Seit über 40 Jahren gibt es den Ortsverband des Kinderschutzbundes in Witten. Trotzdem müssen die Ehrenamtlichen immer wieder feststellen, dass längst nicht jeder in der Stadt die durchweg kostenlosen Angebote kennt. „Dabei leisten wir so viel“, sagt Katja Raillon vom Vorstand. Doch neben der mangelnden Bekanntheit plagen den Verein derzeit noch ganz andere Probleme. Es fehlt an Geld.

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„Viele glauben, wir sind städtisch“, sagt die 63-Jährige. Doch dem ist nicht so. Das Jugendamt schicke zwar regelmäßig Kinder zur Familienberatung des Kinderschutzbundes, in der Honorarkraft Serap Bachmann wichtige Unterstützung leistet. Doch in Sachen Finanzen bleibt der Verein vollkommen sich selbst überlassen und ist auf Spenden angewiesen. Davon könnte er jede Menge mehr gebrauchen. Nicht nur für die Familienberatung, die so gefragt ist, dass sie das Angebot aufstocken könnten - und es mangels Geld stattdessen reduzieren.

Kleiderladen des Kinderschutzbundes in Witten fast täglich geöffnet

„Wir haben außerdem Energiekosten ohne Ende“, nennt Katja Raillon ein Beispiel für die finanziellen Herausforderungen. Denn die knapp 400 m² großen Räume im Gebäude an der Konrad-Adenauer-Straße in unmittelbarer Nähe zur alten Feuerwache müssen in der kalten Jahreszeit regelmäßig beheizt werden. Schließlich findet hier montags bis donnerstags immer nachmittags eine Hausaufgabenbetreuung mit jeweils 25 bis 30 Kindern statt. Auch der beliebte Kleiderladen ist fast täglich geöffnet. Doch das ist längst nicht alles.

Kinderschutzbund Witten
Gut gefüllt: der Kleiderladen des Kinderschutzbundes Witten. Dort gibt‘s Klamotten ab 50 Cent. Für den Verkauf werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht.© WAZ | Annette Kreikenbohm

Die Folgekosten einer Brandschutzbegehung haben neulich ein großes Loch ins Budget gerissen. „Es gab nur Empfehlungen, dass wir etwas verändern sollten“, sagt Schatzmeister Martin Muhr (60). „Aber wir haben schon ein bisschen Angst bekommen“, denkt Katja Raillon an die Verantwortung für Ehrenamtliche und junge Besucher.

Kein Geld für die Reparatur des Daches

Deshalb hat der Verein 30.000 Euro in die Hand genommen, um die Elektrik neu machen und Paniktüren einbauen zu lassen. Letztere lassen sich auch abgeschlossen immer nach außen öffnen. Das Geld - es fehlt jetzt natürlich an anderer Stelle. Zwar muss der Verein keine Miete zahlen, das Haus war mal Teil einer Großspende. Aber: „Jetzt ist auch noch das Flachdach kaputt“, sagt Muhr fast schon schicksalsergeben. Wasser läuft rein. Sie haben deshalb Eimer und ein Planschbecken aufgestellt. Selbst eine notdürftige Reparatur würde eine vierstellige Summe verschlingen. Geld, das sie nicht haben.

Wittener Verein benötigt dringend Spenden

Es ist nun nicht so, dass der Kinderschutzbund überhaupt keine Spenden erhält. 2025 waren es rund 40.000 Euro. Das Gericht teilt manchmal Bußgelder zu. Der Kleiderladen mit seinen günstigen Preisen wirft etwa 6000 Euro im Jahr ab. Die Mitgliederbeiträge bringen etwa 3000 Euro. Doch allein die laufenden Kosten liegen bei 5500 Euro pro Monat. „Wir haben keine sicheren Einnahmen“, benennt Martin Muhr das Problem.

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Große Unternehmen wie die Stadtwerke würden am liebsten nur für Projekte spenden, die direkt den Kindern zugutekommen - wenn etwa in den Ferien eine Buchwerkstatt oder Zirkusspiele stattfinden. Ansonsten muss der Vorstand Klinken putzen, um über die Runden zu kommen. Oder bei Getränke-Boni Pfandboxen platzieren. Denn komplizierte Förderanträge zu stellen, das sei als Ehrenamtler schwer zu leisten.

„Anderthalb bis zwei Jahre halten wir noch so gerade durch. Dann gibt‘s uns nicht mehr“, sagt Muhr. Er sieht das ganz realistisch. Und es ist doch zu spüren, wie sehr er und seine Mitstreiter das bedauern würden. Denn, da sind sich alle einig, es wäre ein Verlust für die Familien und ihre Kinder in der Stadt.