Hohe Fehlzeiten in Unternehmen waren der Anlass: Nach Plänen der schwarz-roten Koalition soll für Beschäftigte schon bald die Krankschreibung ab dem ersten Tag gelten. Abgeschafft werden soll außerdem die telefonische Krankschreibung. Beide Vorhaben stoßen den Ärzten in Oberhausen sauer auf – und auch bei Oliver Hartmann, als AOK-Regionaldirektor Ruhrgebiet für Oberhausen zuständig, auf heftige Kritik.

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„An den Krankenständen wird sich so gar nichts ändern, denn die Ursachen werden nicht beseitigt“, sagt Hartmann. Schon AOK-Bundesvorstandschefin Carola Reimann hat von „reiner Symbolpolitik“ gesprochen. Telefonische Krankschreibungen etwa machten nur knapp 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen aus. Die AOK hatte in ihren Fehlzeitenreporten längst ermittelt, dass stattdessen ein schlechter Führungsstil ein wesentlicher Treiber für hohe Krankenstände in den Unternehmen ist.
„Hier sollten die Unternehmen endlich gezielter ansetzen.“ Denn in einem gut funktionierenden Team gebe es keine hohen Krankenstände. „Echte Wertschätzung für Beschäftigte, eine gerechte Verteilung der Arbeit und ein gesunder Teamgeist wirken effektiver.“ Die AOK selbst schult ihre Führungskräfte auch in Oberhausen entsprechend regelmäßig. „Mit Erfolg.“
Ärzte kritisieren Ende der telefonischen Krankschreibung
Auch Sebastian Griesau, Vorsitzender der Kreisstelle Oberhausen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, hält von den geplanten Neuerungen schlicht: „Nichts.“ Gleiches gilt für die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. „Patientinnen und Patienten etwa mit einem Magen-Darminfekt haben nichts in einem Wartezimmer zu suchen.“
Nur wer so schwer erkrankt ist, dass eine ärztliche Untersuchung notwendig ist, sollte eine Praxis aufsuchen. „Missbrauch in größerem Stil ist mir persönlich nicht begegnet, die Praxen wissen schon sehr genau, wann man besser keine telefonische Bescheinigung ausstellen sollte.“
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Künftig nur aus bürokratischen Gründen zusätzliche Hausbesuche durchführen zu müssen, sei absurd und nicht leistbar. „Die Kapazität, uns hier als Kontrollstelle herzugeben und bei jeder banalen Erkrankung ab dem ersten Tag eine Bescheinigung auszustellen, haben wir in den Praxen nicht.“ Statt endlich den seit Jahren zugesicherten Bürokratieabbau anzugehen, sei „leider genau das Gegenteil passiert“. Die bisherigen Regelungen hätten sich bewährt und sollten unverändert beibehalten werden.





