Defekte Rolltreppen und kaputte Aufzüge am Bahnsteig, kaum behindertengerechte Toiletten, Blindenleitsysteme, die ins Leere führen, zugeparkte Gehwege: Die Hürden für behinderte Menschen in Oberhausen sind groß. Das will die Stadt ändern. Der erste Schritt: die Entwicklung einer App, die alle Schwachstellen aufdeckt. Dafür ist jetzt die Unterstützung möglichst vieler Betroffener gefragt.

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Entwickelt wurde die App „Accessible City“ von der User Experience-Designerin Alexandra Reichart und dem Informatiker Matthias Krauß zunächst über ein Förderprojekt für die Stadt Köln. Denn die beiden Kölner haben Freunde, die im Rollstuhl sitzen, auf den Blindenstock angewiesen sind und mit Bus und Bahn allzu oft nicht dort ankommen, wo sie hin wollen. Eher zufällig knüpften die beiden auf einer Messe dann den Kontakt zur Stadt Oberhausen.
App sammelt Daten für mehr Barrierefreiheit in Oberhausen
Und so kommt es, dass die Datenanalyse und Weiterentwicklung ihrer App jetzt über das Projekt „Accessible City Oberhausen“ finanziert wird. „Eine große Chance“, freut sich Reichart, deren Job es ist, die App möglichst alltagstauglich zu gestalten. Genau dafür benötigt das Team aktuell möglichst viele Betroffene in Oberhausen, die bereit sind, mit der App die so wichtigen Daten über mögliche Hürden auf den Wegen durch ihre Stadt zu sammeln. Und so geht‘s.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer starten per App eine Aufzeichnung, sobald sie sich auf den Weg machen. Dabei werden alle Daten über die Beschaffenheit ihrer Strecken gesammelt. Diese Daten werden dann ausgewertet und anonymisiert auf einen Daten-Server hochgeladen. „Rückschlüsse auf die einzelnen Nutzer sind nicht möglich“, versichert Reichart. Persönliche Informationen an Dritte werden selbstverständlich ebenfalls nicht weitergegeben.
Stadt sammelt Daten, um Barrieren gezielt abzubauen
Alle anonymisierten Informationen kann die Stadt später kostenlos herunterladen. „Das ist ja schließlich auch der Sinn der Sache“, betont Reichart. Denn genau diese Daten sollen Oberhausen dabei helfen, Schwachstellen ausfindig zu machen, um sie beseitigen zu können.
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Dazu gehören zu hohe Bordsteinkanten und fehlende Leitsysteme für blinde Menschen. „Aber auch gefährliche Kreuzungen, unübersichtliche Verkehrsführungen oder nicht vorhandene Verkehrssicherheitsmaßnahmen sollen aufgelistet werden.“ Welche öffentlichen Verkehrsmittel und Stationen sind nicht barrierefrei? Wo gibt es unzuverlässige Fahrpläne? Wo fehlen Aufzüge? Wo gibt es Aufzüge und Rolltreppen, die ständig defekt sind? Auch auf diese Informationen komme es an. „Denn gerade diese Hindernisse führen für behinderte Menschen immer wieder zu längeren Reisezeiten.“
So wächst der Einfluss Betroffener auf die Barrierefreiheit in ihrer Stadt
Alexandra Reichart, User Experience-Designerin
Reichart und Krauß möchten eng mit ihrer Zielgruppe zusammenarbeiten. „Dazu gehören Interviews, gemeinsam vereinbarte Ziele und Testläufe.“ Die Ergebnisse sollen öffentlich bekannt gemacht werden. „So wächst ganz nebenbei auch der Einfluss Betroffener auf die Barrierefreiheit in ihrer eigenen Stadt.“
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Der Prototyp der App kann über die Homepage der Entwickler (https://accessible-city.de/) heruntergeladen und auf einem Android-Handy installiert werden. „Wer ein iPhone besitzt, sollte sich direkt per Mail (info@accessible-city.de) an uns wenden – denn wir arbeiten noch an der iPhone-Version, aber eine Testgruppe ist schon vorhanden.“
Geplant ist, das Projekt später auf möglichst viele Städte auszuweiten – und die App gegebenenfalls um Tipps und Wegevorschläge für ihre Nutzerinnen und Nutzer zu ergänzen. „Letzteres war ursprünglich zwar gar nicht geplant, aber wir bekommen viele Fragen danach und greifen Anregungen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich gerne auf“, versichert Reichart.







