- SPD-Kandidat Dirk Leistner lässt Wittens Bürgermeister Lars König weit hinter sich
- Bürgernähe hat sich für Leistner auch im verlängerten Wahlkampf ausgezahlt
- Weiterentwicklung der Innenstadt ist eines seiner zentralen Themen
- Bommeraner will Bürgermeister für alle Wittener sein
Als Dirk Leistner nach 19 Uhr das Foyer betritt, brandet Applaus auf. Der vor einigen Monaten noch unbekannte Bürgermeisterkandidat der SPD hat das anfangs für unmöglich Gehaltene tatsächlich geschafft. Er schlägt Amtsinhaber Lars König (CDU) nun auch am Sonntag (28.9.) in der Stichwahl. Das frisch sanierte Rathaus von Witten wird wieder rot.
„Es ist das i-Tüpfelchen meiner Karriere“, sagt der 52-Jährige Strahlemann aus Bommern. Damit wiederholt er den Satz, den er schon nach dem ersten Wahlgang vor 14 Tagen formuliert hatte. Damals lag Leistner aber nur knapp vor König. Diesmal war alles anders. Schon früh setzte sich der politische Senkrechtstarter vom scheidenden CDU-Bürgermeister ab. Am Ende sollte es ein erdrutschartiger Sieg werden. Leistner holt 64,3 Prozent der Stimmen, König 35,7. Klarer konnte die Angelegenheit nicht sein.
Im Rat hätte der neue Wittener Bürgermeister eine knappe rot-rot-grüne Mehrheit
„Ich bin super dankbar“, sagt der Gewinner der Stichwahl, der Anfang November als neuer Bürgermeister und somit Verwaltungschef ins Rathaus einziehen wird. Am 4. November ist die konstituierende Sitzung des Rats. Dort könnte Leistner mit einer knappen rot-rot-grünen Mehrheit regieren. Aber man werde das Gespräch mit allen demokratischen Parteien suchen, heißt es unisono aus Fraktion und Stadtverband.

Leistner betont die Bürgernähe, die ihm auch im verlängerten Wahlkampf so wichtig gewesen sei. „Ich habe mich nicht beirren lassen, mit den Menschen in Kontakt zu treten“, sagt der gelernte Verwaltungsbetriebswirt, der 30 Jahre bei der Stadt Bochum beschäftigt war, zuletzt als Referatsleiter „Service“.
Beim Kaufhofgebäude in Witten will Leistner auf die Tube drücken
In Witten will er - gefragt nach seinen wichtigsten Themen - die Innenstadt voranbringen, allen voran das seit fünf Jahren brachliegende Kaufhof-Gebäude, die Verwaltung weiter digitalisieren und deren Erreichbarkeit für die Bürger vorantreiben. Auch Sauberkeit, Sicherheit und bezahlbarer Wohnraum sind wichtige Themen des neuen Spitzengenossen, der wie Phönix aus der Asche kam.
Nach Jahren verheerender Verluste hat der Vater von drei Kindern der Wittener SPD erstmals wieder einen ganz großen Sieg beschert. „Im Moment bin ich von dem Ergebnis überwältigt“, so Leistner. Der trotz der Unterstützung von Grünen und Linken betont: „Ich werde ein Bürgermeister für alle Menschen in dieser Stadt sein.“

Katerstimmung bei der Wittener CDU
Während die SPD ihren neuen Bürgermeister noch in Haus Witten ausgiebig feierte, herrscht bei der CDU Katerstimmung. Amtsinhaber Lars König (54) wusste schon nach der Kommunalwahl vor 14 Tagen, wie schwer es für ihn werden würde. „Ich bin Realist. Die CDU hatte 22 Prozent bekommen. Ich hätte dieses Ergebnis mehr als verdoppeln müssen“ - und das gegen eine linke Mehrheit, die es in Witten immer gegeben habe.
König verübelt es vor allem den Grünen, dass sie sich auf Kreisebene zwar für einen gemeinsamen Landratskandidaten mit der CDU entschieden, sich in Witten aber gegen ihn gestellt hätten. „Was ist das für ein Signal“, so König. Er nennt das Verhalten der Grünen, die bei der Kommunalwahl 6000 Stimmen bekommen hatten, „wahlentscheidend“.
Ratsherr der Union: Erfolge vielleicht nicht gut genug verkauft
Nach eigenen Fehlern gefragt, finden sich in der Union und bei ihrem Kandidaten wenige Erklärungen für die Wahlschlappe. „Ich kann mir vorstellen, dass es wieder mal eine Wechselstimmung gegeben hat“, sagt CDU-Ratsherr Julian Fennhahn. Und: „Vielleicht konnten wir die positiven Sachen, die wir mit Lars König erreicht haben, nicht gut genug verkaufen.“

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CDU-Fraktionschef Volker Pompetzki räumt das „schlechte Ergebnis“ schon früh am Abend ein und versichert: „Wir werden als zweitgrößte Fraktion im Rat mit jedem Bürgermeister zusammenarbeiten. Wir hätten liebend gern noch mit Lars König weitergemacht, der auf dem richtigen Weg war und vieles verändert hat.“

Pompetzki erwähnt unter anderem den Sanierungsstau an den Schulen und die Verdoppelung des Kommunalen Ordnungsdienstes. Gründe für die verheerende Niederlage sieht er nicht zuletzt in einer „Schlammschlacht in den Sozialen Medien“ und einem Linksruck innerhalb der SPD. „Wenn sie sich ihre Stimmen bei den Linken holt, ist das keine schöne Prognose für die nächsten Jahre.“ Von einem „Linksrutsch“ spricht auch CDU-Ratsherrin Regina Fiedler. „Ich bin entsetzt, dass Witten gegen den NRW-Trend gestimmt hat. Die AfD wird sich freuen. In fünf Jahren werden die Leute das noch mal anders sehen.“
Lars König lässt Zukunft am Wahlabend offen
Wie seine politische und berufliche Zukunft aussehen wird, lässt Lars König am Wahlabend offen. Er hat noch einen guten Monat Zeit, sein Büro im frisch sanierten Rathaus zu räumen. Anders als Dirk Leistner hatte er nicht für den Rat kandidiert - was bedeutet, dass er in der neuen Legislaturperiode auch dort nicht mehr vertreten sein wird.





