Das Gras weht leicht auf den hügeligen Weiden, zwischen den Halmen sorgen Wildblumen für bunte Farbtupfer. Am Ende des Hügels liegt ein Fachwerkhaus, verwunschen in einem dicht gewachsenen Garten. Im Vorgarten plätschert ein Bach, aus dem Haus erklingt Hundebellen, Vögel zwitschern munter vor sich hin. Dieser Ort in Velbert wirkt wie ein Urlaubsidyll, beherbergt aber den Tierschutzverein Tiere in Not Niederberg.

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Tim Schokolinski und Andreas Bitzka kümmern sich hier seit sechs Jahren um ausgesetzte, verwahrloste Tiere oder solche, die von ihren Menschen nicht mehr geliebt, gewollt oder gehalten werden können. Damit treten sie in die Fußstapfen von Uta Schokolinski, Tims Mutter, die sich hier lange darum kümmerte, den passenden Menschen für Vermittlungstiere zu finden.

Zahlreiche Notfälle: Velberter Tierschutzverein am Limit

Die beiden Tierschützer lieben jedes ihrer Tiere, doch derzeit sind sie am Limit. Denn sich jeden Tag um allein 18 Katzen, über 100 Vögel, fünf Kaninchen, Schildkröten und sieben Seniorenhunde zu kümmern, das geht auf die Knochen. Und vor allem auch auf den Platz. Auf ihrem großen Grundstück haben sie schon reichlich Kapazitäten, um Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel aufzunehmen. Doch jetzt sind auch die erschöpft. „Andreas und ich sind fassungslos! In den letzten vier Wochen haben wir so viele Notfälle aufgenommen“, zeigt sich Tim Schokolinski entsetzt. „Drei verwahrloste Katzen, 51 Zebrafinken aus katastrophaler Haltung.“ Und so wollen sie zeigen, was bei anderen für Entsetzen oder für Mitleid sorgt, für sie aber die traurige Realität ist.

In ihrem Haus gibt es keinen Raum, der nicht den Tieren zur Verfügung gestellt ist. Und wenn es mal wieder Notfälle gibt, dann rückt man auch noch mal enger zusammen. Denn am liebsten würde das engagierte Tierschützerpaar allen Tieren helfen. „Doch manchmal müssen wir auch sagen, es geht nicht mehr“.

Velbert: Tier- und Naturschutzverein Niederberg
Dieser Schmusekater möchte gern sein Zuhause auf Lebenszeit finden. Derweil übernimmt Tim Schokolinski die Kuscheleinheiten.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Besonders ärgerlich findet Tim Schokolinski, dass Menschen bei Wildtieren oftmals vorschnell handeln und sie teilweise sogar gesunde Vögel aufziehen müssen, Kapazitäten, die die beiden Tierschützer eigentlich weitaus sinnvoller nutzen könnten. „Gerade gibt es viele Ästlinge“, das sind Vögel, die am Boden sitzen, weil sie noch nicht fliegen können, dort aber von den Elterntieren weiter versorgt werden. In den meisten Fällen ist es überhaupt nicht nötig, die Tiere einzusammeln.

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So zieht Tim Schokolinski gerade zwei Dohlen auf, eine davon ist verletzt, die andere aber kerngesund: „Die könnte genauso gut von ihren Eltern gefüttert werden“, erklärt der Velberter. Statt die Tiere direkt einzusammeln, bittet er: „Foto machen und uns per Whatsapp schicken, das geht heute ja so einfach.“ Und auch das Telefon klingelt bei den beiden täglich. Gerade sind sie auf einer Gassirunde unterwegs, als die Feuerwehr sich wieder einmal meldet. Und wieder heißt es, eine Frau hat einen Vogel auf dem Boden sitzend gefunden.

Velbert: Tier- und Naturschutzverein Niederberg
Der Tier- und Naturschutzverein Niederberg liegt idyllisch im Grünen gelegen.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Papageien und Finken: Vermittlung bleibt Herausforderung

