• Sechs Schafe in Ennepetal gerissen, drei Tiere galten als vermisst
  • DNA-Proben bringen nach acht Wochen endgültige Sicherheit
  • Wölfin aus Rheinland-Pfalz eindeutig identifiziert

Wölfe sind im EN-Kreis schon mehrfach gesichtet worden zuletzt Anfang 2023, als ein Tier durch Witten zog. Jetzt gibt es den ersten amtlich bestätigten sogenannten „Wolfsriss“ überhaupt im Kreisgebiet. In Ennepetal wurden sechs Schafe getötet.

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Acht Wochen sind seit dem Vorfall am 17. Februar vergangen, bevor das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) beziehungsweise der EN-Kreis jetzt mit dem sicheren Befund an die Öffentlichkeit gingen: Es war ein Wolf, vielmehr eine Wölfin, die in Ennepetal sechs Tiere gerissen hat. Sie gehörten zu einer Schafsherde, die ausgebrochen war - womöglich auf der Flucht vor dem Raubtier. Drei weitere Tiere galten seinerzeit als vermisst.

DNA-Probe weist Wölfin aus dem „Rudel Puderbach“ nach

Das tatverdächtige Tier konnte aufgrund von Speichelproben an den Bissspuren identifiziert werden. Es soll sich um eine Wölfin aus dem „Rudel Puderbach“ in Rheinland-Pfalz handeln. Sie wird nun unter der Bezeichnung „GW4373f“ geführt. Es deute aber nichts darauf hin, dass sich das Tier nun dauerhaft im EN-Kreis oder Umgebung aufhält, so der Kreis. Erst wenn innerhalb von sechs Monaten wiederholt Nachweise desselben Wolfes erbracht werden, können man von „Standorttreue“ ausgehen.

Wölfe legen viele hundert Kilometer zurück, gerade auf der Suche nach eigenen Revieren, wenn sie geschlechtsreif sind und ihre herkömmlichen Rudel verlassen haben. Nach Angaben des LANUK ist die kalte Jahreszeit „einfach die Zeit“ für solche Wanderungen von Jungtieren im Alter zwischen anderthalb und zwei Jahren. Ob die Wölfin alleine war, sei nicht unwahrscheinlich. Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia: „Genetisch konnten wir nur den einen Wolf erfassen.“

Landwirt sah Wolf Anfang 2023 im Schnee in Witten-Durchholz

Der EN-Kreis spricht vom ersten gesicherten Wolfsnachweis im Zusammenhang mit einem „Schadensereignis“. Bislang hat es im Kreisgebiet lediglich einzelne Sicht- und Videonachweise gegeben, zuletzt im Januar 2023 in Witten und Wetter.

Zuletzt sorgte 2023 ein Wolf in Witten-Durchholz für Aufsehen. (Archivbild)
Zuletzt sorgte 2023 ein Wolf in Witten-Durchholz für Aufsehen. (Archivbild)© Thiele | Christian Thiele

Damals sorgte ein Wolf, der unter anderem im Schnee in Durchholz gesehen wurde, für großes Aufsehen. Landwirt Christian Thiele hatte damals sogar ein Video angefertigt und Haare von dem Tier gefunden. Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren kreisweit fünf gesicherte Wolfsnachweise dokumentiert, die auf durchziehende Tiere hindeuteten. 

Noch sind Wölfe im EN-Kreis nicht ansässig

Die Fachbehörden schließen nicht aus, dass künftig weitere Wölfe durch den EN-Kreis laufen oder sich hier sogar ansiedeln. Sie verweisen auf die Nähe zu bestehenden Wolfsgebieten. Dazu zählen der Märkische Kreis, der Hochsauerland- und der Rhein-Sieg-Kreis. Außerdem sei der Ennepe-Ruhr-Kreis grundsätzlich als Lebensraum für sie geeignet.
 
Menschen brauchen sich in der Regel aber nicht zu fürchten, obwohl zuletzt eine Frau in Hamburg sogar in einem Einkaufszentrum angegriffen wurde. „Wölfe gelten als scheu und meiden den Menschen“, erklärt der Kreis. „Begegnungen sind selten, verlaufen in der Regel unauffällig und enden meist mit der Flucht des Tieres“, heißt es. Wer trotzdem auf einen Wolf treffe, solle Abstand halten, möglichst Ruhe bewahren und sich gegebenenfalls bemerkbar machen, um ihn zu vertreiben.

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Betroffener Halter kann auf Entschädigung hoffen

Der betroffene Halter aus Ennepetal, der mindestens sechs Tiere verloren hat, kann mit einer Entschädigung rechnen. Das Land helfe und biete auch Förderprogramme für den Herdenschutz an, so der EN-Kreis. Schafszüchter zwischen Breckerfeld und Witten dürften den ersten bestätigten Fall eines Wolfsrisses jedenfalls aufmerksam zur Kenntnis nehmen.

Ansprechpartner für Sichtungen von Wölfen und Vorfällen mit ihnen ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). Eine Meldung an die Behörde sollte möglichst schnell erfolgen, gerade bei Rissen, da DNA-Proben innerhalb von 24 Stunden gesichert werden sollten. Hinweise auf Wölfe können per Mail an wolf_nrw@lanuv.nrw.de erfolgen, Nutztierschäden sowie tote oder verletzte Tiere sofort unter 02361/305-3322. gemeldet werden. Online-Formulare gibt es auf wolf.nrw (dann „Aktuelles“).