Trauer in der Metal-Community: Der Schlagzeuger Atomic Steif ist im Alter von nur 57 Jahren gestorben. Das teilte der Sänger seiner ehemaligen Band „Sodom“ auf seiner Facebook-Seite mit. Auch die Familie hat den Tod des Drummers bestätigt. Der Nevigeser, der mit bürgerlichem Namen Guido Richter hieß, war seit den 1980er-Jahren musikalisch aktiv, gehörte unter anderem zu den Gründern der Velberter Kult-Formation „Violent Force“.

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Richtig bekannt geworden ist er allerdings durch sein Engagement bei Szene-Größen wie „Sodom“ oder „Holy Moses“. Mit beiden Bands spielte er auch auf dem Wacken Open Air, einem der größten Metal-Festivals der Welt. Der Tod des Schlagzeugers hat weltweit für Resonanz gesorgt: Musikmagazine aus Griechenland, den Niederlanden, Brasilien oder den USA haben den Nevigeser und sein Leben bereits gewürdigt, Bands auf ihren Seiten in den sozialen Medien Anekdoten und Geschichten geteilt.
Warme Worte von ehemaligen Weggefährtinnen und -gefährten
Ehemalige Weggefährtinnen und -gefährten wie die „Holy Moses“-Sängerin Sabina Classen sind bestürzt: Sie erinnere sich an die frühen 80er Jahre „in den Velberter und Tipsy-Apes-Metal-Fanclubs“, zitiert das Musikmagazin Metal-Hammer aus einem Post der Musikerin. Und weiter: „Wir haben Nächte durchlebt, gefeiert, philosophiert, geträumt — und unzählige Konzerte gespielt, darunter auch auf dem legendären Wacken Open Air. [...] Doch mehr als nur ein großartiger Musiker war er ein Mensch, mit dem man lachen, tiefe Gespräche führen und das Leben in all seinen Facetten spüren konnte. [...] Rock in peace, Atomic Steif!“

Sein ehemaliger Bandkollege aus „Sodom“-Zeiten, Andy Brings, erinnert sich auf Instagram an die frühen 1990er-Jahre zurück: „Als wir nach der Trennung von Chris Witchhunter Anfang 1993 unter großem Getöse einen neuen Drummer suchten, rief Steif einfach bei unserem Management an und sagte, er würde das machen. Das hat uns gereicht, wir haben keinen anderen Schlagzeuger getestet. Er war eine Klasse für sich, ein unfassbarer Drummer!“
Lokale Szene trauert um einen „Kumpel und Freund“
Auch die Nevigeser Band HardNberg richtet einige Abschiedsworte an den Schlagzeuger: „Noch immer fassungslos über diese Nachricht, müssen wir Abschied von einem ganz Großen in der Metal-Szene nehmen. Mit seiner Art hat er den Thrash-Metal gerade im Pott auf neue Ebenen gehoben. Für viele ein Idol am Schlagzeug. Für uns ein Kumpel und Freund. Ein Nevigeser Original. Viele Treffen hat man gemeinsam gefeiert. Nun soll alles vorbei sein? Du bleibst unvergessen.“
Erste Band am NEG gegründet
Eicky ist Bassist der Band „Fleischwolf“, und auch er kann sich an gemeinsame Zeiten erinnern. „Steif, damals noch Guido, kam in meine Parallelklasse auf dem Nikolaus-Ehlen-Gymnasium. Eigener Look, den ich bis dato nicht kannte, null Interesse an Sport bzw. Fußball. Eigentlich hatten wir keine Schnittmenge an Themen … und trotzdem haben wir uns angefreundet.“

Steif habe Schlagzeug gespielt, „und ich fing langsam mit der Gitarre an. Dann haben wir zusammen in der Schulband gespielt. Steifs Band hieß, glaube ich, Hannen, wegen Hannen Alt. Mein Kumpel Sven nahm Schlagzeug-Unterricht beim Steif.“ Dann gründete sich „Violent Force“ und der erste Gig ging am NEG über die Bühne, erinnert sich Eicky.
„Danach war alles anders“, erzählt der „Fleischwolf“-Bassist. „Steif hat mich immer mit Tapes versorgt. Wir haben uns ein paar Jahre den Proberaum mit „Living Dead“ und „Sacred Chao“ geteilt, haben viel zusammen gejammt und Spaß gehabt. Dann waren wir zusammen Glaubensbrüder im Heavy Metal Fanclub (HMFC) Velbert.“
Talent beeindruckt andere Musiker
Eine gute Zeit, sagt Eicky: „Wir haben uns immer sehr gut verstanden. Viele Partys, viele Drinks und gute Gespräche. Die Sacred-Chao-Phase war sehr geil, da haben wir fast jeder Probe beeindruckt gelauscht. Leider hat man sich irgendwann total aus den Augen verloren, was in Velbert eigentlich unmöglich ist.“
Er habe sich öfter gefragt, was Steif wohl mache und immer damit gerechnet, ihn mal zu treffen. „Dass jemand wie er einfach so anonym krank wird und plötzlich weg ist, macht mich wirklich traurig. So bleibt nur die Erinnerung an die Zeit, die uns alle maßgeblich geformt hat und die so unglaublich geil war. Ruhe in Frieden, Atomic.“
Kopftuch als Markenzeichen
Die Geschichte zum Alias
Sein Alias „Atomic Steif“ geht auf eine Episode in der Jugend des Schlagzeugers zurück. Er hatte sich ein Ohrloch stechen lassen, was seinen Vater zum dem Spruch „ach, hast Du jetzt auch einen Knopf im Ohr“ verleitete. Der Vater spielte damit auf die Steiff-Tiere an, die bekanntlich eine Markierung an einem Ohr tragen.
„Steif hat sich dann überlegt, dass er daraus etwas machen könnte“, erinnert sich eine Freundin des Musikers: Er habe kurzerhand ein „f“ aus dem Markennamen gestrichen, später sei dann noch das „Atomic“ dazu gekommen. „Das hat sich so ergeben“. Fertig war sein Bühnenname.
Doch der Musiker Steif war nicht nur in Bands aktiv, sondern in der Szene generell. Als Mitglied des HMFC Velbert reiste er kreuz und quer durch Deutschland zu Partys anderer Metal-Fanclubs. Und natürlich zu Konzerten. Dabei trennte er den Schlagzeuger klar vom privaten Steif, erinnert sich eine Freundin.
„Er hat immer ein Kopftuch wie ein Stirnband getragen. Und immer, wenn er das an hatte, war er der Drummer Steif und hat sich präsentiert.“ Egal, ob im Gewühl vor der Bühne oder als Schlagzeuger auf der Bühne. Immer dann habe er immer auch mit dem Publikum (inter)agiert. „Privat allerdings war er eher ein stiller Mensch, keiner, der sich permanent in den Mittelpunkt stellen musste“.
Nun ist er im Alter von 57 Jahren gestorben. Die Beisetzung auf dem evangelischen Friedhof an der Siebeneicker Straße in Neviges hat bereits stattgefunden.




