Roenmontag in Witten? Wer ein Kostüm entdeckt, gewinnt! Als wir vormittags am Wittener Hauptbahnhof aufschlagen, ist von bunten Gewändern, Perücken und anderen Verkleidungen nicht viel zu sehen. Keine Karnevalsschlager, in der Bahnhofsvorhalle gurren nur die Tauben. Sind die Jecken etwa alle schon losgefahren?

Täglich (außer Samstag)
Witten-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Sarah (27) arbeitet bei der Bäckerei Büsch, wo sich bunte Luftschlangen über die Tische kringeln. Sie hat das Kommen und Gehen der Narren im Blick. „Die meisten sind schon zwischen sieben und acht Uhr aufgebrochen“, sagt sie. Warum diesmal so früh?
Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich der Rosenmontagszug in Köln schon um zehn Uhr auf den Weg gemacht hat. Und mit der Bahn ist das mal wieder so eine Sache. Aktuell wird bekanntlich die Strecke zwischen Hagen und Köln saniert – wovon auch der RE 4 und damit Wittens Hauptverbindung ins Rheinland betroffen ist. Der Regen am Morgen könnte einige Jecken ebenfalls aufgehalten haben. Nicht jedoch Mike.
Bahnhof in Witten: Als Krümelmonster auf dem Weg nach Düsseldorf
Er folgt dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kostüme“. Als „Krümelmonster“ trägt der 52-Jährige einen flauschigen blauen Overall. „Man muss sich eben etwas einfallen lassen.“ Er ist auf dem Weg nach Düsseldorf und auch auf besseres Wetter vorbereitet. Unter seiner warmen Kluft versteckt sich nämlich noch ein weiteres Kostüm – ein „Paradiesvogel“ mit goldenem Hemd und Strümpfen. „Einmal im Jahr geht das. Ich habe auch kein Halloween gefeiert“, sagt Mike lachend.

Estefano (28) will mit seiner Gruppe ebenfalls in die Landeshauptstadt. Er kommt aus Portugal. „Dort leben viele Brasilianer, die haben ihre Karnevalskultur mitgebracht“, erzählt er. Heute wird er das erste Mal bei einem Umzug in Düsseldorf dabei sein. Was erwartet er? Bunte Paraden und Sambaschulen? „Besseres Wetter, Musik und gute Stimmung“ – zumindest die beiden letzteren Punkte sollten klappen.
Berliner für die Belegschaft
Eine andere Gruppe – ein Mönch und zwei junge Männer in bunten Jogginganzügen der Achtziger – ist auf dem Weg nach Köln. Weiter reicht der Plan aber nicht mehr. „Dann schauen wir, wie es weitergeht.“ Bei der Bäckerei im Bahnhof holt gerade ein Teufel seine Bestellung ab. Guido (63) arbeitet bei „Jola Dental“ in der Innenstadt und besorgt Berliner für die Belegschaft – „da hat der Chef für gesorgt“.

Berliner mit Eierlikör werden gerade bei der Bäckerei Löscher in der Stadtgalerie bestellt, als wir dort vorbeikommen. Die Mitarbeiterinnen sind kostümiert – als Biene, Clown, Teletubby und Indianerin. Neslihan (38) hätte heute eigentlich sogar freigehabt, wollte aber trotzdem kommen. „Wann soll man sich denn sonst mal verkleiden?“ Die Mitarbeiterinnen schlüpfen jedes Jahr in ein anderes Gewand. „An Weiberfastnacht haben wir alle schwarz getragen mit einer Krawatte“, erzählt Suna (38).

Lesen Sie auch
In Witten selbst sind Jecken nur vereinzelt unterwegs. Am Rosenmontag führen die meisten Wege aus der Ruhrstadt dann offenbar doch ins Rheinland.




