Wenn Sami an einen seiner besten Freunde denkt, dann fällt ihm dazu ein: „Er war einfach wirklich immer für andere da.“ Dass er von Albert in der Vergangenheit sprechen muss, fällt ihm schwer. Denn der 27-jährige Langenberger ist plötzlich und unerwartet gestorben.

Täglich (außer Samstag)

Velbert-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Seine Mama erinnert sich an diesen schicksalhaften Tag. „Albert telefonierte jeden Morgen mit seiner Freundin in Bielefeld“, beginnt sie und muss dann schlucken. Eben genau, wie an diesem Tag. „Er sagte ihr, dass er sie kurz stummschaltet und gleich wieder da ist“, erzählt sie dann mit leiser Stimme weiter. Dann brechen ihre Worte. „Er kam einfach nicht mehr zurück ans Telefon.“ Die Freundin begreift, dass etwas nicht stimmen kann, und alarmiert Alberts Mama, die zu seiner Wohnung fährt. Dort findet sie ihren Sohn, leblos am Boden liegend. Jede Hilfe kommt für den jungen Mann zu spät.

Velberter findet neuen Lebensmut und findet neues Glück

Albert kommt mit einer schweren Nierenerkrankung auf die Welt. Sein Leben ist geprägt von Arztbesuchen und Operationen. Doch ein Nierenversagen ist nicht der Grund für seinen Tod. „Albert hatte zuerst eine Spenderniere von einem Verstorbenen erhalten“, berichtet seine Mutter.

Doch er benötigt nach einigen Jahren ein neues Spenderorgan und schließlich spendet Mama Tatjana ihre Niere. „Ich war als Spenderin zum Glück geeignet“, erinnert sie sich, und auch daran, wie viele Sorgen sich ihr Sohn Albert um den Eingriff machte. „Mama, ich hab’ Angst, dass ich dich nie wiedersehe, sagte er, bevor wir in den OP geschoben wurden“, erinnert sie sich mit der bitteren Gewissheit, dass es nun sie ist, die ihren Sohn nie wiedersehen wird. Beide überstehen die OP vor zwei Jahren aber gut, Alberts Körper nimmt das Organ an, er zieht in eine eigene Wohnung, lernt seine Freundin Karolina kennen, beginnt, Sport zu machen, die Familie beschreibt: „Er ist so fit wie nie.“ Dass er nun nicht mehr da ist, das können nicht nur seine Familie und seine Freunde kaum fassen. „Immer wieder werden wir angesprochen und keiner kann es begreifen, dass Albert so plötzlich verstorben ist“, sagt Mama Tatjana.

Sami erinnert sich an abenteuerliche Erlebnisse mit Albert

Doch bei aller Trauer, da sind viele Erinnerungen, die der Familie ein Lächeln ins Gesicht zaubern und viele Geschichten, die Sami von gemeinsamen Erlebnissen berichten kann, die bislang niemand kannte. „Wir sind vor zwölf Jahren in das Haus gezogen, in dem Albert lebte.“

Viele Freunde hatte Albert bis dato nicht. „Er war aufgrund der Erkrankung kleiner als die anderen in seiner Klasse“ und so eher ein Außenseiter. Doch aus ihm und Sami wurden schnell beste Freunde: „Albert ist einfach ein herzensguter Mensch, er war immer selbstlos und für andere da, auch wenn es ihm selbst nicht gut ging“, fasst Sami zusammen. Und dann reist er in die gemeinsame Vergangenheit. „Wir haben Schule geschwänzt, wir haben nachts im Auto gepennt, um in aller Früh angeln zu gehen, wir haben gemeinsam gefeiert, getrunken und mit Mädels geflirtet“, Sami lacht und schweigt dann.

Noch an Weihnachten ging es Albert gut.
Noch an Weihnachten ging es Albert gut.© Sami

Es sind Erzählungen, die auch Mama Tatjana und Alberts Cousine ein Lächeln auf die Lippen zaubern, „denn die hätten wir nie erfahren, wenn er noch lebte.“ So groß der Schmerz, so unfassbar der Verlust von Albert ist, so dankbar ist seine Mama, dass Albert so vieles erleben durfte: „Klar, war man immer in Sorge, dass ihm etwas passiert. Aber ich wollte ihm nicht verbieten, sein Leben zu leben.“ Da wird sie nachdenklich: „Und letzten Endes ist er an dem Ort gestorben, an dem er am sichersten gewesen wäre.“ Eben nicht auf einem Angelausflug, nicht auf einer Party, sondern bei sich zu Hause.

Mehr Themen aus Velbert

Albert bleibt unvergessen – Familie betont Bedeutung der Organspende

Woran Albert gestorben ist, das weiß die Familie nicht. Klar ist, dass durch die Niereneinschränkung viele Organe in Mitleidenschaft gezogen worden sind, und „ich wusste immer, dass mein Sohn nicht 100 und vielleicht auch nicht 70 wird, aber dass er so früh stirbt, das war nicht absehbar“, erklärt seine Mutter. Dennoch „habe ich mich gegen eine Obduktion entschieden. Albert hatte so viele Operationen in seinem Leben, so viele Narben auf seinem Körper, ein letztes Mal wollten wir ihm das ersparen“, und ihn so auch als den Menschen in Erinnerung behalten, der so viel Freude und Zuversicht in ihr Leben gebracht hat. „Albert war immer ein Kämpfer“, sagt seine Mutter. „Ein Stehaufmännchen“, bis zum letzten Tag.

Albert war einfach wirklich immer für andere da

Sami, einer der besten Freunde von Albert

Sein Freund Sami und die Familie von Albert möchten die Geschichte teilen, damit die Erinnerung an den Kumpel, den Sohn, den Bruder und das Familienmitglied bestehen bleibt, aber auch, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Organspende ist, denn: „Ohne die Spendernieren hätte Albert all das nicht erleben können“, sagt Sami. Albert wird am 23. Januar beerdigt. Zahlreiche Freunde haben sich angekündigt. Und die Familie heißt alle Trauernden willkommen.

Sami erzählt, dass Albert immer hilfsbereit war.
Sami erzählt, dass Albert immer hilfsbereit war.© Sami

„Es soll nicht nur eine Beerdigung sein, sondern auch eine Zusammenkunft. Hier können alle ihre Erinnerungen an Albert teilen, Trost suchen und spenden, gemeinsam sein“, und vielleicht erteilt ihm sogar der Rapper Kollegah noch die letzte Ehre, von dem Albert ein großer Fan war. Auch da lässt Sami nichts unversucht, um eben die Liebe, den Humor und die Leichtigkeit seinem Freund mitzugeben, die er immer ausgestrahlt hat.

Wer Alberts Familie dabei unterstützen möchte, die Kosten für das Begräbnis aufzubringen, kann über Gofundme spenden: https://www.gofundme.com/f/albertwagner

Weihnachten feierte Albert gemeinsam mit seiner Familie.
Weihnachten feierte Albert gemeinsam mit seiner Familie.© Sami