Zusammenfassung
- Die Firma SIM aus Oberhausen entwickelt Technik, die auch winzigste Bestandteile in verschiedenen Stoffgemischen nachweisen kann.
- Ihre Messgeräte finden Anwendung in Bereichen wie Lebensmittelkontrolle, Umweltschutz oder Rechtsmedizin.
- SIM arbeitet eng mit Kunden und Wissenschaft zusammen, bietet individuelle Lösungen und weltweite Schulungen an.
Wer Lebensmittel einkauft, kann auf der Verpackung nachlesen, welche Inhaltsstoffe der Hersteller angibt. Da kommt oft die Frage auf, ob diese Informationen auch wirklich korrekt sind. Skandale angesichts fehlerhafter Deklarierungen gab es schon einige. In Oberhausen hat eine Firma ihren Sitz, die ausgefeilte Technik entwickelt, um Antworten geben zu können, welche Substanzen tatsächlich vorhanden sind. Willkommen im Unternehmen Scientific Instruments Manufacturer GmbH oder kurz SIM.
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Stoffgemische auf ihre Einzelteile untersuchen
Bereits der Name zeigt an, dass der Betrieb High-End-Produkte auf den Markt bringt, die ein hohes Maß an Know-how in sich vereinen. Das Unternehmen ist darin Spezialist, Stoffgemische unterschiedlicher Art auf ihre einzelnen Bestandteile hin zu untersuchen und aufzutrennen. Wie weit die Leistungskapazität reicht, verdeutlicht Firmenchef Rolf Eichelberg an einem überzeugenden Beispiel: „Wenn man einen Zuckerwürfel in den Bodensee werfen würde, wären wir in der Lage, ihn nachzuweisen.“

Anwendungsgebiete sind reichlich vorhanden, kommt es doch in zahlreichen Branchen darauf an, wie die jeweiligen Produkte zusammengesetzt sind. Lebensmittel bilden da einen Teil. Parfüme, Lacke, Farben, Tabak oder Medikamente sind ebenso Beispiele wie Benzin. Beim Rundgang durch die Gebäude im Gewerbegebiet Im Erlengrund lässt Eichelberg schätzen, aus wie vielen Komponenten der Sprit wohl bestehe. Die Zahl 980 überrascht. Dass sich mit den Geräten von SIM jede einzelne Komponente nachweisen lässt, ist aber nur das eine. Als ebenso wichtig erweist sich auch die jeweilige Konzentration.
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Motorsport gibt klare Regeln für die Sprit-Zusammensetzung vor
So gibt beispielsweise der Motorsport klare Regeln vor, wie es sich mit den Gemischen verhalten muss, mit denen die Boliden betankt werden. Die Sportsparte gehört damit zu dem vielfältigen Kundenkreis. Für jeden Kunden entwickelt SIM jeweils auf die Bedürfnisse und Anforderungen zugeschnittene Lösungen. Die Fachleute aus dem Unternehmen erstellen ein Gesamtkonzept, zu dem sehr häufig Standardgeräte gehören, die am Standort in Oberhausen noch spezifisch erweitert werden. Die Preise für solche ganzheitlichen Lösungen haben eine große Bandbreite. „Das beginnt bei etwa 20.000 Euro und reicht durchaus bis zu einer Million Euro.“

