Zusammenfassung

  • Unternehmen in Oberhausen fordern strengere Regeln für Krankschreibungen und wollen einen unbezahlten Karenztag einführen.
  • Der Unternehmerverband kritisiert vor allem die telefonische Krankschreibung und sieht darin einen Anreiz für höhere Fehlzeiten.
  • Hintergrund der Diskussion sind die steigenden Krankentage, die laut Verband und Politik die Wirtschaft zunehmend belasten.

Sind Beschäftigte zu häufig krank? Der in Duisburg sitzende Unternehmerverband, zu dem auch Arbeitgeber aus Oberhausen gehören, hat sich für Reformen der bezahlten Krankentage ausgesprochen. In einem Statement setzt sich der Verband für das sogenannte „Karenztag-Modell“ ein, um die Wirtschaft von Kosten zu entlasten. Doch auch die Arbeitgeber müssten handeln.

Unternehmerverband fordert Einführung von Karenztagen bei Krankheit

„Karenztag heißt, dass der Arbeitgeber dafür keine Lohnfortzahlung zahlt, der Monatslohn also um einen Tag gekürzt wird“, erklärt Martin Jonetzko, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Der Arbeitnehmer kann sich also weiterhin krankmelden, wird allerdings den ersten Tag nicht bezahlt. Jonetzko weist darauf hin, dass der Karenztag kein neues Modell sei: „Das ist in vielen europäischen Ländern üblich und könnte auch in Deutschland Teil einer fairen Balance aus Absicherung und Eigenverantwortung sein.“

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Verband will telefonische Krankschreibung abschaffen

Außerdem fordert der Unternehmerverband, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen. Diese mache es zu leicht, an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu kommen, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. „Wir müssen offen über Strukturen sprechen, die Fehlanreize setzen.“ Über die telefonische Krankschreibung und über den Karenztag müsse „sachlich diskutiert werden“.

Krankentage belasten die Wirtschaftsleistung und bremsen eine Erholung aus.“


Martin Jonetzko, stellv. Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Duisburg
 
 
Martin Jonetzko, stellv. Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes

Für Jonetzko stehen allerdings nicht nur die Arbeitnehmer in der Verantwortung: „Viele Unternehmen zeigen bereits, wie Arbeit organisiert werden kann, damit sie gesund hält: Prävention im Betrieb, gute Führung, flexible Arbeitszeiten oder etwa ergonomische Arbeitsplätze.“

Bundeskanzler Merz stieß Debatte um Krankentage an

Angefacht wurde die Debatte um die hohen Krankentage durch eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). 14,5 Tage seien Beschäftigte durchschnittlich pro Jahr krank. „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, sagte Merz zuletzt bei einer CDU-Veranstaltung in Bad Rappenau.

Auch der Unternehmerverband appelliert, dass die Krankentage reduziert werden müssten. Denn: „Der hohe Krankenstand wirkt sich immer stärker auf die deutsche Wirtschaft aus. Kurzfristig belasten Krankentage die Wirtschaftsleistung und bremsen eine Erholung aus; mittelfristig schränken sie das Produktionspotenzial ein.“ Deswegen brauche es jetzt weniger Bürokratie und mehr Effizienz, um die Menschen schneller gesund an die Arbeit zu bringen.