Zusammenfassung
- Der DGB hat ein Bündnis für Demokratie im Ennepe-Ruhr-Kreis geschmiedet.
- Dabei mischen so viele Kräfte aus Politik und Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft wie nie zuvor mit.
- Die Initiatiive hat ein klares Ziel. Dennoch weiß sie: Sie steht erst am Anfang.
Bündnisse gegen Rechts hat es immer wieder gegeben. Aber noch nie haben sich so viele und so unterschiedliche Kräfte aus Politik und Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis zusammengeschlossen. Sie legen Wert darauf, dass sie sich für Demokratie einsetzen.

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Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack, der IG-Metall-Bevollmächtige Mathias Hillbrandt und die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, Julia Holtz, erklärten im Wittener Gewerkschaftshaus, warum sie sich zusammengetan haben, wogegen sie stehen und, wichtiger noch, wofür.
Kein Wunder, dass sich die Vereinigung offiziell „Bündnis für Demokratie und Vielfalt im EN-Kreis“ nennt. Dem DGB ist dabei ein Kunststück gelungen. Sie hat Mitstreiter gewonnen, mit denen sich die organisierte Arbeitnehmerschaft oft in der Sache hart auseinandersetzt. So ist die FDP Ennepe-Ruhr dabei, auch der Arbeitgeberverband Metall Ruhr/Vest setzt sich für die gemeinsame Sache ein. Unterstützung kommt auch aus dem nicht-politischen Raum, etwa vom Kreissportbund und der Uni Witten/Herdecke.
Kirchen und Gewerkschaften sind „ein Spiegel der Gesellschaft“
Warum so unterschiedliche Akteure gemeinsam unterwegs sind, geht aus dem Positionspapier „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ hervor. Die Unterzeichnenden haben sich binnen weniger Sitzungen auf einen gemeinsamen Text geeinigt.
Die gegenwärtige politische Situation wird deutlich beschrieben: Die Demokratie stehe „unter Druck“. In Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung schlage die Stunde der Populismus, „oft verbunden mit Ausgrenzung, Abwertung und der Missachtung demokratischer Grundprinzipien“. Auch Rassismus sei zu beklagen. Hillbrandt und Holtz räumen ein, dass populistische Politikversprechen auch bei Teilen ihrer Mitglieder verfangen: „Wir sind“, sagen sie übereinstimmend, „ein Spiegel der Gesellschaft.“
Mitglieder des EN-Bündnisses leben „die Kunst des Kompromisses“
Das Bündnis indes sieht Demokratie nicht nur als politische Herrschaftsform, sondern auch als Lebensstil. Es gehe um eine „Kultur des Miteinanders, der Toleranz und Vielfalt“ in der Zivilgesellschaft. „Dieses Engagement gilt es zu stärken und zu vernetzen.“
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Demokratie als Lebensform: Das zeichnete auch die Gesprächsrunden der Bündnisbeteiligten aus. „Positive Kritik gab’s“, erläutert Metaller Hillbrandt. Es sei, so lautet der Tenor, um ein Ergebnis gegangen, und das sei erreicht worden. „Das ist die Kunst des Kompromisses“, bilanziert Kapschack. Hillbrandt über das Ergebnis: „Wir haben etwas, auf das man sich verständigen kann und mit dem man auf andere zugehen kann.“

Auch Arbeitgeberverbände-Geschäftsführer Lars Bergmann ist dabei. „Unsere Unternehmen“, stellt der Rechtsanwalt fest, „leben von Offenheit gegenüber Ideen, Märkten und Menschen. Vielfalt ist längst ein zentraler Erfolgsfaktor.“ Sie sei Voraussetzung für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
IG Metaller: „Mit diesem Papier ist es nicht getan“
„Mit diesem Papier ist es nicht getan“, sagt Hillbrandt. Er sowie Kapschack und Holtz sehen es als Anfang ihrer Bemühungen. „Ich habe schon einen Beschluss des Kreissynodalvorstands, der das trägt“, erklärt Superintendentin Holtz. In Kürze soll es darum gehen, wie die oft an schlichte Botschaften in sozialen Netzwerken gewöhnte junge Generation für Demokratie gewonnen werden kann. Hillbrandt weiß aus Erfahrungen in seiner eigenen Familie, dass Populisten vor allem männliche Jugendliche umgarnen.
Das Bündnis will „niederschwellig“ gegenhalten. Was gerade begann, soll am 29. Januar im Gewerkschaftshaus in Gevelsberg vertieft werden. Hillbrandt: „Jeder ist willkommen, eigene Ideen mitzubringen.“




