Basketball

Inklusion mal anders

Das Team „Unified“ posiert im Oktober 2015 nach einem 1Live-Interview mit der Redakteurin.

Das Team „Unified“ posiert im Oktober 2015 nach einem 1Live-Interview mit der Redakteurin.

Foto: WP

Hagen.   In Hagen gibt es eine Basketball-Mannschaft für geistig behinderte Männer. Mailin und Svenja berichten über das außergewöhnliche Team.

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Hagen ist eine Basketballstadt. Das merkt man an vielen Stellen, zum Beispiel wenn die Bäckerei ihr Schaufenster mit „Phoenix-Hagen“-Plakaten dekoriert. Warum sollte man Basketball dann nicht auch für einen guten Zweck nutzen?

Der TSV Hagen 1860 hat das umgesetzt. Heinz-Werner Schmunz, langjähriger Trainer verschiedener Mannschaften, gründete vor sechs Jahren das Team „Unified“, in dem geistig behinderte Spieler zusammen mit „ganz normalen“ Spielern, den sogenannten „Partnern“, spielen. Das hilft vielen der gehandicapten Spielern selbstbewusster zu werden. Einige der behinderten Athleten wohnen sogar in einer eigenen Wohnung und können sich größtenteils selbst versorgen.

Das Team spielt in der „normalen“ Liga

Großer Leistungsdruck besteht beim Team „Unified“ nicht: Die Mannschaft spielt in der 2. Kreisliga und die Trainer freuen sich über jeden Fortschritt, den die Spieler machen. Natürlich auch über jeden Sieg! Und es ist durchaus nicht so, dass das „Unified“-Team in der Liga chancenlos ist. In dieser Saison wurden bereits vier von vierzehn Spielen gewonnen, ein gutes Ergebnis – vor allem, wenn man den Hintergrund der Mannschaft kennt.

Wir haben selbst bei zwei Spielen zugeschaut und fanden, dass die Mannschaft insgesamt ziemlich gut gespielt hat. Auffällig war vor allem, wie mannschaftsdienlich gespielt wurde, kein einziger Spieler trat besonders hervor. Es war auch nicht bei allen sichtbar, ob sie zu den behinderten Athleten gehörten oder nicht.

Der Spielstil war ansonsten nicht weiter ungewöhnlich, bis auf die Tatsache, dass nur „Zone“ verteidigt wurde. Das ist ein bestimmtes System in der Verteidigung, das, wie uns der Trainer erklärte, leichter für die Spieler zu verstehen ist, als die sogenannte „Manndeckung“, bei der jedem Spieler ein Gegenspieler zugeordnet ist.

Die „Special Olympics“ sind ein großes Event für geistig behinderte Sportler

Über die Besonderheiten beim Training berichtet Hans-Werner Schmunz, dass (normalerweise) einfache Aktionen lange im Training geübt werden müssen, damit sie später im Spiel gelingen. Er berichtet auch von den sogenannten „Special Olympics“, an denen das Team teilgenommen hat. Das sind große Sportveranstaltungen, an denen über fünftausend behinderte Athleten in neunzehn verschiedenen Sportarten teilnehmen. Stolz erzählt der Trainer uns von den „Special Olympics“ 2012 in München und 2014 in Düsseldorf. Dort traten 37 Basketballmannschaften aus ganz Deutschland gegeneinander an. Und das „Unified“-Team war auch mit dabei.

Die Wettkampfregeln unterscheiden sich bei diesen Veranstaltungen allerdings von den Regeln bei einem „normalen“ Basketballturnier. Zunächst werden die Teams bei verschiedenen Spielen genauestens beobachtet und es wird notiert, welche Systeme, Spielzüge und so weiter sie beherrschen. Anhand dieser Beobachtungen werden die Mannschaften in verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt. In jeder Gruppe spielen die Teams dann die Platzierungen aus. Sollte sich im Finalspiel zeigen, dass die Mannschaft eigentlich viel mehr kann, als sie in den Testspielen gezeigt hat, wird sie wegen Betrugs disqualifiziert. Dem Hagener „Unified“-Team ist es bei einem solchen Turnier auch schon einmal gelungen, den ersten Platz in der besten Gruppe zu belegen.

Gemeinsame Unternehmungen auch außerhalb des Sports

Außergewöhnlich am Team „Unified“ ist vor allem der starke Teamgeist. Hans-Werner Schmunz berichtete uns von einem guten Klima und vielen gemeinsamen Unternehmungen auch außerhalb des Sports, wohingegen es bei vielen „normalen“ Mannschaften nicht über das gemeinsame Training hinausgeht.

Insgesamt finden wir, dass das „Unified“-Team ein tolles Projekt ist, das auf jeden Fall weiter gefördert werden sollte. So sind auch alle Basketballbegeisterten eingeladen, sich einmal ein Spiel dieser Mannschaft anzusehen.

MC-Reporterinnen Mailin Matthies und Svenja Woelke, Klasse 8b, Theodor-Heuss-Gymnasium Hagen

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