Mittwochmorgen, 6. November. Gerade hat sich die Nachricht verbreitet, dass Donald Trump die Wahlen in den USA gewonnen hat. Nicht knapp, sondern deutlich. Entgegen der meisten Prognosen, die fast alle ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und der amtierenden Vizepräsidentin Kamala Harris vorausgesagt hatten.

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Seit dem steht das Telefon bei Deborah Cosmades nicht mehr still. Die gebürtige US-Amerikanerin lebt schon lange in Langenberg, hat als Hebamme gearbeitet und engagiert sich in der evangelischen Gemeinde Nierenhof. Aber am Mittwoch will sie eigentlich gar nicht auf die Anrufe reagieren.
„Betrachte eine zweite Amtszeit mit tiefer Besorgnis“

„Ich bin entsetzt“, sagt die Frau, die sich noch im Frühjahr dafür eingesetzt hatte, dass auch US-Bürgerinnen und -Bürger die im Ausland leben, sich für die Präsidentschaftswahl registrieren. „Um Trump zu verhindern“, sagte sie damals im Gespräch mit der WAZ. Jetzt, an diesem Mittwoch nach der Wahl, „bin ich noch nicht in der Lage, darüber zu sprechen.“
Einen Tag später hat sich die Langenbergerin gefangen, klingt am Telefon auch wesentlich gefasster. „Als US-Amerikanerin und als Mensch, dem das Wohl anderer am Herzen liegt, betrachte ich die Aussicht auf eine erneute Präsidentschaft von Donald Trump mit tiefer Besorgnis“, sagt sie.
Sorge um Frauenrechte
Trumps Haltung gegenüber grundlegenden Bedürfnissen und Rechten anderer – wie etwa bei Abtreibungsgesetzen oder Migrationsfragen – „erscheint mir nicht nur als unsensibel, sondern geradezu gefährlich“. Entscheidungen in diesen Bereichen könnten traumatische und gravierende Folgen haben und das Leben vieler Menschen auf nachhaltige Weise negativ verändern. Hart erkämpfte Rechte für Frauen etwa könnten verloren gehen.

In ihrem Alltag strebe sie danach, mit einem positiven Blick auf ihre Mitmenschen zuzugehen, sagt Deborah Cosmades. „Doch bei Trump fällt es mir schwer, Empathie oder aufrichtigen Respekt in seinem Umgang mit anderen zu erkennen.“ Seine Entscheidungen und Äußerungen wirkten oft egozentrisch und narzisstisch – „Eigenschaften, die aus meiner Sicht nicht mit der Verantwortung eines Präsidenten vereinbar sind“.
„Für alle Menschen eines Landes eintreten“
Demokratie bedeute für sie nämlich nicht nur, dass eine Frau das Recht hat, über ihren eigenen Körper zu entscheiden, sondern auch, dass eine Führungspersönlichkeit die Pflicht hat, für alle Menschen seines Landes einzutreten. „Bei Trump sehe ich diese Werte nicht repräsentiert.“ In einer demokratischen Gesellschaft sollte jedoch jeder Mensch, „unabhängig von Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Überzeugungen, die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung haben“.
Wirtschaft, Migration, Macho-Tum
Natürlich habe sie sich auch Gedanken gemacht, warum Trump die Wahl so deutlich gewonnen hat. Ein Faktor sei offenbar die wirtschaftliche Lage gewesen, das habe sich bei Gesprächen mit Familie und Verwandten in den USA ergeben.

„Viele Menschen haben zwei oder drei Jobs, um über die Runden zu kommen. Und die versprechen sich offenbar von Donald Trump wirtschaftliche Stabilität und mehr Geld im eigenen Portemonnaie“. Auch die Fokussierung auf das Thema Migration habe Wirkung gezeigt.
„Die Hoffnung nicht verlieren“
„Und dann glaube ich, dass es in den USA immer noch zu viele Machos gibt, die einfach noch nicht bereit sind für eine Präsidentin.“ Nun also tritt Donald Trump im Januar seine zweite Amtszeit an, „und er hat ein echtes Mandat“, sagt Deborah Cosmades. Er hat nicht nur die meisten Wahlleutestimmen auf sich vereinen können, sondern auch bei der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen gewonnen. Außerdem hat seine Partei - so wie es derzeit aussieht - die Mehrheit in beiden Parlamentskammern.
„Ich bin gespannt“, sagt die Langenbergerin, die aber die Hoffnung nicht aufgeben will. „Dazu bin ich ein viel zu positiver Mensch.“ Und vielleicht kämen ja genug Menschen in den kommenden vier Jahren zu der Ansicht, „dass Trump doch nicht so gut für das Land ist.“




