Zusammenfassung
- Das Theater Oberhausen startet in die neue Spielzeit
- Im Programm finden sich Interpretationen klassischer Werke und moderne Stücke
- Erstmals im Programm: Tanzspektakel unter freiem Himmel
Mit dem Ende der Sommerferien fiebern Theater-Fans in Oberhausen der Eröffnung der neuen Spielzeit entgegen. Am Samstag, 6. September, wird sie eingeläutet - traditionell mit dem großen Theater-Familienfest am Will-Quadflieg-Platz im Marienviertel. Um 14 Uhr geht es an diesem Tag los, wenige Tage später folgt die erste Premiere.
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Wie im vergangenen Jahr macht die noch junge Tanz-Sparte Urban Arts den Anfang. Und das sorgte 2024 für Furore, am Ende der Vorstellung standen schweißgebadete Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne und im Saal brach tosender Jubel los. Wenn es nach dem Theater-Team um Intendantin Kathrin Mädler geht, darf sich das am Freitag, 12. September, gerne wiederholen. Um 19.30 Uhr startet im Studio die Uraufführung der „Gametime“.
Ausverkaufte Premiere: „Human Repertory“
Passender kann ein Titel für die Spielzeit-Eröffnung kaum sein. Das interaktive Tanztheater-Stück für alle ab zwölf Jahren wurde von Takao Baba und dem Ensemble der Urban-Arts-Sparte entwickelt. Gemeinsam soll es darum gehen, die Wahrheit hinter einer digitalen Fassade zu entdecken.

Die erste Vorstellung der nächsten Premiere ist bereits jetzt ausverkauft: Ab Freitag, 19. September, ist das Schauspiel „Human Repertory“ oder „Menschliches Repertoire“ zu sehen. Im Backstage-Bereich des Menschheits-Theaters werden alle frisch verstorbenen Neuankömmlinge zunächst mit Kaffee und Gurken-Sandwiches versorgt - bevor ihre persönlichen Geschichten und Schicksale zutage treten. Das Schauspiel des US-amerikanischen Dramatikers Noah Haidle gewährt einen Blick mit schwarzem Humor auf die Turbulenzen unserer Zeit. „Die Schicksalsgemeinschaft rekapituliert schließlich 400.000 Jahre Menschheitsgeschichte in einer finalen Party“, heißt es im Programmheft der neuen Spielzeit.
Modernes Königsdrama im Herbst: Sankt Falstaff
Die nächste Premiere steht dann im Herbst an - mit „Sankt Falstaff“, einem modernen Königsdrama frei nach William Shakespeares „King Henry IV“. Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer, Jahrgang 1978, lässt in seinem Stück Shakespeares Falstaff auf die Gegenwart treffen: Nach einem Putsch im Königreich scheinen die Menschen wieder auf eine fähige Politik vertrauen zu können. Doch unter dem Deckmantel einer immer poröser werdenden Demokratie wuchern die Mechanismen der Autokratie. „Sankt Falstaff“ feiert am 24. Oktober Premiere.
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Königlich geht es weiter: „Fanfaren!“ ist laut Programmheft ein royales Lustspiel über die Arbeit, den Sinn unseres Daseins und die Naturtrompete. Es geht um die Frage: Was macht das Fanfaren-Orchester, wenn der König nicht erscheint? Wenn das Hofprotokoll schmilzt wie die Butter auf dem königlichen Frühstückstisch? Das Hamsterrad der Hochleistungs-Trompeterei wird durchbrochen, es gibt plötzlich Raum, um sich mit den wirklich großen Fragen nach Leben, Arbeit, Selbstaufgabe und Machtmissbrauch auseinanderzusetzen. Mit „Fanfaren!“ zeigt das Theater Oberhausen zum ersten Mal eine Uraufführung der jungen, 1996 in Düsseldorf geborenen Dramatikerin Noëlle Haeseling, Premiere ist am 30. Oktober.
Familienklassiker: Bremer Stadtmusikanten auf der Bühne
Im November steht dann das Familien-Highlight der neuen Spielzeit zum ersten Mal auf dem Programm: „Die Bremer Stadtmusikanten“ machen sich am 2. November 2025 auf der Bühne des Ebertbades auf den Weg in die Stadt an der Weser. Wie sie dabei eine Räuberbande loswerden, weiß wohl jeder, der sich einigermaßen in der Grimm‘schen Märchenwelt auskennt. Auf der Bühne soll es bunt und musikalisch nachgezeichnet werden. Das Familienstück gehört am Oberhausener Theater zu den beliebtesten Aufführungen einer jeden Spielzeit. Für die Regie der Stadtmusikanten kehrt Ingrid Gündisch nach Oberhausen zurück, die bereits mit „Pünktchen und Anton“ 2022 und dem „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ 2023 große Publikumserfolge gefeiert hat.
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Dass das Oberhausener Ensemble nicht nur schauspielerische, sondern auch musikalische Qualitäten hat, ist längst bekannt. Auch in der neuen Spielzeit wird das Team dies unter Beweis stellen. Im November beginnt die Konzertreihe „Lonely Hearts Club“ im Theater-Studio. Der neue musikalische Leiter des Theaters, Marc-Reiner Kamp, wird sich mit einzelnen Ensemble-Mitgliedern den vielen Facetten des Themas „Einsamkeit“ widmen. Damit verleiht er jenem Thema Klang, das im Mittelpunkt der neuen Spielzeit steht: Das Theater verwandelt sich zum Start am 6. September 2025 in das „Ministerium gegen Einsamkeit“.

