Heute ist die Urnenbeisetzung in Deutschland so beliebt wie nie. Laut einer Erhebung der „RAL-Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen“ erreichten Urnenbestattungen 2023 einen Anteil von über 80 Prozent an den gesamten Bestattungen. Nach der Einäscherung des Verstorbenen werden dabei die Überreste in einer Urne aus Naturstein, Keramik, Porzellan, Holz oder anderen Materialien auf einem Friedhof beigesetzt.
Urnengräberfeld in Sachsen: Leichenbrand soll im Labor untersucht werden
Wie ein neuer Fund zeigt, hat diese Form der Urnenbestattung in Deutschland eine uralte Tradition. Archäologen haben nahe der Kleinstadt Mügeln in Sachsen ein bis zu 3400 Jahre altes Urnengräberfeld entdeckt. „Bislang wurden 30 Urnen aus Keramik geborgen“, sagte Grabungsleiter Germo Schmalfuß. „Das Besondere ist, dass hier über Jahrhunderte, von der Bronze- bis in die Eisenzeit bestattet wurde.“
Laut Schmalfuß gibt es zudem komplex aufgebaute Gefäßdeponierungen mit Keramikpackungen und Steinsetzungen, die mit den bronzezeitlichen Gräbern im Zusammenhang stehen. Sie waren mit dunklen Brandrückständen verfüllt und enthalten keinen oder kaum Leichenbrand. Der Zustand der Gräber schwankt zwischen vollständig und vollkommen zerstört. Letzteres hat seine Ursache in der landwirtschaftlichen Nutzung des Areals.

Es gibt Urnen mit und ohne Gefäßbeigaben, wobei die Urnengräber aus der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur bis zu acht Gefäße enthalten. In einer der jüngeren Urnen lag eine Eisennadel. „Dass Gräber aus zwei verschiedenen Zeiten eng beieinander liegen, könnte damit zusammenhängen, dass das Areal ein exponierter Punkt ist“, erklärte Schmalfuß. „Sofern möglich, werden die Urnen mit Leichenbrand und potenziellen Beigaben als Block geborgen, um sie später unter Laborbedingungen zu untersuchen.“
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Weitere Sensationsfunde möglich: Archäologen wollen frühbronzezeitliches Siedlung im Gebiet ausgraben
Aus der mittleren Jungsteinzeit, vor rund 5500 Jahren, wurden mehrere Siedlungsgruben freigelegt. Zwei Grubenkomplexe enthielten Gefäßreste, hauptsächlich einzelne Keramikscherben und Werkzeuggeräte aus Felsgestein und Feuerstein. „Dazu kamen zahlreiche Pfostengruben von Baustrukturen, vermutlich von Gebäuden und Einfriedungen“, berichtete der Archäologe. „Im nächsten Jahr wird voraussichtlich ein frühbronzezeitliches Siedlungsareal, rund 4200 bis 3700 Jahre alt, aus der Aunjetitzer Kultur mit mindestens drei bis vier Hausgrundrissen ausgegraben.“
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Die Grabungen laufen seit 2011 jeweils im Vorfeld der etappenweisen Erweiterung eines Kaolintagebaus. Bislang wurden über elf Hektar Fläche archäologisch untersucht. Dabei wurden etwa 1300 Siedlungsbefunde mit über 20.000 Funden ausgegraben.
os/dpa





