Besser hätte das Wetter gar nicht sein können. Die Wittener Gewerkschaften und Parteien haben Glück mit ihren Maikundgebungen. Allerdings brennen ihnen viele Probleme unter den Nägeln. Nicht nur der SPD laufen die Wähler davon. Auch der DGB muss um seine Mitglieder kämpfen. Um so mehr wurde der Zusammenhalt beschworen.

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IG-Metall-Bevollmächtiger Mathias Hillbrandt will sich nicht nachsagen lassen, „immer nur gegen“ etwas zu sein. „Ich bin für Arbeitsplätze und Mitbestimmung“, ruft er den rund 350 Teilnehmenden am Freitag auf dem Rathausplatz zu. Gerade jetzt gelte es, etwa die Montanmitbestimmung „gegen Kräfte zu verteidigen, die gegen uns sind, auch im Bundestag“. Hillbrandt erinnert auch an heimische Unternehmen wie Ruhrpumpen, wo die Arbeit von Betriebsräten behindert werde. „Das dürfen wir nicht zulassen!“

Kanzler Merz soll Praktikum im Wittener Weichenwerk machen

Eine klare Absage erteilt der Bottroper einer Streichung des 1. Mai - dem Tag der Arbeit - als Feiertag. „Wir können über alles reden, aber nicht darüber“, ruft Hillbrandt und erntet Applaus. Gastredner Sebastian Bitterwolf von der Eisenbahnergewerkschaft ruft dazu auf, den Acht-Stunden-Tag zu verteidigen. Noch nie hätten die Beschäftigten so viel gearbeitet wie heute. Er kritisiert Äußerungen des Kanzlers, die Deutschen müssten wieder mehr arbeiten. Merz solle doch mal ein Praktikum an der Säge im Wittener Weichenwerk machen. „Danach können wir dann ja noch mal über die Work-Life-Balance reden.“ Das kommt an beim Publikum.

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Allerdings können die kämpferischen Töne und wehenden Fahnen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf dem ohnehin schon begrenzten Platz Lücken klaffen. Die Parteien sind fast durch die Reihe vertreten, ausgenommen die AfD. Familienministerin Verena Schäffer von den Grünen ist gekommen, die mögliche Landtagskandidatin der SPD, Tanja Knopp, verteilt rote Rosen. Auch CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Strauss-Köster lässt sich sehen. Doch am längsten ist die Schlange am Bratwurststand.

CDA verteilt blaue Kulis

Bürgermeiser Dirk Leistner unterstützt das Motto an diesem Tag, das lautet: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Witten sei eine Stadt der Arbeit, so der Bommeraner, „sie lebt von den Menschen, die anpacken“. Die Beschäftigten dürften nicht die Rechnung für hausgemachte Fehler, fehlende Investitionen und unsichere Rahmenbedingungen zahlen. Sichere Arbeitsplätze, Investitionen, Ausbildung und Mitbestimmung sind vier zentrale Forderungen an diesem 1. Mai in Witten.

Bei strahlendem Sonnenschein war die Stimmung auf der Maikundgebung in Witten trotz der ernsten Themen heiter.
Bei strahlendem Sonnenschein war die Stimmung auf der Maikundgebung in Witten trotz der ernsten Themen heiter.© WAZ | Jürgen Augstein

Eisenbahngewerkschafter Bitterwolf wirft der Arbeitgeberseite „Klassenkampf von oben“ vor. „Die Profitmaximierung steht über allem“, ruft er und forderte einen „größeren Beitrag der Superreichen und Milliardäre“. Da kann selbst die DKP mit klatschen, die ebenfalls Präsenz zeigt. Aber auch die CDA - die Arbeitnehmer der CDU - verteilt blaue Kulis. Die Landtagswahl 2027 lässt grüßen.