Das gußeiserne Tor mit der goldenen Brezel in Wuppertal-Elberfeld führt zur Backstube der Traditionsbäckerei Hösterey. Schon im Hof duftet es nach Butter, Zucker und Gewürzen. „Willst du, dass dein Kind gedeiht? Dann nähre es mit Brezeln von Hösterey.“ Rüdiger Hösterey grinst verschmitzt, während er durch seine Backstube wandelt und von alten Zeiten erzählt. Hier, wo er seit über 60 Jahren den Familienbetrieb fortführt.
Burger Brezel-Tradition seit 1795: Wie die Bäckerei Hösterey entstand
Die Höstereys kommen ursprünglich aus Solingen-Burg und backten dort seit 1790. 1795 lernten sie von einem französischen Soldaten das Brezel-Handwerk. „Der war im Zivilberuf wohl Bäcker am Kloster Cluny, und da wurden betende Hände gemacht. Das waren eben diese Brezeln“, erzählt Hösterey, während er prüfend einen Blick in den Ofen wirft.

„Und das hat er dem Hösterey damals beigebracht“, sagt sein Nachfahre. Seitdem gibt es die traditionellen Burger Brezeln. Ein süßer Hefeteig, der in der Mitte gezwirbelt wird. Mit viel Fantasie kann man darin vielleicht auch betende Hände erkennen.
Was als Dankbarkeit für französisches Wissen begann, wurde zur Burger Brezel – der Spezialität, die Rüdiger Hösterey so sehr liebt, dass er sich zum 80. Geburtstag eine auf den Unterarm tätowieren ließ. Neben den bergischen Brezeln entstehen hier auch traditionelles bergisches Zwieback und Spekulatius.
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Traditionelle Spekulatius-Herstellung in Wuppertal
Besonders stolz ist der lebhafte Bäcker auf seine Spekulatius-Maschine. Die historische Walze ist ein Vorkriegsmodell mit einer besonderen Geschichte: „Mein Vater hat gefragt: ‚Was wollen Sie denn für die Spekulatius-Maschine haben?‘ Da hat er gesagt: ‚Jetzt hören Sie ja auf mit Ihrer Reichsmark. Aber ich verkaufe Ihnen die Maschine, wenn Sie mir dafür Spekulatius liefern.‘“

Drei verschiedene Sorten Spekulatius werden hier gebacken: Gewürz-, Butter- und Butter-Mandel-Spekulatius. Drei Tonnen sind in der Backstube, die Rüdigers Urgroßvater in Elberfeld gebaut hat, in diesem Jahr schon entstanden – bis Weihnachten werden es noch fünf bis sechs Tonnen mehr.
Backstube der Bäckerei Hösterey: „Der Ofen bestimmt hier alles“
In der Backstube herrscht geschäftiges Treiben. „Der Ofen, der bestimmt hier alles“, erklärt Hösterey die Hierarchie seines Betriebs. Auch nach über sechs Jahrzehnten passieren ihm noch kleine Missgeschicke: „Ich habe ein Blech heute Morgen vergessen. Das hab‘ ich aber ganz schnell weggetan, damit meine Frau das nicht sieht.“ Lachend zeigt er die verbrannten Plätzchen, die die Farbe von Lebkuchen angenommen haben.
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Die Bäckerei Hösterey hat keinen eigenen Verkaufsladen mehr. Stattdessen beliefert der Wuppertaler Traditionsbetrieb Supermärkte wie Akzenta, vereinzelt andere Bäcker und Cafés. In der Vorweihnachtszeit wird die Arbeit besonders intensiv. „Jetzt im Moment, da hampeln wir ganz schön rum“, fasst der 83-Jährige die Situation zusammen. Er quittiert das allerdings mit einem Schulterzucken und einem trockenen „Naja“. So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe.
Zukunft der Traditionsbäckerei: Handwerk bleibt in Wuppertal
Obwohl Rüdiger Hösterey noch jeden Tag in seiner Backstube steht und gerne Milchsuppe mit seinen eigenen Brezeln löffelt, liegt die Zukunft der traditionsreichen Bäckerei Hösterey bei einem Mitarbeiter, der selbst aus einer Bäckerfamilie stammt und seine Ausbildung hier gemacht hat. So bleibt das Handwerk in vertrauten Händen – und die Geschichte der Burger Brezeln kann weitergehen.





