Es ist eine unscheinbare Zeile in einer 31-seitigen VRR-Beschlussvorlage, die auch für Wuppertaler teuer werden könnte: „Abschaffung des 2-Waben-Tarifs sowie der Wabenstruktur“. Was technisch klingt, bedeutet konkret: Wer künftig mit dem Bus von Beyenburg nach Schwelm – eine Fahrt von wenigen Minuten – fährt, zahlt statt 3,60 Euro plötzlich 7,70 Euro – mehr als das Doppelte.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) will sein Tarifsystem vereinfachen. Doch das kann vor allem Menschen treffen, die an Wuppertals Stadtgrenzen wohnen. Einzelfahrten ins Umland könnten deutlich teurer werden.

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Zum Hintergrund: Seit der VRR-Gründung im Jahr 1980 sind kurze Fahrten, die über die Grenzen benachbarter Städte führen, genauso teuer wie Fahrten innerhalb einer Stadt, nämlich mit der Preisstufe A. Dafür sorgt der 2-Waben-Tarif, der nach den Plänen des VRR im nächsten Jahr entfallen soll. Bis März 2025 galt für solche Strecken sogar noch der Kurzstreckentarif von 2,20 Euro.

Diese Wuppertaler Strecken werden doppelt so teuer

Die Liste der betroffenen Verbindungen ist lang und zeigt: Es trifft vor allem die Stadtränder, wo Menschen mit dem Bus auch ins benachbarte Umland pendeln:

  • Von Uellendahl und Dönberg nach Velbert-Neviges und -Tönisheide
  • Von Cronenberg nach Solingen Mitte, -Gräfrath, -Wald und Remscheid Mitte
  • Von Vohwinkel nach Mettmann, Wülfrath, Haan, Solingen-Gräfrath und -Wald
  • Von Katernberg nach Wülfrath, Velbert-Neviges und -Tönisheide
  • Von Barmen nach Obersprockhövel
  • Von Langerfeld, Nächstebreck und Oberbarmen Bf nach Schwelm und Sprockhövel-Haßlinghausen
  • Von Beyenburg nach Schwelm, Remscheid-Lüttringhausen und -Lennep
  • Von Ronsdorf nach Remscheid-Lüttringhausen

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VRR: „Weniger als ein Prozent der Kunden betroffen“

VRR-Sprecher Dino Niemann verteidigt die Pläne gegenüber unserer Redaktion: „Der 2-Waben-Tarif wird kaum von Kunden genutzt. Mittlerweile sind weniger als 1 Prozent der VRR-Kunden von der Anpassung betroffen.“

Der Grund für die Abschaffung: Das DeutschlandTicket und der elektronische Tarif eezy.nrw hätten gezeigt, „dass die historischen tariflichen Strukturen von Waben nicht mehr zeitgemäß sind“. Wie aus dem VRR-Beschlussvorschlag hervorgeht, haben die Verkehrsunternehmen gar keine oder nur sehr geringe Einnahmen durch den Tarif.

Wann kommt die Änderung? „In der kommenden Woche entscheidet der VRR-Verwaltungsrat darüber. Ein konkreter Zeitpunkt zur Umsetzung ist noch nicht definiert“, so Niemann. Die Umsetzung soll mit anderen NRW-Tarifräumen synchronisiert werden.

Die digitale Alternative: eezy.nrw

Als Alternative preist der VRR den elektronischen Tarif eezy.nrw an, der seit Dezember 2021 existiert. Dabei wird der Fahrpreis nach Luftlinie zwischen Start- und Zielpunkt berechnet – oft günstiger als Einzeltickets am Automaten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das. „Jugendliche unter 18 Jahren dürfen eezy nicht nutzen, zahlreiche Menschen mit körperlichen Einschränkungen können es nicht, und Menschen ohne Smartphone sind außen vor“, kritisiert Sprecher Lothar Ebbers.

Pro-Bahn-Sprecher Lothar Ebbers kritisiert den Wegfall des 2-Waben-Tarifs.
Pro-Bahn-Sprecher Lothar Ebbers kritisiert den Wegfall des 2-Waben-Tarifs.© FUNKE Foto Services | Thomas Schmidtke

Weitere Probleme mit eezy laut Ebbers:

  • Bei fehlendem Mobilfunkempfang muss auf den teuren Bartarif ausgewichen werden.
  • Bei leerem Handy-Akku wird man zum Schwarzfahrer, da das Smartphone während der gesamten Fahrt im Ortungsmodus laufen muss.
  • Keine Tageskarten oder Gruppentarife verfügbar.

Laut VRR ist eezy jedoch eine Erfolgsgeschichte: Von Juli 2024 bis Juli 2025 stieg die Nutzerzahl um 123 Prozent. Im Juli 2025 wurden 570.000 eezy-Fahrten gemacht, perspektivisch rechnet der VRR mit 850.000 Fahrten monatlich. Auch ältere Menschen nutzen den Service: Jeder fünfte eezy-Nutzer gehört laut VRR zur Altersgruppe 60+.

Aber: eezy funktioniert nur per Smartphone-App. Trifft das dann nicht genau die Altersgruppe, die seltener zum Smartphone greift? VRR-Sprecher Niermann argumentiert mit Daten: „Gemäß Statista liegt die Quote der Smartphone-Besitzes bei der Bevölkerung zwischen 60 und 69 Jahren bei 85,2 Prozent, bei 70 Jahre und älter noch immer bei 68,2 Prozent.“

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Pro Bahn fordert dennoch eine Guthabenkarte nach niederländischem Vorbild. In den Niederlanden und anderen Ländern funktioniere das prima, sagt Ebbers.

Kommt die Prepaid-Lösung?

Tatsächlich arbeitet der VRR bereits an einer Prepaid-Karte. Das Pilotprojekt „Calo“ – eine Guthabenkarte, die nur für VRR-Tickets genutzt werden kann – orientiert sich an internationalen Vorbildern wie Amsterdam, London oder Paris. Die Karte soll „verbundeinheitlich bei allen Verkehrsunternehmen lesbar und für bargeldlose Zahlungen nutzbar sein“. Ein erster Test ist allerdings erst für Anfang 2027 geplant – in Düsseldorf.

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