- Neben Trinitatis in Witten gewähren noch die Gemeinden Niedersprockhövel und Hattingen-Holthausen Kirchenasyl
- Es muss der nötige Platz für Flüchtlinge vorhanden sein - und die Bereitschaft, sie zu betreuen
- Sonderbeauftragte im Kirchenkreis Hattingen-Witten freut sich über gelungene Integrationsbeispiele
Trinitatis in Heven ist die einzige Gemeinde im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten, die eine größere Zahl von Flüchtlingen gleichzeitig aufnimmt. Kirchenasyl ist keineswegs gängige Praxis. Die beteiligten Gemeinden sind eher die Ausnahme. Das aber schon seit vielen Jahren.

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Sprockhövel bietet Dublin-Flüchtlingen, die oft über die Balkanroute nach Europa eingereist sind und zum Beispiel in Bulgarien oder Rumänien registriert wurden, schon seit über zehn Jahren Schutz. „Immer für eine Person. Wir haben dafür einen kleineren Raum“, sagt die dortige Pfarrerin Heike Rienermann, die Beauftragte für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis ist. Momentan handele es sich um einen Gast aus Somalia. Hattingen-Holthausen kümmere sich derzeit um eine junge Frau aus Angola.
Pfarrerin: 500 Flüchtlinge in Westfalen im Kirchenasyl
Mit den zahlreichen Flüchtlingen in Heven gibt es laut Rienermann aktuell also drei Gemeinden im gesamten Kirchenkreis, die Kirchenasyl gewähren. „Ich wüsste derzeit auch keine anderen im EN-Kreis“, sagt die 61-Jährige. „Die Zurückhaltung ist groß.“

In der Kirche von Westfalen genießen derzeit rund 500 Personen diesen Schutz, weiß Pfarrerin Heike Bundt aus Heven. In der Gemeinde am Rheinischen Esel (Rüdinghausen/Annen) gab es ihren Angaben zufolge z.um Beispiel eine Familie aus Afghanistan, in der Christuskirche an der Sandstraße in Witten hatte eine Frau aus Syrien Zuflucht gefunden. In Johannis lebt eine ukrainische Familie in der alten Küsterwohnung - aber nicht im Kirchenasyl.
Diskussionen innerhalb des Presbyteriums
Neben möglichen Bedenken oder Ängsten innerhalb der Gemeinde, man tue vielleicht etwas Unrechtes und hole sich fremde Menschen ins Haus, gibt es nicht zuletzt ganz praktische Gründe, warum Kirchenasyl nur an relativ wenigen Orten gelebte Wirklichkeit wird. „Es ist ja auch eine Frage, wie viel Platz da ist, und eine Frage der Betreuung und Finanzierbarkeit“, sagt Heike Rienermann.
Sie kann sich noch gut an die Anfänge in Sprockhövel erinnern, als es heftige Diskussionen innerhalb des Presbyteriums gegeben habe. „Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Ängste unbegründet sind“, sagt sie. Die für manche anfangs vielleicht „bedrohliche Masse kriegt ein Gesicht“. Heute spricht Rienermann von einer gelungenen Integration auf beiden Seiten. „Die Geflüchteten helfen nach dem Mittagstisch beim Saubermachen, die Frauenhilfe bringt Kuchen.“
Fluchterfahrungen auf Balkanroute hinterlassen schwere seelische Spuren
Oftmals handele es sich bei den Schutzsuchenden um traumatisierte Menschen, die auf ihrer Flucht Schreckliches erlebt hätten, in Zwischencamps auf der Balkanroute „eingeknastet“ gewesen seien und Gewalterfahrungen gemacht haben. Rienerman: „Wir stellen uns nicht außerhalb des Rechts. Wir bitten das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) nur, noch mal auf diese Fälle zu schauen“ - in einem geordneten Asylverfahren.





