Es ist sein Herzensprojekt, für das sich der Tönisheider Frank Isfort unermüdlich einsetzt: Die Sonnenschule in Ecuador im Dschungeltal Aguas Frías. Regelmäßig berichtet er von der Arbeit und vom Schulalltag am Projektstandort, um auch diejenigen zu informieren, die den Schulalltag in Südamerika mit Spenden unterstützen.

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Der Schulalltag hat die Kids in Ecuador im Griff: Kinder in blauen Hosen und weißen Hemden füllen die Straßen, dazwischen knattern Motortaxis, und die Hitze steht schon am Vormittag über den Klassenräumen. Für Frank Isfort, der die Sonnenschule betreut, gehört dieses Bild zum Jahresrhythmus – genauso wie die kleinen und großen Geschichten, die sich rund um die Kinder abspielen.
Enge Bindungen zu Schülern trotz harter Schicksale stärken
Wie zum Beispiel von Elizabeth, eine ehemalige Schülerin. Sie besucht ihn regelmäßig mit ihrem Baby, wenn sie zu ihren Eltern kommt. Sie lebt inzwischen mit Mann und Kind in Guayaquil und sei die Einzige, die sich weiterhin bei ihm melde. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – das erlebe der Tönisheider in Ecuador ganz extrem.
Manche Kinder bleiben ihm besonders im Gedächtnis. Wie Pipe, den er eines Morgens schlafend in seiner Hängematte entdeckte. Er hatte Angst nach Hause zu gehen, weil seine Mutter ihm Prügel angedroht hatte. Frank Isfort gab ihm ein kleines Frühstück, er schlich sich in die Hütte, holte seine Schulsachen und zog wie üblich mit den Nachbarkindern los. Ob die Aktion die Mutter besänftigt hat, weiß er bis heute nicht.
Am Vatertag im Juni umarmte ihn plötzlich eines der Mädchen ganz fest. „Heute ist doch Vatertag.“ – „Aber ich bin doch nicht dein Vater“, entgegnete Frank Isfort. „Doch, jetzt schon, meiner ist doch tot“, entgegnete sie ihm. Ihr Vater war vor einem Jahr auf seiner abgelegenen Finca erschossen aufgefunden worden, niemand weiß, was geschehen ist, das berichtet Isfort. An seiner Schule seien mehrere Kinder, deren Eltern ermordet wurden – Fernandas Vater sitzt im Gefängnis, weil er die Mutter vor den Augen der Kinder umbrachte; Jamileths Stiefvater wurde von Jugendlichen mit Macheten erschlagen. Sie erfuhr davon im Bus, als er sie und Anahi zu einem Kurzurlaub nach Mindo eingeladen hatte.
Taufen, Sorgen und skurrile Nachbarschaftserlebnisse
Ein besonderer Tag für Frank Isfort war der 23. April: In der Sonnenschule wurde getauft, auch Anahi. Die Nachbarin Carmen und er waren Taufpaten. Am Vortag kauften sie Lebensmittel und ein Taufkleid – „nicht gerade das günstigste, denn Anahi ist in solchen Dingen eitel“, wie er schmunzelnd hinzufügt. Am Morgen war sie aufgeregt, konnte sich nicht zwischen den Schuhen entscheiden, und als die kleine Schwester meldete, die Mutter komme nicht, musste Anahi erst getröstet werden. „Zum Glück ein Missverständnis“, ergänzt Isfort. Die Mutter kam nur später.
Der Elterntag in den Schulen zeigt, wie schwer es ist, Familien einzubinden. Väter erscheinen so gut wie nie, Mütter nur selten. Beim Elterntag im Colegio in Atacames bekam Frank Isfort nur vier Mütter dazu, hinzufahren, weil er das Fahrgeld übernahm – am Ende fuhren trotzdem nur zwei.
Zwischen den ernsten Momenten stehen die skurrilen. Am Nachbargrundstück hatte sich wieder ein Leguan in einem Fischernetz verheddert. Die Kinder kamen mit einer Schere angelaufen und wollten dem Tier mit einem Stock zusetzen. „Ich hielt sie zurück, schnitt den Leguan vorsichtig frei, Maikel packte ihn am Schwanz und legte ihn auf die Straße.“ Dort stellte er sich noch eine Weile tot – und verschwand dann blitzschnell im Dickicht. Ein Prachtexemplar; hier gilt Leguanfleisch als Delikatesse und hätte eine ganze Familie satt gemacht.

Auch die Nachbarschaft schreibt ihre eigenen Geschichten: Einmal kam Grislyerli nachts mit ihrer Tochter Grismaylin herüber, weil die betrunkenen Freunde der Mädchen aggressiv wurden. Sie schliefen im Junge-Mütter-Haus. Ein anderes Mal ritt einer der Jungs mit seinem Pferd zur Sonnenschule und zog stolz einen kleinen Drachen hinter sich her – wenn kein Wind weht, muss man kreativ werden.
Zwischen Überschwemmung und Insektenplage: Alltag in Aguas Frías
Die Regenzeit setzt allem noch einen Rahmen. Aus dem Nachbargrundstück wird binnen Stunden ein See, das Wellblechdach der Sonnenschule zeigt jede undichte Stelle, und pünktlich zu Beginn kommt die Invasion aus Käfern, Eintagsfliegen und Fliegen. Zwei, drei Wochen halten sie an, dann ist wieder Ruhe. Dieses Jahr blieb es zum Glück vergleichsweise trocken, der Bach trat kaum über die Ufer. Am Ende ist der Alltag in Aguas Frías genau wie das Land selbst: ein bisschen chaotisch, manchmal anstrengend – aber lebendig und voller Momente, die bleiben.
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