die Forscher stattdessen als Folge der Gehirnentnahme während der Mumifizierung, wie sie im Fachjournal „Archaeological and Anthropological Sciences“ berichten.

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Damit ist die Diskussion um die angeblich schwangere Mumie nun offiziell beendet. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass der Fall der „Mysteriösen Dame“ das wachsende Interesse an der Gesundheit von Frauen und Kindern im Alten Ägypten unterstreicht. Zukünftige Forschungen könnten daher weitere Einblicke in die medizinischen Praktiken und das soziale Leben der damaligen Zeit liefern.