- „Bifteki“ wie beim Griechen war schnell ausverkauft
- „Kantinetti“ liegt mitten in Witten-Annen: VHS und Technisches Rathaus um die Ecke
- Inklusionsbetrieb beschäftigt Menschen mit Handicap
Wir sind spät dran an diesem Mittag in Witten-Annen. Hans-Jürgen (84) sitzt noch über seiner Frikadelle, die er gar nicht aufkriegt. Mit Uwe (55) - einem Anwalt aus dem Viertel - trudelt noch ein weiterer Gast zum Essen ein. Sonst sind die gut 30 Sitzplätze in der „Kantinetti“ schon verwaist. Angestellte, Arbeiter und ältere Leute stehen halt früh auf. Und essen zeitig. Wir müssen uns jetzt entscheiden: Frika oder Bulgurauflauf?

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Der Reporter wählt die vegetarische Variante. Er soll es nicht bereuen. Sie ist zwar gut gewürzt, für seinen Geschmack etwas zu gut, schmeckt aber prima. „Bulgur ist Hartweizengrieß“, erklärt Küchenchef Mark Aitcheson (62) das Wort, das längst in aller Munde ist, aber vielen immer noch Rätsel aufgeben dürfte. Hätten wir das auch geklärt. Und was ist noch drin im Auflauf?

Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Bohnen: „Kantinetti“ in Witten achtet auf Gesundes
„Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Tomate, Bohnen...“ zählt Lukas Schlag (28) all die gesunden Sachen auf, die in dem satt machenden Gericht enthalten sind. In einem extra Schüsselchen bekommt man noch Hummus, den Brei aus Kichererbsen, der kühlend wirkt und das Ganze angenehm abrundet. Allerdings liegt es mir hinterher ein wenig schwer im Magen. Muss aber nichts heißen. Männer sind ja empfindlich.
„Für die Kinder würzen wir es weniger“, sagen die beiden Köche, die mit ihrem inklusiven Kantinetti-Team täglich um die 600 Essen produzieren. Den Großteil davon liefern drei Fahrer jeden Tag an Kitas in Hagen, Schwerte und Iserlohn aus sowie an umliegende Firmen, darunter ein großes Unternehmen in Witten. Wem das jetzt viel erscheint, der kennt nicht den Werdegang des Chefkochs.
Als Mark Aitcheson, der einen deutschen und einen britschen Pass besitzt, noch am Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke tätig war und später für den dort ebenfalls ansässigen Großcaterer, waren es sage und schreibe 10.000 Essen, die dort jeden Tag zubereitet wurden. Und das Ganze garniert mit einer anthroposophischen Note. Das ist zur Erklärung wichtig, warum heute so viel Gesundes in der „Kantinetti“ an der Annenstraße auf den Teller kommt, gerade auch in den Kindergärten. Der deutsch-britische Küchenchef gibt zu: „Ich komme aus der Waldorfecke.“ Muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

10.000 Essen täglich bei Großcaterer in Herdecke zubereitet
Als er 2018 in Annen anfing, brachte er neue Ideen mit. „Wir fingen an, es umzudrehen“, sagt Aitcheson. Weniger deftige Hausmannskost, weniger Fleisch, weniger gutbürgerlich, dafür mehr Gesundes, mehr Vegetarisches, ja, sogar Veganes. „Mehr Gemüse, mehr frische Salate, das war megainteressant.“ Und is(s)t es immer noch. Fragt man die beiden Köche nach ihrem persönlichen Lieblingsgericht in der „Kantinetti“, nennt Stellvertreter Lukas Schlag das (oder den) Blumenkohl-Curry mit roten Linsen. Damit ihn auch Kinder mit einer Laktoseintoleranz vertragen, wird er auf einer Kokosnussmilchbasis zubereitet.
Lukas Schlag hat in Haus Kemnade gelernt und versteht genauso wie der leitende Küchenchef auch etwas von gutem Fleisch, das die Kantinetti von einem Metzger in Dortmund bezieht. Heute gibt es alternativ zum Bulgurauflauf „Bifteki“, das ist das mit Käse gefüllte griechische Hacksteak, hier serviert mit Tomatenreis, Krautsalat und Zaziki. Da es ruckzuck ausverkauft ist, müssen sich die späten Mittagsgäste mit der Frikadelle begnügen. Und was gibt der Speiseplan in Annen für diese Woche noch so her?
Seelachs im Backteig mit Dillsoße und Gurkensalat
Am Donnerstag (21.8.) gab es Schweinegulasch „Jägerart“ mit Spiralnudeln und Wachsbrechbohnensalat, als fleischlose Alternative ein Gemüse-Käse-Schnitzel mit Salzkartoffeln, Sommergemüse und Soße. Am Freitag (22.8.) stand Seelachs im Backteig mit Dillsoße, Butterkartoffeln und Gurkensalat auf der Karte, alternativ Kartoffelrösti à la creme und Salat. Am Anfang der Woche gab es Balkanschnitzel mit Speckbohnen und Bratkartoffeln, alternativ eine Kartoffelgemüsepfanne mit Sauerrahm.
Das Fleisch- oder Fischgericht kostet meist 8,90 Euro, das ohne Schwein, Geflügel oder Rind 6,50 Euro. Die gefüllten Maultaschen gehörten neben dem „Bifteki“ in dieser Woche zu den Rennern. Merke: Man muss gar nicht immer zum Griechen ein paar Häuser weiter gehen.




