Es ist nie sicher. Nie. Jederzeit kann alles passieren. Maria Clara ist vier Jahre alt und niemand kann sagen, ob sie jemals 20 wird. Ihr Vater ist bereits tot, wo seine Leiche ist, weiß die Familie nicht. Um zu überleben, wandte sich Marias Mutter Elisangela (was grob übersetzt so viel wie „Gottes Engel“ heißt) an den brasilianischen Partnerverein von „Kinder in Rio Oberhausen“. Ohne es zu ahnen, wurde so auch die 30-Jährige zum Schutzengel für ihre drei Kinder.

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Der Verein Aldeia da Criança Alegre hat sich in den Armenvierteln Rio de Janeiros so etwas wie den Ruf der Unantastbaren erworben. Das ist wichtig. Denn auch die Favela Complexo 18, in der Maria und ihre Familie leben, ist ein gefährlicher Ort. Bandenkriege haben an vielen Hauswänden Einschusslöcher hinterlassen. Die Zukunft der meisten Kinder führt geradewegs in die Drogenhölle oder Prostitution. Da sechs von zehn Kindern die Grundschule verlassen, ohne lesen und schreiben zu können, sind ihre Chancen auf eine geregelte Arbeit gleich null. Leichte Beute für die Anwerber der Banden.

Der Complexo 18 ist gefährlich. Auch in diesem Armenviertel weit im Norden Rio de Janeiros liefern sich Drogenbanden immer wieder Schusswechsel.
Der Complexo 18 ist gefährlich. Auch in diesem Armenviertel weit im Norden Rio de Janeiros liefern sich Drogenbanden immer wieder Schusswechsel. © Kinder in Rio

Und so kommt es, dass in den Favelas abends bereits Zehnjährige mit Gewehren durch die Gassen laufen und statt zu spielen und zu lernen, eines Morgens tot in irgendeiner Rinne liegen. Dank des Oberhausener Vereins Kinder in Rio, der die Arbeit von Aldeia finanziert, gibt es einige wenige Lichtblicke. Elisangela hat einen davon gefunden, für sich und ihre Kinder.

Verein schenkt Kindern in Rio Sicherheit und eine bessere Zukunft

Maria Clara besucht in Rio jetzt eine Kindertagesstätte. Finanziert wird die von dem Verein „Kinder in Rio Oberhausen“. Auch Kinder- und Jugendhäuser, verteilt im Bundesstaat Rio de Janeiro, gehören dazu. „Das sind wirklich Orte der Geborgenheit, abseits aller Sorgen und der großen Armut“, erzählt Vorstandsmitglied Ralf te Heesen aus Oberhausen. Die Vierjährige darf jetzt einfach Kind sein, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie wird ganztags betreut, erhält endlich regelmäßige Mahlzeiten und die so wichtige Frühförderung, um später möglichst auch die Grundschule erfolgreich zu schaffen.

„An den weiterführenden Schulen erhalten die Jugendlichen in unseren Jugendhäusern nicht nur Sicherheit, Halt, Vertrauen, sondern auch eine gezielte Förderung und Hausaufgabenhilfe“, ergänzt te Heesen. Etliche brasilianische Familien kennt er inzwischen persönlich. Er weiß, wie wichtig es ist, dass gerade die jungen Menschen durch pädagogische Programme aufgefangen werden, dass sie in den Erziehern und Erzieherinnen die oft so schmerzlich vermissten Bezugspersonen finden. Aber auch die Familienhilfe bildet einen wesentlichen Schwerpunkt des Vereins. Um den Zusammenhalt zu stärken, bietet der Verein gemeinsames Backen, Basteln und Ausflüge an – und sorgt damit für einen fast normalen Alltag. Doch die Fachkräfte von Aldeia wissen genau: Diese Normalität ist brüchig.

So feiern die vom brasilianischen Partnerverein von „Kinder in Rio Oberhausen“ betreuten Kinder und Jugendlichen Weihnachten: mit einem ausgelassenen Tanz in einer Turnhalle in Centenario.
So feiern die vom brasilianischen Partnerverein von „Kinder in Rio Oberhausen“ betreuten Kinder und Jugendlichen Weihnachten: mit einem ausgelassenen Tanz in einer Turnhalle in Centenario. © Kinder in Rio

Erst kürzlich ist eine der Kitas des Vereins zufällig ins Schussfeld eines aufflammenden Drogenkrieges geraten, eine der Mitarbeiterinnen wurde verletzt. „Weil wir den Bandenkriegen ausweichen wollen, müssen unsere Einrichtungen immer wieder mal in möglichst friedliche Gegenden umziehen.“ Mittlerweile gebe es für kurzfristige Attacken sogar Frühwarnsysteme über WhatsApp. „Kinder und Jugendliche beobachten dafür die Gegend, und wenn sich irgendwo Gruppen mit Waffen in der Hand bilden, warnen sie ganze Gebiete vor“, erzählt Ralf te Heesen. Auch Schulen und Kitas hätten auf diese Weise bereits rechtzeitig evakuiert werden können.

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Sozialhilfe unterstützt Familien beim Schulbesuch der Kinder

Die Armut in Brasilien ist gewaltig. Dennoch hat sich ein wenig auch zum Besseren verändert. „Heute erhalten notleidende Eltern, die ihre Kinder zur Schule schicken, so etwas wie eine kleine Sozialhilfe“, erzählt auch Vereinsmitglied Monika te Heesen. Natürlich helfen die Mitglieder des Partnervereins vor Ort auch bei der Antragstellung. „Die meisten Eltern können ja selbst nicht schreiben.“

Ralf te Heesen, Vorstandsmitglied des Vereins Kinder in Rio Oberhausen. Foto: Kinder in Rio / honorarfrei
Ralf te Heesen, Vorstandsmitglied von „Kinder in Rio Oberhausen“ im September 2025 bei einer Infoveranstaltung für seinen Verein.© Kinder in Rio

Seit 1967 setzt sich „Kinder in Rio“ dafür ein, dass sich das Leben der Familien in Brasilien ein klein wenig verbessert. 60 Mitglieder gibt es aktuell. Neue Mitstreiter sind immer herzlich willkommen. Sämtliche Projekte in Brasilien werden ausschließlich über Spenden finanziert. Auch eine Familienpatenschaft kann übernommen werden. Konkret umfasst diese Hilfe Lebensmittel- und Hygienepakete, eine psychologische Beratung, aber auch die klassische Sozialarbeit, „mit dem Ziel, dass die Familie irgendwann auf eigenen Beinen steht“, sagt Monika te Heesen, die die Patenschaften des Vereins betreut.

Das Spendenkonto ist auf der Homepage des Vereins unter kinderinrio.de/kinder-schuetzen/ zu finden. Wer den persönlichen Kontakt sucht oder weitere Informationen haben möchte, findet dies unter der Adresse: Kinder in Rio, Brücktorstraße 139a, 46047 Oberhausen, Tel. 0208 87 45 30, Mail: info@kinderinrio.de