Zusammenfassung
- Der ZF-Standort in Witten wird neu strukturiert, wobei das Windkraftgeschäft künftig neu organisiert und rund 80 Beschäftigte betroffen sind.
- Die Unternehmensleitung setzt das Sanierungskonzept fort, wodurch bereits rund 200 Beschäftigte das Unternehmen verlassen haben und weitere 70 bis zum Jahresende folgen sollen.
- Der Betriebsrat kritisiert die kurzfristige Kommunikation und fordert eine langfristige Zukunftsperspektive für den Standort Witten bis mindestens 2035.
Der ZF-Standort in Witten wird neu aufgestellt. Das hat die Unternehmensführung jetzt mitgeteilt. Der Konzern will das Windkraftgeschäft künftig neu organisieren. In Witten sind davon rund 80 Beschäftigte betroffen. Der Betriebsrat übt harsche Kritik.

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Rückblick. Der Hersteller von Industriegetrieben ist seit längerem in Schwierigkeiten. Hauptproblem: Das Weltunternehmen ist einer der wichtigsten Zulieferer der deutschen Automobilindustrie. Schwächeln Marken wie VW, BMW oder Mercedes, schwächelt ZF. Das gilt für Standorte wie Saarbrücken, Schweinfurt, Friedrichshafen, aber auch Passau. In Witten wurden unter anderem Windradgetriebe gebaut. Die Produkte aus dem Ruhrgebiet litten unter der Billigkonkurrenz aus China und Indien. Der Konzern musste sparen.
Eigenständige ZF Power Wind wird in Witten angesiedelt
Auch das ist ein Grund, wieso das Geschäftsmodell nun neu aufgebaut wird. So sollen rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Vertrieb, Service und Entwicklung Teil der eigenständigen ZF Wind Power am Standort Witten werden. Das Serviceteam für Windkraftgetriebe, bestehend aus rund 80 Beschäftigten vor Ort, soll organisatorisch bei der Abteilung Industrietechnik bleiben und auch künftig Partner für die eigenständig agierende ZF Wind Power sein.
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„Für den Standort Witten haben wir uns entschieden, den Service von Windkraftgetrieben organisatorisch in der Division Industrietechnik zu belassen“, sagt Geschäftsführer Christoph Kainzbauer. So wolle man die Synergien zwischen Windkraft- und Industriegetrieben verbessern. „Wir bleiben damit zentraler Partner für dieses Servicegeschäft und können die Zukunftsfähigkeit des Standorts weiter sichern“, so Kainzbauer.
Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen bereits verlassen
Die getroffene Regelung orientiere sich an dem im Mai abgeschlossenen Interessenausgleich und ist Teil des Sanierungskonzepts. Im Rahmen dieser Sanierung wurde die Belegschaft zuletzt von rund 600 Mitarbeitenden auf etwa 390 Vollzeitstellen reduziert. In Witten hatten bislang rund 200 Beschäftigte einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. 130 Angestellte haben das Unternehmen bereits verlassen. Weitere 70 sollen bis zum Jahresende folgen. Der Rest wird nun also Teil des neuen Unternehmensmodells.

Beim Betriebsrat herrscht darüber Unmut. „Auch ich bin von der Nachricht überrascht worden und erst einmal richtig sauer gewesen. Gerne hätte auch ich der Belegschaft nach einem sehr nervenaufreibenden Jahr eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit gegönnt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Frank Blasey. „Es scheint mittlerweile eine Art Kultur bei der ZF geworden zu sein, dass immer wieder Hiobsbotschaften so kurz vor dem Weihnachtsfest an die Belegschaften gegeben werden und man damit die Mitarbeitenden so total verunsichert in den Weihnachtsurlaub gehen lässt“, sagt er.
Viele Beschäftigte hätten nun erneut Angst um ihren Arbeitsplatz. Ein schnelles Ende der Diskussionen wird nicht erwartet. Der Betriebsrat scheint aber weiter gesprächsbereit. „Wir als Betriebsrat sind gesprächsbereit und verhandlungsbereit, aber nur unter der Bedingung einer langfristigen und weiteren Absicherung und einer Zukunftsperspektive des Standortes bis mindestens 2035“, sagt Blasey. Ruhige Weihnachten sehen anders aus.





