Wer mit Hotelkaufleuten, Ärztinnen, Bäckereiverkäuferinnen oder Kellnern spricht, der weiß: Eine leider nicht zu vernachlässigende Zahl an Menschen hat eine extrem kurze Zündschnur. Selbst bei Kleinigkeiten rasten sie aus, schreien, schimpfen, werden aggressiv.

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Ob Radler, Fußgänger oder Autofahrer - im täglichen Pendelverkehr spürt man, wie Regeln offenbar nur noch für einige wenige gelten, wie schnell gemeckert, beleidigt und gehupt wird, wie selbst kleine Fahrfehler von anderen nicht mehr gelassen hingenommen, sondern lautstark angeprangert werden. Im Zweifel gilt das Recht des Stärkeren, glauben offenbar nicht wenige.
Mehr Ordnungshüter, Wachmänner und Polizisten sind nicht allein die Lösung
Bürger rufen dann schnell danach, dass mehr Streifenpolizisten, mehr städtische Ordnungshüter, mehr Wachmänner herumlaufen müssten, um Mitmenschen zur Räson zu bringen. Das ist verständlich und der Eingriff von offiziellen Ordnungskräften in extremen Fällen auch notwendig, doch allein damit bekommen wir ungebührlich-aggressives Verhalten von Einzelnen nicht in den Griff.
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Einzelne? Ja, es sind Einzelne, die das Stimmungsbild prägen: Zu oft schweigen aber die Anständigen, zu oft gehen Verantwortliche darüber hinweg und sagen sich, das war alles nicht so schlimm, das geht schon vorüber. Nein, die Zivilgesellschaft muss deutlich machen, dass sie sich das gemeinschaftsschädliche Verhalten von Erwachsenen nicht bieten lässt.

Man könnte viele Entschuldigungen finden, warum in einer der wohlhabendsten Gesellschaft der Welt die Stimmung so hysterisch-depressiv geworden: drei Jahre Wirtschaftskrise, die nervenzehrende Pandemie, die Kriegsgefahr in Europa, die Chaos-Produzenten westlicher Regierungen, der Zulauf zu Extremisten. Und natürlich gibt es im Alltag Situationen, die an der Lebensbasis rühren, wenn Bankkaufleute entscheiden, dass kein Geld mehr vom ausgelutschten Konto ausgezahlt werden kann.
Erwachsene stecken in der Kleinkind-Trotzphase fest
Doch dies alles ist kein Grund, jegliche Distanz gegenüber Bankkauffrauen, Serviererinnen, Krankenschwestern fallen zu lassen, ihnen ganz nah ins Ohr zu schimpfen oder sie leise mit persönlichen Drohungen zu überziehen. Offenbar stecken solche Erwachsene noch in ihrer Kleinkind-Trotzphase fest: Wenn die Welt um sie herum sich nicht so dreht, wie sie wollen, dann fangen sie an zu schreien.
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Das darf man sich nicht gefallen lassen. „Null Toleranz“, „Pack meinen Kumpel nicht an“, „Keinen Millimeter für Hass und Gewalt“ - das muss auch im täglichen Umgang gelten. Es gibt genügend offizielle Wege, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, wenn man sich beschweren will. Die Sparkasse ist deshalb bei Ausrastern auf dem richtigen Weg: Sofort Anzeige raus, sofort Kündigung des Kunden.
Und sollte Vorbild für andere sein: ob Optiker, Bäcker, Hotelier, Supermarkt- oder Restaurant-Besitzer - wer sich dort daneben benimmt, fliegt raus. Das Zusammenleben von Menschen aus 140 Kulturen in Oberhausen funktioniert nur, wenn man mit Respekt und Anstand handelt. 99 Prozent machen das so, der Rest muss spüren, dass sich die Gesellschaft wehrt.






