Zusammenfassung

  • Die Schulklassen in Oberhausen sind nach Angaben der GEW zu groß, wodurch die Unterrichtsqualität leidet.
  • Die Lehrergewerkschaft fordert den Bau zusätzlicher Schulen, da in den nächsten Jahren hunderte Schulplätze fehlen könnten.
  • Umstritten ist auch die Abschaffung der Obergrenzen für inklusive Klassen, was laut GEW die Förderung beeinträchtigt.

Die Lehrergewerkschaft GEW übt harsche Kritik an der Schulentwicklungsplanung in Oberhausen. Jüngst hatte der Stadtrat den Neubau einer weiteren Gesamtschule sowie die Gründung einer Förderschule beschlossen. Auch Grundschulen sollen durch Mehrklassenbildungen erweitert werden.

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Doch die Maßnahmen greifen aus Sicht der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu kurz. „Die GEW fordert die unverzügliche Erstellung eines Schulentwicklungsplans 2025 bis 2030, in welchem die Planung und Errichtung von je zwei weiteren Grundschulen, Förderschulen und Gesamtschulen festgeschrieben wird. Nur so können langfristig tragfähige Rahmenbedingungen für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sichergestellt werden“, heißt es in einer Mitteilung an die Medien.

Neue Gesamtschule in Oberhausen
Oberhausen hat bereits eine neue Gesamtschule an der Knappenstraße geplant. Weil die aber erst 2029 fertig wird, wurde sie schon früher gegründet. Die Schülerinnen und Schüler werden übergangsweise im ehemaligen Niederrheinkolleg an der Wehrstraße unterrichtet. © FUNKE Foto Services | Gerd Wallhorn

Die GEW schließt sich damit inhaltlich der Forderung der Linken Liste nach weiteren Schulneubauten an. Die Fraktion hatte zum Ende der vergangenen Ratsperiode sogar eine Sondersitzung mit diversen offensiven Forderungen beantragt. Ihr Programm fand allerdings keine Zustimmung bei den anderen Fraktionen.

Oberhausen: Im Worst Case 14 Schulklassen zu wenig

Gleichwohl sind die Zahlen für Oberhausen alarmierend. Im schlimmsten Fall könnten im Schuljahr 2027/28 rund 400 Schulplätze fehlen. Umgerechnet 14 Klassen hätten die Oberhausener Schulen zu wenig. Die neue Gesamtschule an der Knappenstraße wird frühestens 2029 fertig und ist schon im ehemaligen Niederrheinkolleg gestartet. Der vorherige Rat hat daher dem Neubau einer weiteren Gesamtschule in Lirich sowie der Gründung einer „Förderschule für die Geistige Entwicklung“ zugestimmt.

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Die sogenannte Schulentwicklungsplanung 2025 bis 2035 sieht jedoch keine weiteren Grundschulen vor. Hier sollen an einigen Standorten lediglich mehr Klassen gebildet werden. Prognosen gehen davon aus, dass die Schülerzahlen bald wieder sinken. Stand jetzt sind die Grundschulen jedoch proppenvoll.

Die Gewerkschaft sieht ein „zentrales Problem“ in den Klassengrößen: „Im Grundschulbereich wurden 2024/25 bei 2054 Einschulungen nur 81 statt gemäß Schulgesetz 89 Klassen gebildet. Das bedeutet: Die Klassen sind zum Teil erheblich größer als die in der Landesverordnung vorgesehene Richtzahl von 23 Kindern pro Klasse.“

Auch in der Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen seien die Klassen zu voll. Hier werde die Klassenbildungsrichtzahl um zwölf Klassen pro Jahrgang dauerhaft unterschritten. Die Folge sind Mammutklassen mit 30 und mehr Schülerinnen und Schülern. Einer früheren Kritik der Linken Liste hatte das Schulamt deutlich widersprochen: Alle Bestimmungen würden in Oberhausen eingehalten.

Nachbarschulen können Oberhausener Kinder ablehnen

Was jedoch nicht heißt, dass die Klassen nicht voll sind. Die Gewerkschaft macht sich deshalb große Sorgen um die Unterrichtsqualität. Diese könnte auch noch wegen des in Nachbarstädten angewandten Stadtkinderprinzips leiden. Wie berichtet hatte die Dinslakener Politik den Weg für eine Bevorzugung der eigenen Schüler frei gemacht. Kinder aus Oberhausen, die an der Grenze wohnen, müssen damit rechnen, im Falle zu vieler Anmeldungen abgelehnt zu werden. Das löst große Ängste bei Eltern aus.

Die Lehrergewerkschaft rechnet die negativen Folgen vor: „Da Oberhausen im Saldo in der Sekundarstufe durch auspendelnde Schülerinnen und Schüler bisher um 500 entlastet wird, könnten sich die Kapazitätsprobleme noch verschärfen.“

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Befremdet zeigt sich die GEW zudem über die Abschaffung der Höchstfrequenz für inklusive Klassen. Die Schulverwaltung hatte vorgeschlagen, den Grenzwert von 27 für „Klassen des Gemeinsamen Lernens“ aufzuheben. Argumentiert wurde damit, dass dieser Wert keine Gültigkeit hat, da er durch Landesgesetze ausgehebelt wird.

Auch hier sieht die Gewerkschaft einen schweren Fehler: „Dies gefährdet massiv die angemessene Förderung nicht nur von Schülerinnen und Schülern mit Unterstützungsbedarf.“