Fällt es, oder fällt es nicht? Genau diese Frage beschäftigt den Bildhauer Axel Kreiser. Und er hat genau diese Frage in ein Werk, in eine Skulptur umgewandelt. „Kipppunkt“ heißt die Installation, die seit wenigen Tagen in dem kleinen Park an der Turnhalle Donnerstraße steht.

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Eine ganz andere Perspektive nimmt Karl Imfeld ein. Der Schweizer hatte eine Idee: Wenn er oben auf einem Berg steht, kommt danach nur noch der Himmel. Also hat er aus Stein eine Skulptur erschaffen, die eine Öffnung hat und sich drehen lässt. „Fenster zum Himmel“ hat er das Werk getauft, das nun ebenfalls in Langenberg steht.

Und dann ist da noch Franz Küsters aus Berlin. Seine Arbeit trägt den Titel „Begegnung“ und ist ab sofort im Stillen Park zu sehen: Zwei schiefe Ebenen aus Marmor begegnen sich und bündeln einfallendes Sonnenlicht, so dass im Zentrum der Skulptur ein Lichtpunkt erscheint.
Skulpturenpfad durch Velbert-Langenberg wächst
Alle drei Künstler haben eins gemeinsam: Sie tragen mit ihren Arbeiten zum Skulpturenpfad „SkulpTour“ bei, der sich - wenn fertig - durch die ganze Langenberger Innenstadt ziehen soll. Dahinter steckt der Verein Kunsthaus Langenberg, der auch das Alldiekunsthaus betreibt.

„Das ist schon etwas Besonderes, was hier passiert“, lobt Axel Kreiser das Engagement der Langenberger Kunstfreunde. „Normalerweise“, fährt er fort, „gibt es einen Mäzen, der ein Gelände zur Verfügung stellt oder Kunstwerke anschafft, die dann zentral ausgestellt werden.“
In Langenberg aber komme die Idee aus der Bürgerschaft, von einem Verein. „Die setzen sich mit den Behörden auseinander, kümmern sich um Genehmigungen und packen beim Aufstellen der Kunstwerke mit an. Das finde ich super.“
Nicht protzig und überwältigend - trotzdem spannend

Unter anderem aus diesem Grund habe er sich auch dafür entschieden, sich am Skulpturenpfad zu beteiligen. Den Kontakt zum Kunsthaus hatte ein Kollege an der Düsseldorfer Kunstakademie hergestellt. „Außerdem ist es spannend, wenn so etwas innerhalb einer gewachsenen Stadt entsteht.“ Man hätte ja auch einfach etwas Großes auf den Marktplatz stellen können, frei nach dem Motto „hier sind wir“.
Aber genau das Gegenteil sei der Fall: „Alle Arbeiten sind von der Größe her nicht so überwältigend. Sie wollen entdeckt werden. Praktisch wie Ostereier.“ Das solle nicht bedeuten, dass die Kunst versteckt werde. „Aber sie verlangen, dass man mit wachem Blick den Weg geht, um sie zu entdecken.“

Ein Schweizer im Niederbergischen
Zu entdecken gibt es auch eine ganze Menge beim Blick durch das „Fenster zum Himmel“: Die Skulptur des Schweizers Karl Imfeld steht vor dem Alldiekunsthaus. „Sie bietet interessante Perspektiven auf die schiefergedeckten Häuschen der Altstadt oder den Sendemast“, empfiehlt der Bildhauer. Und fügt lachend hinzu: „Beim Aufstellen konnte ich durch das ‚Fenster‘ auf den Kirchturm schauen. Die Uhr zeigte fünf vor zwölf.“
Und wie kommt ein Schweizer ins Niederbergische? „Über Freunde“, sagt er. Vor etwa 30 Jahren habe er in Velbert-Mitte für eine Kirchengemeinde gearbeitet. Damals habe er Kontakte geknüpft, die bis heute Bestand haben. Diese Freunde hätten ihn mit dem Kunsthaus in Verbindung gebracht. „Ich habe Fotomaterial geschickt, der Verein hat das gesichtet.“ Das „Fenster“ fand Gefallen - nun steht es also in Langenberg.

Marmor und Licht machen die „Begegnung“ aus
Der Dritte im Bunde, der im Oktober zur „SkulpTour“ beigetragen hat, ist Franz Küsters aus Berlin. Der 86-jährige Bildhauer gilt als einer der Wegbereiter der Konkreten Kunst in Deutschland. „Ich arbeite immer mit geometrischen Formen“, erzählt der Wahl-Berliner zur Entstehung seiner Arbeit. „Ich habe eine vage Vorstellung von dem, was ich machen möchte, spiele dann mit den Formen, probiere aus.“
Dabei entstehe dann immer etwas, so wie eben die „Begegnung“. Dass die nun aus Marmor geschaffen wurde, sei Bernhard Kucken zu verdanken. Der Bildhauer unterrichtet an der Kunstakademie Düsseldorf und ist dem Kunsthaus Langenberg eng verbunden. „Bernhard hat mir vorgeschlagen, mich an dem Skulpturenpfad zu beteiligen“, sagt Franz Küsters.

Werkschau bei Alldie begleitet Aufstellung der „Begegnung“
„Und es war auch sein Vorschlag, Marmor zu verwenden.“ Denn bis dahin habe er viel mit Gips gearbeitet. „Aber der bröckelt ja gerne an den Kanten.“ Den Vorschlag von Bernhard Kucken fand Franz Küsters auch gut, „es geht ja auch um die Ästhetik des Werks.“
Nun also steht die „Begegnung“ im Stillen Park, „ein toller Ort“, lobt der Künstler, der Mitte der 1960er Jahre bei Jospeh Beuys in Düsseldorf Bildhauerei studiert und später fast 30 Jahre lang die Gipsbildnerei der Kunstakademie Düsseldorf geleitet hat. Einen Einblick in sein Schaffen liefert eine Werkschau, die noch bis zum 15. Dezember jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr und auf Anfrage geht.




