Holger Brembeck, Badleiter des Heljensbades, steht vor der letzten Saison seines Schwimmbades. Besonders der Freibadbereich ist bei den Besuchern seit Jahrzehnten ein beliebter Ort zum Planschen, Sonnen und Verweilen, wie auch am vergangenen Pfingstwochenende. Daher sorgen der geplante Abriss und Neubau bei den Nutzern der sozialen Netzwerke für Unmut. Dazu bezieht Holger Brembeck jetzt Stellung.
Das Schwimm- und Freibad Heiligenhaus hat hohen Zuschussbedarf
Ich finde es absolut bemerkenswert, wie Bürger, Institutionen, Parteien, sich für unser Bad einsetzen – auch wenn man nicht immer einer Meinung ist. Dies nötigt meinen vollen Respekt ab und zeigt, dass wir als Team vom Heljensbad in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten doch einiges richtig gemacht haben. Dafür ein großes Dankeschön! Alle öffentlichen Bäder in Deutschland sind defizitär. Diese liegen im Schnitt von 600.000 Euro bis 2,5 Mio. Euro Zuschussbedarf, den eine Kommune zu tragen hat.

In Heiligenhaus ist es so, dass der Verlustausgleich Bäder durch den steuerlichen Querverbund der Stadtwerke Heiligenhaus GmbH getragen wird. Die Stadtwerke Heiligenhaus GmbH (...) rechnen ihre voraussichtlichen Gewinne mit den Verlusten der Bäder gegen (...) Diese Form der Finanzierung öffentlicher Bäder findet man in sehr vielen Kommunen in Deutschland, da die Städte ansonsten nicht in der Lage sind ihre Bäder zu unterhalten. (...)
Das Heljensbad ist in die Jahre gekommen
Zur Wahrheit gehört natürlich auch dazu, dass durch die energetische Aufbereitung und Verkleinerung der Wasserflächen auch Kosten eingespart werden. Denn die aktuellen, jährlichen Verluste von ca. 1,4 Mio. Euro kann auch eine Stadtwerke nicht mehr dauerhaft tragen. Unser Heljensbad ist in die Jahre gekommen. Sehr sogar. Das Freibad wird in diesem Jahr 61 Jahre alt (1965) und das Hallenbad ist mittlerweile auch schon 54 Jahre alt (1972). Ein öffentliches Schwimmbad hat eine Lebensdauer von ca. 50 Jahren. Danach ist in 99% der Fälle durch Nutzungsdauer, chemische Prozesse, Belastung, die Kernsubstanz so angegriffen, dass nur ein Abriss bzw. Neubau in Frage kommt. Von der energetischen Bilanz ganz zu schweigen (...) Hier möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen: Ein Gutachten bescheinigte die Bausubstanz des Frei- und Hallenbades als so marode, dass die Sanierungskosten die im Vergleich eines Neubaus erheblich überschritten. Eine Komplettsanierung bei Schwimmbädern - älter als 50 Jahre - galt als wirtschaftlich nicht vertretbar.

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Wie sollte es weitergehen? (...) Relativ schnell kristallisierte sich heraus, dass ein kompletter 1:1 Neubau - mit dem vollständigen Erhalt aller Wasserflächen - die finanziellen Möglichkeiten der Stadtwerke Heiligenhaus / Stadt Heiligenhaus im erheblichen Maße überschritt. (...) In Verbindung mit dem Freibad bzw. mit einem Neubau auch der Sauna kam man schnell in Dimensionen, wo einem schwindelig wird. Der finanzielle Rahmen hätte die Stadt Heiligenhaus / Stadtwerke Heiligenhaus GmbH auf Jahre hinaus gefährdet. (...) In akribischer Kleinarbeit und mit viel Engagement wurden Fördermöglichkeiten für das Bad geprüft - denn es war klar, dieses Invest kann die Stadtwerke / Stadt niemals alleine tragen - und es erwies sich als absoluter Glücksfall, dass wir im Rahmen des ISEK-Verfahrens (Integriertes Stadtteil und Entwicklungskonzept Oberilp / Nonnenbruch) eine Fördersumme von rund 30 Millionen Euro. bekamen, die auch dem Heljensbad eine zentrale Rolle zuordnete.
Fördersumme von ISEK für viele Teilaspekte
Hier sei noch mal explizit darauf hingewiesen, dass die Fördersumme nicht ausschließlich für die Bäder vorgesehen ist, sondern viele Teilaspekte des Stadtteilentwicklungskonzepts beinhaltet, die erfüllt werden müssen und auch notwendig sind. Zudem ist eine Sauna nicht als förderfähig eingestuft und muss komplett aus Eigenmitteln bezahlt werden. Das Bad soll zudem u.a. als inklusiver Ort gestaltet werden, der soziale, kulturelle und Bewegungsangebote fördert – mit den dementsprechenden Räumlichkeiten. Ebenfalls sieht die Fördersumme eine Sanierung der bestehenden, externen Vereinsgebäude (Sportvereine) auf dem Gelände vor sowie den Neubau eines Vereinsgebäudes für die DLRG Heiligenhaus sowie den HSV Heiligenhauser Schwimmverein - die aktuell in einem Übersee-Container untergebracht sind.
Bei aller Emotionalität für unser HeljensBAD (meine Heimat seit 44 Jahren) sowie meine absolute Herzensangelegenheit weiß ich aber auch eines:
Fast täglich werden Bäder in Deutschland geschlossen oder stehen zur Disposition, da die Kommunen es nicht mehr finanzieren können. Kinder müssen teilweise 1 Stunde in Nachbarstädte zum Schwimmunterricht fahren, die Infrastruktur einer Stadt leidet, etc.
Ich kann absolut nachvollziehen, dass es für viele schmerzlich ist - für mich auch - aber die Alternative wäre ungemein schlimmer: Irgendwann in der Zukunft ohne Bad dazustehen...

Vorfreude auf das neue Heljensbad
Für Heiligenhaus mit seinen 27.000 Einwohnern freue ich mich deshalb auf ein ganzjährig nutzbares Bad mit Schwimmerbecken, separaten Sprungbecken, Variobecken, Kinderbereich, Wasserrutsche, Solebad – das uns u.a. eine wetterunabhängige Schwimmausbildung für Kinder, Schulen, Vereine sowie Angebote im Bereich Fitness, Reha – Sport, etc. über das ganze Jahr garantiert (ohne die 4 Monate Pause während der Freibadsaison). Eine Flexibilität den Gästen auch in verregneten Sommerferien – siehe Schulferien NRW 2025 – ermöglicht das Bad zu besuchen (...) Ein vollständiger Erhalt des Außenbereichs mit jetzt 1000m² Wasserfläche, Kinderbereich und Zusatzangeboten, die geschaffen werden können (wie z.B. Wasserspielgarten, Beachlandschaft, Outdoor - Fitnessgeräten, etc). Dies hat absolut eine Chance verdient.




