Zusammenfassung

  • Die nordirischen Rapper „Kneecap“ treten am Donnerstag, 20. August, in der Turbinenhalle auf. Sie sind wegen Anti-Israel-Parolen und Äußerungen, die Terrororganisationen unterstützen, in der Kritik.
  • Die Oberhausener SPD hält das geplante Konzert in der Turbinenhalle für „nicht verantwortbar“.
  • Der Veranstalter „Kingstar Music“ und die Turbinenhalle halten bislang an den Konzertplänen fest.

Die aktuelle Debatte um ein geplantes Hip-Hop-Konzert in der Turbinenhalle beschäftigt auch die Lokalpolitik. SPD-Fraktionsvorsitzender Manuel Prohl formuliert in einer Stellungnahme deutlich: „Vor dem Hintergrund der dokumentierten Vorfälle halten wir es für nicht verantwortbar, Kneecap in Oberhausen eine Bühne zu bieten.“ Die SPD-Fraktion schließt sich damit den Forderungen vieler Kritiker an, das Konzert abzusagen.

Es gibt eine klare Trennlinie zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung sowie Solidarität mit den Palästinenserinnen und Palästinensern einerseits und Terrorverherrlichung, Israelfeindlichkeit und Antisemitismus andererseits.

Portrait Denise Horn
Denise Horn, Vorsitzende der Oberhausener SPD

Das nordirische Rap-Trio „Kneecap“ ist immer wieder wegen Anti-Israel-Parolen in den Schlagzeilen und soll am Donnerstag, 20. August, in Oberhausen auftreten. Kritiker werfen der Band vor, eine israelfeindliche Einstellung auf der Bühne zur Schau zu stellen.

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Videoaufnahmen eines Auftritts im November 2024 zeigen ein Bandmitglied mit einer Flagge der Terrororganisation Hisbollah über den Schultern. In den Videos sind zudem „Free Palestine! Up Hamas! Up Hezbollah!“-Rufe zu hören (übersetzt: „Freiheit für Palästina. Hoch lebe die Hamas. Hoch lebe die Hisbollah.“). Nicht nur in Deutschland gelten die Hamas und die Hisbollah als Terrororganisationen.

Kneecap
Die nordirischen Rapper „Kneecap“ sollen am Donnerstag, 20. August, in der Turbinenhalle in Oberhausen auftreten. Erst im vergangenen Jahr sorgten sie mit Anti-Israel-Parolen beim Coachella Festival in den USA für Aufsehen. © AFP | VALERIE MACON

Die Behörden in Großbritannien werteten den Auftritt als „möglichen Verstoß gegen den Terrorism Act“. Zu einer Verurteilung kam es wegen eines Formfehlers in der Anklage nie. Die Musiker gaben an, nicht gewusst zu haben, wie eine Hisbollah-Fahne aussehe, und weder die Hisbollah noch die Hamas jemals unterstützt zu haben. Es war nur einer von vielen Auftritten, die für Furore sorgten.

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Die Sozialdemokraten appellieren deshalb an den Veranstalter, „das geplante Konzert in der Turbinenhalle noch einmal zu überdenken“. Die Oberhausener SPD-Vorsitzende Denise Horn sagt: „Es gibt eine klare Trennlinie zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung sowie Solidarität mit den Palästinenserinnen und Palästinensern einerseits und Terrorverherrlichung, Israelfeindlichkeit und Antisemitismus andererseits.“

SPD kritisiert Reaktion des Veranstalters

Die öffentliche Unterstützung von terroristischen Organisationen lasse sich nicht so einfach mit einem allgemeinen Hinweis auf die notwendige Unterscheidung zwischen Israelkritik und Antisemitismus beiseiteschieben, kommentiert Horn die Stellungnahme des Veranstalters Kingstar Music.

Portait Manuel Prohl
„Wir halten es nicht für verantwortbar, Kneecap in Oberhausen eine Bühne zu bieten“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Manuel Prohl.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Timo Birth, Geschäftsführer von Kingstar Music, äußerte sich zuvor auf redaktionelle Nachfrage zur Kritik und meinte: „Kritik an der israelischen Regierung und ihrem militärischen Vorgehen ist zunächst von antisemitischen Äußerungen oder der Unterstützung terroristischer Organisationen zu unterscheiden. Die pauschale Einordnung der Band als israelfeindlich würden wir uns in dieser Form daher nicht zu eigen machen.“ Eine Absage des Konzerts ist laut Veranstalter (Stand: 12. August) nicht geplant.

Massive Kritik auch an der Turbinenhalle

Einige fordern auch die Turbinenhalle als Vermieterin des Events auf, die Reißleine zu ziehen. Sie kritisieren, dass die Halle diese Veranstaltung austragen will. Einige kommentieren das in den sozialen Medien mit: „Turbinenhalle, was ist los bei euch?“ oder „Die Turbinenhalle sollte sich schämen.“ Ein Instagram-Nutzer kündigte sogar an, die Eventhalle ab sofort vermeiden zu wollen: „Schade, es gab einige gute Punkkonzerte, auf denen ich in der Turbinenhalle war. Wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass ich mir für den Schuppen ’ne Karte kaufe.“

Björn Josefiak, der Sprecher der Location, sagt, die Turbinenhalle sei ein Ort, „an dem kulturelle Vielfalt wie an kaum einem anderen Ort gelebt wird“. Dass das Trio aus Belfast kritisch gesehen wird, kommentiert Josefiak mit: „Ja. Aber da ist immer die Frage: Wie geht man damit um?“ Eine Absage habe die Halle nicht diskutiert.