Wenn Rolf Eichelberg über die Verfahren spricht, die Anwendung finden, handelt es sich um Chemie für Fortgeschrittene. Zum Einsatz kommt die Chromatographie, mit der sich in zwei unterschiedlichen Variationen, vereinfacht gesagt, Materialien in chemische Einzelkomponenten aufspalten lassen. Die hochkomplexen Vorgänge werden immer stärker automatisiert, was vor allem den Kunden zugutekommen soll. Damit sie sich im Umgang mit den Geräten auskennen, gehören Schulungen zum Standardrepertoire von SIM.
Das beginnt bei etwa 20.000 Euro und reicht durchaus bis zu einer Million Euro.
Rolf Eichelberg , SIM-Geschäftsführer
Statt Hotline mit Warteschleife direkter Kontakt zur Firma
Solche Lehrgänge bietet das Unternehmen in den eigenen Gebäuden an, orientiert sich dazu an den Fragen und Wünschen der Kunden. Steht die Inbetriebnahme eines Gerätes bevor, begleiten Mitarbeiter den Prozess, stehen den Beschäftigten vor Ort zur Seite. SIM hat Geschäftspartner rund um den Globus. Mitarbeitende reisen deshalb regelmäßig nach Singapur, Frankreich oder in die USA, um nur einige Beispiele zu nennen.
Kennzahlen von SIM
SIM ging 1996 in Mülheim an den Start, zog 2005 in das Oberhausener Gewerbegebiet an der Straße Im Erlengrund um.
2011 erfolgte eine erste Erweiterung, 2024 wurden die beiden neuen Gebäude fertiggestellt. Ein Teil ist an Drittfirmen vermietet.
Service habe für Eichelberg einen hohen Stellenwert, sagt er. „Die Firma ist stets erreichbar.“ Statt einer Hotline mit langen Warteschleifen biete SIM den Kunden ohnehin den Austausch mit den Experten aus dem eigenen Hause an. Noch in guter Erinnerung ist ihm ein führendes Oberhausener Unternehmen, das aufgrund solcher Pluspunkte SIM einen Großauftrag erteilt hat.

Krebsverdächtiges PFAS im Trinkwasser nachweisen
Zur Fortentwicklung des eigenen Unternehmens haben vor allem Anfragen und Wünsche der Kunden beigetragen, erläutert Eichelberg. Hinzu kommt die wissenschaftliche Forschung mit ihren Erkenntnissen, an der die Oberhausener Firma aber auch selbst mitwirkt. So hat sie ein eigenes Verfahren entwickelt, mit dem sich die Chemikaliengruppe PFAS im Trinkwasser nachweisen lässt. Diese steht im Verdacht, krebserregend zu sein, und baut sich nur sehr schwer in der Umwelt ab.
Für das wissenschaftliche Engagement unterhält SIM enge Verbindungen zu zahlreichen Hochschulen. Die Uni Duisburg-Essen liegt in direkter Nachbarschaft. Neben PFAS hat seit geraumer Zeit aber noch eine andere Umweltbelastung für Aufsehen gesorgt, nämlich das Thema Mikroplastik. Um diese Kleinstbestandteile nachzuweisen, habe das Unternehmen ebenfalls passendes Equipment an Bord, betont Eichelberg. Angesichts des vielfältigen Engagements im Bereich Wissenschaft und Forschung hat das führende US-Unternehmen Agilent dem heimischen Betrieb bereits den Innovationspreis verliehen.

Rechtsmedizin benötigt Apparaturen für die tägliche Arbeit
Da sich die Lösungen von SIM darüber hinaus dazu nutzen lassen, bestimmte Stoffe überhaupt erst nachzuweisen, arbeitet die Firma auch mit der Rechtsmedizin zusammen, genauer gesagt sind es Standorte in Münster und Köln. In der Forensik sind die technischen Apparaturen ein maßgebliches Werkzeug, um beispielsweise zu klären, ob ein Opfer durch giftige Substanzen zu Tode gekommen ist.

Dabei betont Eichelberg, dass seine Firma stets die Technik bereitstellt, aber keineswegs selbst entsprechende Untersuchungen durchführt. Um wiederum die Geräte zu konstruieren, wirken in der 22-köpfigen Belegschaft Fachleute aus mehreren Berufen mit, darunter Chemiker, Elektrotechniker oder Maschinenbauer. Eichelbergs Tochter Lina Such bringt ihr Wissen als Biologin ein und treibt zugleich den biomedizinischen Bereich voran.
Co-Workingspace für Existenzgründer und Selbstständige geschaffen
Ihre Geschwister Friederike und Joana Eichelberg haben eine pfiffige Idee in die Tat umgesetzt. Sie bieten einen Co-Workingspace an, der zum Beispiel Existenzgründern oder Selbstständigen einen Arbeitsplatz bietet.

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Zudem sind in dem Gebäude Schulungsräume vorhanden, die SIM selbst gut nutzen kann, aber auch an Dritte vermietet. Auf dem Grundstück gibt es derzeit vier Gebäudekomplexe, Platz wäre noch für einen weiteren Trakt. Aktuell steht zwar kein Bau in Rede, doch zumindest ist die Option für das Unternehmen vorhanden, das weiterhin auf Wachstumskurs bleibt.






