Rund 350.000 Hunde, Katzen und Kleintiere werden jedes Jahr in deutschen Tierheimen abgegeben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mal sind die Halterinnen und Halter mit der Versorgung überfordert, mal lassen sich Tierhaltung und Familienplanung nicht mehr vereinbaren. Besonders während der Coronapandemie wurden vermehrt Hunde und Katzen adoptiert – viele davon landen nun in den Tierheimen. Auch im Bergischen Land.

In Wuppertal hat sich die Situation jedoch besonders zugespitzt, seit das städtische Tierheim 2016 schließen musste. Doch wie konnte es so weit kommen? Und was passiert eigentlich heute mit Fundhunden, verletzten Katzen oder ausgesetzten Meerschweinchen?

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Was viele nicht wissen: Die meisten Tierheime in Deutschland sind nicht in städtischer Hand. Sie werden von Vereinen betrieben, die Verträge mit den Kommunen abschließen – so auch in Wuppertal.

Eine zentrale Aufgabe bleibt jedoch bei der Stadt: die Versorgung von Fundtieren. Diese „kommunale Pflichtaufgabe“ umfasst alle Tiere, die herrenlos aufgefunden werden – von der verletzten Katze im Luisenviertel bis zum streunenden Hund auf der Nordbahntrasse. Für privat abgegebene Tiere hingegen – also solche, von denen sich die Halterinnen und Halter bewusst trennen – besteht keine gesetzliche Verpflichtung.

Tierschutzzentrum Wuppertal
Auf dem Gelände der Bergischen Diakonie in Wülfrath entsteht seit 2022 ein neues Tierschutzzentrum.© Christina Willems

Und genau hier beginnt das Dilemma. Die Schließung des Tierheims im Jahr 2016 war das Ergebnis eines finanziellen Schlagabtauschs. Der Tierschutzverein forderte mehr Geld von der Stadt Wuppertal – für Unterbringung, Pflegepersonal und tierärztliche Versorgung der untergebrachten Tiere.

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Auch infrastrukturell war das Wuppertaler Tierheim in die Jahre gekommen: Die Anlagen galten als nicht mehr zeitgemäß, Platz war knapp, ein aufwändiger Umbau wäre notwendig gewesen. Der Verein übte Druck auf die Stadt aus und machte die weitere Zusammenarbeit von höheren Zuschüssen abhängig. Die Stadt ließ sich darauf jedoch nicht ein und entschied sich stattdessen für eine Kooperation mit dem Tierheim in Witten.

Seit der Schließung läuft die Versorgung von Fundtieren auf Sparflamme. Hunde und Kleintiere aus dem Raum Wuppertal landen mittlerweile im Tierheim Witten. Um Katzen kümmert sich der Katzenschutzbund Wuppertal, ein ehrenamtlich arbeitender Verein mit begrenzten Kapazitäten. Abgabetiere werden von keiner offiziellen Stelle aufgenommen. Wer also keine eigene Lösung findet, steht oft vor verschlossenen Türen.

Illegaler Hundehandel als zusätzliche Belastung

Zusätzlichen Druck erzeugt ein Problem, das oft im Verborgenen bleibt: der Import von Hunden aus dem Ausland. In Ländern wie Rumänien ist es lukrativ, Straßenhunde einzufangen – für jeden Hund gibt es dort bis zu 50 Euro Prämie. Die Tiere werden entweder exportiert – oft nach Deutschland – oder landen in Tötungsstationen. Inzwischen werden sogar gezielt Welpen für den deutschen Markt produziert und aus Rumänien, Bulgarien oder Polen nach Deutschland transportiert.

Heimtierhandel 2024
Diese Grafik verbildlicht den illegalen Heimtierhandel, der 2024 in Deutschland stattgefunden hat.© Deutscher Tierschutzbund

Viele dieser Tiere sind nicht geimpft und infizieren sich noch vor dem Transport mit Krankheiten. Wenn sie die Fahrt überleben, erkranken sie schwer oder entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Die neuen Halterinnen und Halter sind häufig überfordert oder schrecken vor den hohen Behandlungskosten zurück. Das Ergebnis: Die Tiere landen im Tierheim. Und für die Tierschützer entstehen zusätzliche Belastungen durch die zeit- und kostenintensive Pflege der abgegebenen Welpen.

„Deutschland spielt seit Jahren beim illegalen Handel mit Heimtieren eine Schlüsselrolle, ist oft Bestimmungsland für die vielen Hundewelpen, aber auch für Katzen und exotische Wildtiere“, so Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Pechpfoten e.V. baut Tierschutzzentrum

Wuppertal steht bis heute ohne eigenes Tierheim da – ein Zustand, der weder den Tierschutz noch die Bevölkerung in der Stadt zufriedenstellt. Die Übergangslösungen funktionieren nur dank ehrenamtlichem Engagement und ausgelagerter Verträge.

Wenn es nach dem Verein Pechpfoten e.V. geht, soll sich das bald ändern: Auf dem Gelände der Bergischen Diakonie errichten die Tierschützer seit 2022 ein Tierschutzzentrum, das zukünftig Hunde, Katzen und Kleintiere aufnehmen soll. Der Verein gewann 2023 das Bürgerbudget und investierte die Prämie in die Umgestaltung einer Bauruine in Wülfrath. Dort sollen Behandlungsräume, eine Quarantänestation, eine Mitarbeiterwohnung und ein eigenes Tierschutz-Café entstehen.

Tierschutzzentrum Wuppertal
Zum neuen Tierheim soll auch ein Tierschutz-Café gehören, das bereits liebevoll eingerichtet wurde. © Christina Willems

Ob und wann das Zentrum die ersten Tiere aufnehmen kann, ist jedoch noch unklar. Aktuell behindern vertragliche Streitigkeiten zwischen dem Verein und der Diakonie den Fortgang der Bauarbeiten.