Es gibt Geschichten, die lassen einen nicht mehr los. Es sind Geschichten von Menschen, deren Rückgrat so stark ist, dass es selbst unter der Last einer unmenschlichen Diktatur nicht bricht – auch wenn der Preis dafür die eigene Gesundheit und letztlich das Leben ist. Einer dieser stillen Helden war Matthias Mertens, der einstige Kaplan von Schmachtendorf. Ihm und seinem unerschütterlichen Mut widmet die Gedenkhalle Oberhausen nun eine bewegende Ausstellung unter dem Titel „Standhaft in bewegter Zeit“.

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„Standhaft in bewegter Zeit“: Dieser Titel klingt fast schon zu sachlich für das Drama eines Lebens, das zwischen dem Glauben an Gott und dem Stacheldraht von Dachau zerrieben wurde. Matthias Mertens, geboren 1906, war kein Mann der lauten Töne, aber ein Mann der klaren Haltung. Schon früh geriet der junge Priester ins Visier der Nationalsozialisten, weil er diese klare, antinationalsozialistische Haltung über die Kanzel hinaustrug. Er boykottierte öffentlich Wahlen und nannte jene, die gegen Recht und Gerechtigkeit demonstrierten, unverblümt beim Namen: „Pöbel“.

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Der Mut hatte seinen Preis. Im April 1942 verschleppten die Nationalsozialisten Mertens als „Schutzhäftling“ in die Hölle des Konzentrationslagers Dachau. Drei Jahre verbrachte er im berüchtigten „Priesterblock“, umgeben von Grausamkeiten, die nach seinen eigenen späteren Worten „eine Erfindungsgabe von wahrhaft krankhaften Ausmaßen“ erfordert hätten, um sie sich auch nur vorzustellen.

Erinnerung an das Leiden im KZ

Zwar kehrte er 1945 nach Schmachtendorf zurück, doch der Mann, der den Menschen dort wieder Trost spenden wollte, war gezeichnet. Die Tuberkulose, an der er im Konzentrationslager erkrankt war, hatte seinen Körper zerfressen, die psychischen Traumata ließen ihn nie los. Mertens starb am 1. Februar 1970 mit 63 Jahren.

Besucher der Ausstellung erwartet eine Reise durch Originaldokumente und Fotos, die Einblicke in ein Leben geben, das stellvertretend für die Leiden Tausender inhaftierter Priester steht. Besonders beeindruckend: Ein Teil der Schau über das KZ Dachau wurde von Schülern des Projektkurses der Heinrich-Böll-Gesamtschule gestaltet – ein Brückenschlag der Erinnerung zwischen den Generationen.

Die Ausstellung des Fördervereins St. Josef Schmachtendorf wird am Dienstag, 1. September, um 18 Uhr in der Gedenkhalle an der Konrad-Adenauer-Allee 46 eröffnet. Bis zum 15. November lässt sie sich dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr besichtigen. Der Eintritt ist frei. Führungen sind nach Absprache möglich. Informationen: gedenkhalle-oberhausen.de