Weiter geht‘s mit der Komödie „Eine perfekte Hochzeit“, in der es um eine Hochzeit geht, die perfekt auf eine Katastrophe zusteuert. Gefeiert wird im schmuddeligen Brooklyn (New York) - und der DJ hat das musikalische Talent einer Flachpfeife. Das gefällt der College-Clique von Braut Zoey so gar nicht; sie betrinkt sich daher lieber hemmungslos in einer nahegelegenen Bar. Währenddessen versucht die Hochzeitsplanerin verzweifelt, die jüdische New Yorker Familie der Braut ebenso zufriedenzustellen wie die Südstaaten-Verwandtschaft des Bräutigams. Die Premiere ist am 6. Dezember.
Das Theaterprogramm
Eine Übersicht aller Vorstellungen am Theater Oberhausen finden Interessierte im aktuellen Spielzeit-Heft und online auf der Seite theater-oberhausen.de. Dort können auch Karten reserviert werden. Das Theater am Will-Quadflieg-Platz 1 ist auch per E-Mail und telefonisch zu erreichen: kontakt@theater-oberhausen.de, 0208-8578184.
Im Spielplan finden sich nicht nur die Premieren der neuen Spielzeit, sondern auch viele Wiederaufnahmen wie etwa die Inszenierung Kathrin Mädlers „Bruder Eichmann/Geschwister Eichmann“, interaktives Tanztheater „Vagabund“ und „Swimmy“ für alle ab vier beziehungsweise fünf Jahre, sowie das dokumentarische Schauspiel „And now Hanau“ über die rassistischen Morde in Hanau 2020.
Das neue Jahr beginnt am Theater Oberhausen ernst: „Staubfrau“ von Maria Milisavljević ist laut Programmheft eine „hochpoetische wie vielstimmige Anklageschrift gegen das Patriarchat“. Die 1982 in Arnsberg geborene und mittlerweile in Berlin lebende Dramatikerin hat einen „kraftvollen Text über Femizid und strukturelle Gewalt an Frauen“ geschaffen, einen endlosen Fluss an Frauenschicksalen und Traumata. Ab dem 15. Januar 2026 offenbart dieser Fluss die himmelschreienden und doch totgeschwiegenen Ungerechtigkeiten, die er zuvor geschluckt hat - Generation für Generation, Frau für Frau.
Theater Oberhausen zeigt berührende Liebesgeschichte
Ihr Oberhausener Regie-Debüt feiert Lisa Nielebock ab dem 27. Februar 2026 mit dem Schiller-Schauspiel „Die Räuber“. In diesem „furiosen Freiheitsdrama“ geht es um die Frage: Wie frei ist der Mensch wirklich? Schiller erzählt in seinem Erstlingswerk die Geschichte zweier ungleicher Brüder: Franz, verbittert und von Neid zerfressen, intrigiert gegen Karl, der sich wiederum zurückzieht, um in den böhmischen Wäldern eine Räuberbande zu gründen. Das Oberhausener Theater-Team meint: „Mit seiner zupackenden, kraftstrotzenden Sprache spielt das Drama zwei unterschiedliche Wege der Radikalisierung durch und stellt auch heute noch die Frage nach dem Individuum in unserem gesellschaftlichen Miteinander.“

Großes Kino erwartet das Publikum ab dem 24. April 2026. Mit „Brokeback Mountain“ hat sich Intendantin Kathrin Mädler eine besonders berührende Liebesgeschichte ausgesucht. Das eigentlich als Kurzgeschichte erzählte Drama der heute 90-jährigen kanadisch-US-amerikanischen Schriftstellerin Annie Proulx wurde 2005 weltbekannt. Heath Ledger und Jake Gyllenhaal mimten damals auf großer Kinoleinwand die Cowboys Ennis und Jack, die sich ineinander verlieben, ihre Liebe in der homophoben Wild-West-Welt der 60er Jahre aber nicht leben dürfen.
Blockparty: Hip-Hop verbindet Bronx und Oberhausen
Eine Woche später, am 30. April, steht die Premiere von „Mutter“ auf dem Programm. In dem Kammerspiel beschreibt der Dramatiker Wajdi Mouawad die Flucht seiner Familie vor dem Bürgerkrieg im Libanon aus Sicht seines kindlichen Ichs. Er stellt dabei eine Mutter ins Zentrum, die an Krieg, Flucht und Exil innerlich zerbricht und ihre Kinder vor diesem Schicksal bewahren will. Regie führt Tamara Trunova, Chefregisseurin des Left Bank Theaters in Kiew, das auch in Kriegszeiten allabendlich eine Vorstellung gibt. Trunova inszeniert in der Ukraine und im Ausland.

Ein „urbanes Spektakel im Container-Dorf“ startet am 30. Mai 2026. „Blockparty - Rhythmen der Straße“ soll eine Brücke schlagen zwischen der Entstehung des Hip-Hops in der von Armut geprägten Bronx in New York und den heutigen Realitäten in einer Stadt wie Oberhausen. Der erste Freilicht-Abend der Tanz-Sparte Urban Arts erzählt die Geschichte eines Blocks, eines Viertels, einer Nachbarschaft, die in sich zersplittert scheint, doch durch Musik und Tanz zusammenfinden kann.

Das neue Container-Dorf steht genau vor dem Theater am Will-Quadflieg-Platz. Weil Saal und Foyer des Theaters aufwendig umgebaut werden, sind einzelne Bereiche, wie die Kasse und die Bar, vorübergehend im Container-Dorf untergebracht.





