Zusammenfassung

  • Die Wittener Krebsberatung der Diakonie Mark-Ruhr findet jetzt im barrierefreien Rigeikenhof in Bommern statt und bietet Betroffenen sowie Angehörigen Hilfe an.
  • Das Angebot unterstützt sowohl bei praktischen Fragen zu Anträgen und wirtschaftlichen Sorgen als auch bei psychischer Belastung rund um die Krebserkrankung.
  • Die Beratung begleitet die Patienten durch alle Phasen der Krankheit und hilft individuell, etwa bei Unsicherheiten nach der Diagnose oder im palliativen Bereich.

Trotz sonnengelber Fassade, Teichanlage und viel Grün verleitet der kalte Februar noch nicht zum Draußensitzen am Rigeikenhof in Witten-Bommern. Das ändert sich sobald es wieder wärmer wird, sagt Hausdame Mareike Mußmann (41). Dort findet seit kurzem jeden zweiten Donnerstag die Krebsberatung der Diakonie Mark-Ruhr statt.

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Das Angebot an sich gibt es schon seit 26 Jahren. Der Wechsel der Außenstelle Witten in den Rigeikenhof bringt nun einen barrierefreien Zugang und eine freundliche Umgebung mit sich. In „ruhiger und vertraulicher Atmosphäre“ können Krebspatienten sowie Angehörige über alles sprechen, was sie belastet, sagt Sozialarbeiterin Heike Schiller (60).

Krebsberatungsstelle in Witten-Bommern: Mit diesen Themen kommen Betroffene

Was das ist, kann sehr unterschiedlich aussehen. Bei einer krebskranken alleinerziehenden Mutter ginge es laut Schiller zum Beispiel eher darum, „wie sie mit ihrem Kind über die Krankheit sprechen kann“. Bei einem erkrankten Vater, der Alleinverdiener in seiner Familie ist, stünden häufiger wirtschaftliche Fragen im Vordergrund.

Schiller beobachtet generell, dass mehr Frauen das Angebot wahrnehmen als Männer. „Das Verhältnis ist 70 zu 30.“ Zudem würden Männer häufig über die „handfesten Themen“ sprechen wollen: Wie fülle ich einen Antrag auf Schwerbehinderung aus? Wo kann ich mich für eine Reha anmelden? Wie kann ich (Früh-)Rente beantragen? „Wenn dann eine Vertrauensbasis da ist, frage ich: ‚Wie geht es dir‘?“

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Gerade die psychosoziale Versorgung von Krebspatienten und ihren Angehörigen sei „noch nicht flächendeckend vorhanden“, sagt Heike Schiller. Anlässlich etwa des Weltkrebstages wird häufig auf Präventionsmaßnahmen und Screenings aufmerksam gemacht. Schiller findet das wichtig, trotzdem kämen die psychosozialen Auswirkungen einer Krebserkrankung häufig zu kurz.

Eine Hinweistafel vor dem Rigeikenhof in Witten-Bommern.
Eine Hinweistafel vor dem Rigeikenhof in Witten-Bommern. © WAZ | Inga Heidl

In Paargesprächen beobachtet Heike Schiller zum Beispiel, dass beide Seiten Angst haben, den anderen mit der Krankheit oder den eigenen Sorgen zu belasten. Auch Themen wie der Einfluss der Erkrankung auf die Sexualität oder Scham, weil sich der Körper etwa durch eine Chemotherapie verändert hat, sollen in der Krebsberatung Raum bekommen.

Sowohl Gespräche über Ängste und Sorgen als auch praktische Unterstützung, etwa beim Ausfüllen von Anträgen für eine Haushaltshilfe oder einen Pflegegrad, sind möglich. „Da können wir hier auf kurzem Wege helfen“, sagt Mareike Mußmann, die auch Pflegedienstleitung der Diakonie-Station Mark-Ruhr ist.

Themen und Belastungen ändern sich im Krankheitsverlauf

Im Laufe der Zeit verändern sich zudem die Bedürfnisse. „Am Anfang steht das ganze Medizinische total im Vordergrund“, sagt Heike Schiller. Auch da leiste die Krebsberatungsstelle Hilfe, etwa wenn der Arztbericht unverständlich ist oder man nicht weiß, wo man sich eine zweite Meinung einholen kann. Die Beratung ist daher laut Schiller über den gesamten Krankheitsverlauf und auch darüber hinaus möglich, wenn zum Beispiel Langzeitfolgen auftreten.

„Wenn viele Fragen offen sind, kann man sich nicht entspannen“, sagt die Diplom-Sozialarbeiterin. Um Überforderung zu vermeiden sei es wichtig, dass sie mitdenkt und vorausschaut – zum Beispiel, wenn das Krankengeld bald ausläuft. „Wir kümmern uns dann gemeinsam darum, wie es danach weitergeht, welche Leistungen beantragt werden können. Das schafft Entlastung.“

Die Beratung biete daher Orientierung und eine Perspektive – auch im palliativen Bereich. „Da geht es dann um Vorsorgevollmachten und darum, wie man Schmerzen lindern und Symptome kontrollieren kann.“ Ist es nicht auch belastend, wenn man mit schweren Schicksalen konfrontiert ist? Das sieht Heike Schiller anders. Den Umgang damit hat sie in ihrer Weiterbildung zur Psychoonkologin gelernt. Dabei sei etwa auch „ganz viel Selbstfürsorge“ wichtig. Sie habe selbst auch viel durch ihre Tätigkeit gelernt. „Ich erlebe ganz viel Leben.“

Kontakt zur Krebsberatungsstelle

Die Beratung ist kostenlos und laut Heike Schiller „sehr unbürokratisch“ und „neutral“, da sie nicht an eine bestimmte Klinik angeschlossen ist. Man braucht keine Überweisung oder Krankenkassenkarte. Termine müssen jedoch im Vorhinein vereinbart werden. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Beratungsstelle über 970 Kontakte, davon etwa 270 vor Ort. Telefon: 02331 35 20 850; Mail: krebsberatung@diakonie-mark-ruhr.de; Wann? jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat, 10-14 Uhr, Wo? Elberfelderstraße 18, 58452 Witten.