Ein bei deutschen Einkaufstouristen beliebter Supermarkt in der niederländischen Ausflugsstadt Venlo kämpft um seine wirtschaftliche Existenz: Die „2 Brüder“ haben Insolvenz angemeldet. Das gab der hinter der Marke stehende Investor bekannt, die Billie Lucky Group.

Die Verantwortlichen betonten, dass sich für Kundinnen und Kunden zunächst nichts ändern werde. Das Geschäft in der Venloer Innenstadt bleibe geöffnet. Gleiches gelte für eine Filiale im Grenzdorf Siebengewald nahe dem Flughafen Weeze. „Ich kann nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wir sind optimistisch. Ein Neustart ist möglich. Die ,2 Brüder‘ werden niemals schließen“, sagte Bart Rehe, Geschäftsführer der Billie Lucky Group.

„2 Brüder“ können Schulden nicht bedienen

Der 5000 Quadratmeter große Traditionsladen war bereits im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt wurde, dass er beträchtliche Schulden hat. „Diese Schulden belaufen sich auf mehr als acht Millionen Euro“, so Rehe damals. Die Verbindlichkeiten stammen aus der Zeit der Corona-Pandemie. Deutsche Kunden blieben weg, Umsätze brachen ein.

Venlo Innenstadt
Der Supermarkt „2 Brüder“ in der Innenstadt von Venlo bleibt trotz Insolvenz vorerst geöffnet.© FUNKE Foto Services | Julia Tillmann

Zudem stellt es den Investor nach eigenen Angaben vor Probleme, dass die „2 Brüder“ staatliche Corona-Hilfen komplett abbezahlen sollten. Anderen niederländischen Unternehmen werde ein Teil ihrer Schuld hingegen erlassen. Sie müssten Umsatzzahlen aus den beiden Jahren vor der Pandemie vorlegen – als Nachweis, dass der Betrieb zuvor wirtschaftlich gesund war. „Bei uns waren die Umsätze aufgrund einer umfassenden, anderthalbjährigen Renovierung des Ladens nicht so, wie sie sein sollten“, so Rehe. 2019 war das Geschäft vorübergehend in einen provisorischen Verkaufsraum gezogen, währenddessen erneuerte der Esswarenriese seinen Stammsitz. Das habe Millionen gekostet und zur Folge gehabt, dass kurz vor Corona weniger verkauft worden sei.

Venloer Händler fürchten das Schlimmste

Die „2 Brüder“ ziehen pro Woche rund 80.000 Kunden an. Der Venloer Handelsverband hatte bereits vor Monaten davor gewarnt, dass eine mögliche Schließung unkalkulierbare Folgen für die Innenstadt haben werde. Ohne Einkaufstouristen werde das Zentrum veröden, prognostizierte die „Ondernemersvereniging Binnenstad“, denn die Deutschen seien wichtige Frequenz- und Umsatzbringer: „Sie frühstücken hier gemütlich, erledigen den nächsten Einkauf und nehmen dann ein langes Mittagessen.“

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Der Supermarkt war von zwei Gemüsehändlern gegründet worden, die seit Anfang der 60er-Jahre mit Kaffeekäufern aus Deutschland Geld machten. Zum Fressalienimperium gehören neben dem Stammhaus und der Filiale nahe der A57 das Fischlokal „Backus aan de Grens“ zwischen Venlo und Straelen-Herongen am Niederrhein.