Das Herz des Tierschutzvereins bilden die Volieren. Sie umringen den Garten, in dem sich Tim und Andreas besonders gern aufhalten und die Tiere betrachten. Hier leben 22 Amazonen, 17 Kongo Graupapageien, 51 Zebrafinken, 39 Kanarienvögel, vier Aras, zwei Kakadus und neun Großsittiche. Gerade für die Vögel ist es schwierig ein geeignetes Zuhause zu finden. Denn in Käfighaltung werden sie nicht abgegeben. „Wir haben in den vergangenen sechs Jahren gerade mal zehn Vögel abgegeben“, rechnet Andreas Bitzka vor. Es sind Aras, Amazonen, Graupapageien, die besonders schwierig zu vermitteln sind. Eben weil ihre Ansprüche auch besonders hoch sind. Sie brauchen Platz, die brauchen frische Luft - und gerade die Amazonen lieben Regen, „eben wie im Amazonas“. Den beiden Tierschützern tut es in der Seele weh, wenn sie Vögel aus Einzelhaltung bekommen, und die erst einmal völlig überfordert mit der Gesellschaft eines Partnertieres sind. „Aber es erfreut uns dann umso mehr, wenn man nach einigen Wochen sieht, wie sie die Fellpflege, das Liebkosen untereinander wertschätzen.“ Bei diesen Gedanken lächeln die beiden Tierschützer, „dafür machen wir das alles hier ja.“

Velbert: Tier- und Naturschutzverein Niederberg
Im Tier- und Naturschutzverein Niederberg am Donnerstag, den 21. Mai 2026, am Krüdenscheider Weg in Velbert-Niederberg. Foto: FUNKE Foto Service / Uwe Ernst© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Alle Infos zum Verein Tiere in Not Niederberg

Der Tierschutzverein Tiere in Not Niederberg wurde 1998 gegründet, bei der Jahreshauptversammlung 2013/2014 übernahm Uta Schokolinski-Nielsen den Vorsitz. Vor sechs Jahren übernahmen Tim Schokolinski und Andreas Bitzka die Pflege der Tiere am Krüdenscheider Weg 83. Bei ihrer Arbeit sind sie immer auch auf Spenden angewiesen. Die Bankdaten für eine finanzielle Unterstützung stehen auf der Homepage des Vereins www.tiere-in-not-niederberg.de

Auch über Sachspenden, in Form von hochwertigem Futter, beispielsweise für die Seniorenhunde, freuen sich die beiden. Wer Interesse an einem der Tiere hat oder aber ein verletztes Wildtier gefunden hat und Hilfe benötigt, kann sich - am besten per Whatsapp - an 015752375133 wenden. Auch wer Interesse an einem der Tiere hat, kann sich an diese Nummer wenden.

In den Katzengehegen warten die Samtpfoten nur darauf, dass Tim sie besucht. Ein paar Streicheleinheiten sind für jeden drin und natürlich gibt es Futter. In einem Schlafzimmer ist eine der neuesten verwahrlosten Katzen gerade noch isoliert, eine andere verwilderte Katze, die in einem schlechten Zustand zu den beiden kam, findet in einem geschützten Gartenhäuschen ihre Ruhe.

Velbert: Tier- und Naturschutzverein Niederberg
Seit einiger Zeit nimmt Andreas Bitzka nur noch Seniorenhunde auf. Wenn sie kein Zuhause finden, dürfen sie hier ihren Lebensabend verbringen.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Schlechte Vermittlungschancen für alte und kranke Hunde

Andreas Bitzka schaut derweil bei seinen Lieblingen vorbei. Neun Seniorenhunde betreut er, neben den eigenen Hunden. Welpen gibt es hier nicht mehr. „Wir bekommen regelmäßig Anrufe, es wird nach Welpen oder Kitten gefragt“, die, da ist er sich sicher, „würden wir im Handumdrehen vermitteln.“ Doch genau bei den alten und kranken Tieren hört der Tierschutz nicht auf. „Hier können die Hunde auch ihren Lebensabend verbringen“, sagt Andreas Bitzka. Denn er weiß, „bei ihnen ist die Vermittlung besonders schwierig.“

Gerade die älteren Kandidaten bringen nun mal auch ihre Wehwechen mit und Tierarztbesuche sind kostspielig geworden. Dennoch, wenn sich ein passender Mensch für seine Lieblinge findet, in ein gutes und liebevolles Zuhause würde er seine Schützlinge schon abgeben. Denn auch wenn sie sich mit viel Liebe um jedes ihrer Tiere kümmern. Jeder Hund, jede Katze und jeder Vogel, der das Leben eines anderen Tierfreundes bereichert, macht auch wieder Platz für neue Tiere, um die sich dann Tim Schokolinski und Andreas Bitzka kümmern können.

Velbert: Tier- und Naturschutzverein Niederberg
Als Ästlinge kamen zwei Dohlen zum Tierschutzverein. In den meisten Fällen sind die Tiere aber gesund und die Aufzucht von Hand unnötig.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst