Zusammenfassung

  • Leon Oberhof hat den alten Minigolfplatz am Hohenstein in Witten unter neuem Namen wiedereröffnet.
  • Trotz Retro-Charme und kleinen Makeln lädt die Anlage Familien, Paare und Freunde zum entspannten Spielen ein.
  • Für die Zukunft will Oberhof einen Verein gründen und sucht engagierte Unterstützer und Gründungsmitglieder.

Dieser sonnige Tag ist perfekt für eine Partie Minigolf. Eltern, Paare, Familien und Freunde lassen sich denn auch nicht lange bitten - und weder von Unkraut, Fangkörben mit Blatteinlage oder einer kaputten Bank stören. Die Freude überwiegt, dass der alte Minigolfplatz am Fuße des Hohensteins in Witten nach einem sehr kurzen Gastspiel im letzten Jahr wieder zu neuem Leben erwacht ist. Einem jungen Berliner sei Dank.

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Leon Oberhof ist ein Tausendsassa. Er hat schon viel gemacht, von mobiler Saftbar bis zum Managerstudium. Jetzt ist der zweifache Vater auf die kleinen Bälle in Neongelb und Orange gekommen. „Piraten Golf Witten“ war gestern. Es lebe der „Piraten Minigolf Hammerteich“.

Wittener Minigolflatz setzt weiter auf Piraten-Flair

Somit hat die Anlage, die weit von professioneller Platzreife entfernt zu sein scheint, zumindest schon mal einen neuen Namen. Mit dem nahen Hammerteich liegt ein Parkplatz gleich gegenüber und so finden an diesem Nachmittag viele Ausflügler den Weg dorthin - zumal es auf Wittener Gebiet nicht so viele Alternativen gibt. Die Ardeyer Golfhütte an der Waldstraße ist längst Geschichte und der „Adventure Minigolf“ am Kemnader See in Oveney gerade an schönen Tagen oft überlaufen. Bliebe noch die Anlage am Kälberweg in Annen und am Freizeittreff in Herbede. Aber Hohenstein ist eben Hohenstein.

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Wer es also etwas ruhiger mag, später vielleicht noch hoch zum Damwild will und keine perfekte Anlage erwartet, kann hier unten durchaus seinen Spaß haben. Neu ist nicht viel, im Gegenteil, es herrscht Retrolook. Der Pirat mit der Augenbinde - eine lebensgroße Figur - hat schon mal bessere Tage gesehen und die rote Langnesetafel hängt auch nicht erst seit gestern. Die Holzbude mit Kasse und Schlägerausgabe scheint noch aus der Anfangszeit in den Siebzigern oder Achtzigern zu stammen. Die „bunte Tüte“ am Bonbontresen ist aber garantiert frisch befüllt.

Der Minigolfplatz unten am Hohenstein um das Jahr 1970: Diese Aufnahme stellte uns Eigentümer Thomas Staupe zur Verfügung.
Der Minigolfplatz unten am Hohenstein um das Jahr 1970: Diese Aufnahme stellte uns Eigentümer Thomas Staupe zur Verfügung.© privat | Privat

18 Bahnen mit Kunstrasenbelag

Die 18 Bahnen mit aufgeklebtem grünem Kunstrasenbelag wirken ebenfalls ein wenig aus der Zeit gefallen, lassen sich aber durchaus gut bespielen. Und die mitunter leicht angemackten Hindernisse machen trotz ihres hohen Alters immer noch was her. Der Test-Reporter braucht insgesamt 72 Schläge, also durchschnittlich vier pro Bahn. Damit landet er auf dem dritten Platz - bei drei Spielerinnen und Spielern. Kann ja noch werden. Die Saison hat schließlich gerade erst begonnen.

Profi-Golflehrer übernimmt Platz in Corona-Zeit

Der frühere Profigolflehrer Steffen Eich (39) hatte den Minigolfplatz am Hohenstein 2021 übernommen, noch während der Pandemie. Im September war Neueröffnung, nachdem die Anlage mehrere Jahre brachgelegen hatte.

Eich, der unter anderem den Kunstrasenbelag einführte und die einstige Wiese mit Schotter belegen ließ, gilt noch heute als Hauptpächter. Er selbst betreibt unter anderem den „Adventure Golf Park“ im Dortmunder Revierpark Wischlingen. Eigentümer der 1500 m² großen Fläche am Hohenstein ist Thomas Staupe aus Witten.

Betreiber Leon Oberhof hat die in die Jahre gekommene Anlage für eine Saison als Unterpächter zu einem „fairen Kurs“ übernommen, wie er sagt. Er verfolgt nach eigenen Angaben keine großartigen kommerziellen Interessen - was dieser Platz seiner Ansicht nach auch gar nicht hergäbe, wenn er Personal einstellen und Mindestlohn zahlen würde.

„Für mich ist das Wichtigste, dass die Anlage wieder genutzt wird“, sagt der gelernte Zimmermann, dem es die Außengastronomie schon mit 15 in Berlin-Reinickendorf angetan hatte. VIP-Catering unter anderem für die Fifa und Formel 1 gehörten später seinen eigenen Angaben zufolge zu den weiteren beruflichen Stationen. Er hat auch schon in erneuerbaren Energien und Hausmeisterservice gemacht.

Minigolfplatz am Hohenstein war verwildert und voller Laub

Auf den Platz unten am Hohenstein wurde der Wahl-Wittener, der über das Studium in Witten-Herdecke den Weg an die Ruhr fand, beim Vorbeifahren aufmerksam. Die zunächst genannte Abstandssumme konnte er zwar nicht zahlen. Später wurde er sich mit dem Verpächter dann aber doch handelseinig. Siehe oben.

„Alles war trist und verwildert. Überall lag Laub“, erinnert sich Leon an den „Kaltstart“ zu Ostern und räumte vorher erst einmal auf. Wer jetzt die Nase rümpft, weil es immer noch nicht wie bei Meister Proper aussieht, dem sei gesagt: „Die Instandsetzung fängt ja gerade erst an.“ Gefährliche Bänke wurden bereits ausrangiert, neue sollen folgen. Wenn im Sommer ein „Piratenfest“ steigt, soll alles wieder schön aussehen. Die Kunstpalmen sollen bis dahin durch echte ersetzt werden. Das Piratenmotiv zieht sich durch die gesamte Anlage.

Minigolfanlage am Hohenstein hat neuen Pächter in Witten
Ex-Profigolflehrer Steffen Eich hatte die Anlage 2021 übernommen. Damals war überall Wiese. Eich ist noch heute der Hauptpächter. © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

Verein soll für für Erhalt der Anlage sorgen

Oberhof verfolgt weitergehende Pläne. Er will die Anlage gar nicht dauerhaft allein betreiben, sondern einen Verein gründen, der das tut. Also: Wer vielleicht ein paar Euro für die Wiederbelebung des alten Minigolfplatzes übrig hat und/oder vielleicht sogar noch ein wenig Arbeitszeit investieren möchte, kann sich bei ihm gern melden. Sieben Gründungsmitglieder werden gesucht. Mit Sicherheit bekommen sie auch eine Gratisrunde spendiert.

Werktags ist der Minigolfplatz am Hohenstein 6 (gegenüber vom Parkplatz Hammerteich) in der Regel von 16 bis 19 Uhr geöffnet, am Wochenende ab 12 Uhr. Erwachsene zahlen drei, Kinder ab acht Jahren zwei und darunter einen Euro. Die Familienkarte kostet fünf Euro (zwei Erwachsene, drei Kinder).