In der antiken Stadt Pergamon, unweit des heutigen Bergama in der Türkei, stoßen Archäologinnen und Archäologen immer wieder auf verborgene Schätze. Die jüngste Entdeckung jedoch übertrifft alles Bisherige: Ein prachtvolles „Mosaikhaus“, das aus der Römerzeit stammt, eröffnet neue Einblicke in die Geschichte der Stadt. Doch dieser Fund ist nur ein Puzzleteil in einem noch nicht vollständig entschlüsselten Rätsel der antiken Metropole.
Vision von einem „neuen Athen“: Pergamon als bedeutsames kulturelles Zentrum
Pergamon, einst eine bedeutende Stadt am nördlichen Rand der Caicus-Ebene, entwickelte sich in der hellenistischen Epoche zur prachtvollen Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Die Herrscher der Stadt träumten davon, ein „neues Athen“ zu erschaffen – ein Zentrum der Kunst, Wissenschaft und Kultur.

Wahrzeichen wie die beeindruckende Akropolis, das monumentale Theater mit Platz für bis zu 10.000 Zuschauer und die legendäre Bibliothek, die als zweitgrößte ihrer Zeit nur von der Bibliothek von Alexandria übertroffen wurde, zeugten von diesem Streben. Auch nach der Eingliederung in das Römische Reich bewahrte Pergamon seinen Ruf als architektonisches und intellektuelles Juwel der Antike.
Faszinierendes Mosaikhaus in heutiger Türkei: Verbindung griechischer und römischer Einflüsse
In den Ruinen von Pergamon stießen Forscher kürzlich auf einen prachtvollen Wohnkomplex aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Mit seinem weitläufigen Peristylhof und einem kunstvoll gestalteten Steinbecken fasziniert er die Archäologen. Besonders herausragend ist das „Mosaikhaus“, dessen kunstvolle Bodenmosaike aus dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. eine Verbindung griechischer und römischer Stilelemente zeigen – von geometrischen Ornamenten bis hin zu floralen Motiven.

Laut dem Archäologenteam unter der Leitung von Prof. Dr. Yusuf Sezgin von der Manisa Celal Bayar University war der beeindruckende Wohnkomplex bis ins 7. Jahrhundert bewohnt, vermutlich von einer wohlhabenden Oberschichtfamilie. Ein verheerender Brand, ausgelöst durch arabische Angriffe, soll die Residenz schließlich unbewohnbar gemacht haben. Die Nähe zur Roten Basilika, die später in eine Kirche umgewandelt wurde, deutet zudem darauf hin, dass das Haus in eine Zeit tiefgreifender kultureller und religiöser Umbrüche eingebettet war.
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Einzigartiger Funde in Pergamon: ein versiegelter Ziegel der königlichen Familie
Neben dem faszinierenden Mosaikhaus haben Archäologen im Rahmen des Projekts „Erbe für die Zukunft“ noch weitere Funde gemacht: Unter anderem fanden sie einen versiegelten Dachziegel aus hellenistischer Zeit mit der griechischen Inschrift „Basilike“ – „dem König gehörend“. Laut Prof. Dr. Yusuf Sezgin wurden solche Siegel auf Gebäuden der königlichen Familie auf der Akropolis verwendet. Das Artefakt sei der erste vollständig erhaltene versiegelte Ziegel, der in Pergamon gefunden wurde, berichtet das türkische Nachrichtenportal „Yeni Söke Gazetesi“.

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Ein weiteres bemerkenswertes Relikt ist ein Grabstein, der im Innenhof entdeckt wurde. Die Inschrift „Das süßeste Kind der Welt“ sowie die Darstellung eines Kindes mit seinem Hund bei der Kaninchenjagd verleihen dem Fund eine besonders emotionale Note. Auch ein byzantinischer Friedhof mit mehreren Gräbern wurde freigelegt, was auf die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen in der spätbyzantinischen Zeit hinweist. Dort fanden Forscher auch Küchenutensilien, Waffen, Schmuck und Münzen – einige dieser Fundstücke könnten bald im Bergama-Museum zu sehen sein.





