Einen Tag nach dem Austritt von weißem Kunststoff-Pulver aus einer Produktionsanlage der Ruhrchemie haben sich noch nicht alle Gemüter beruhigt. Anwohner der Chemiefabrik waren am Sonntagmorgen durch eine Warnsirene aufgeschreckt worden - und mussten dann beim Werk nachfragen, was passiert ist, als sie weißes Pulver auf ihren Autos, im Sandkasten und im Garten fanden. Einige von ihnen fühlen sich nicht ausreichend darüber informiert, ob das weiße Pulver nicht doch gefährlich ist.

Täglich (außer Samstag)
Oberhausen-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Grünen-Fraktionschefin Steffi Opitz kritisiert, dass das Werk nicht sofort von sich aus die Oberhausener informiert hat. „Was ist mit dem Gemüse im Garten, das mit Pulver bedeckt war: Kann man das essen? Darüber muss doch das Werk informieren.“ Opitz hält es für nötig, die Bevölkerung sofort über die NINA-Warnapp zu unterrichten - und über alle Medien.
Auch interessant
Thomas Wüller, Sicherheitsdirektor des Ruhrchemie-Areals, gibt sich am Telefon am Montag zerknirscht, weil grundsätzlich nichts dieser Art außerhalb des Werk-Geländes auftauchen sollte. In einer morgendlichen Sicherheitskonferenz habe man auch den Ablauf besprochen. Künftig will man eher auf die Anwohner zugehen. „Das Pulver ist ungefährlich, man kann es vom Gartengemüse abwaschen. Selbst wenn man es essen würde, würde es einfach ausgeschieden.“
Weißes Pulver auf den benachbarten Straßen des Chemiewerks in Oberhausen gefunden
Man habe nach dem Ausstoß des Kunststoff-Pulvers sofort die Weißensteinstraße untersucht - diese sei aber verschont gewesen. Erst nach Anrufen habe man festgestellt, dass das weiße Pulver auf der Holzstraße und einem Teil der Bahnstraße heruntergekommen sei. Dass das Pulver bis nach Barmingholten geweht worden ist, wie eine Anwohnerin angibt, schließt der Direktor für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (HSE) aus.
- Alle Nachrichten aus Oberhausen lesen Sie hier.+++Abonnieren Sie unseren Oberhausen-Newsletter per Mail (Newsletter-Anmeldung) und unseren kostenlosen Familien-Newsletter+++Folgen Sie uns auf Facebook oder Instagram+++Themenseiten: Polizei und Feuerwehr, Centro, Karls Erlebnis-Dorf, Serie: „Die starken Macher unserer Wirtschaft“, Wohnen und Immobilien, Gastro, Baustellen, Kitas, Schulen, Fronleichnamskirmes, RWO, Lokalsport+++Laden Sie die News-App aufs Handy (Android-Version, Apple-Version).
Nach Wüllers-Erklärung ist die Produktionsanlage von der Firma Versalis so konstruiert, dass diese unter starkem Druck steht. Bei einer Störung, wie hier einem Riss in einer Armatur, fahre die Anlage automatisch herunter. Der Druck wird dann abgelassen, in dem das produzierte Material nach außen gepustet wird. „Das ist so vorgesehen, das hat tadellos funktioniert, aber das Material sollte im Gelände bleiben. Der Wind hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das tut uns leid, wir wollen nicht die Umwelt durch Kunststoff belasten.“
Das Kunststoff-Pulver, das später etwa zu Flaschendeckeln gepresst wird, ist zwar als Makro-Plastik eingestuft, wird aber irgendwann zu Mikroplastik, das in Nahrungsketten des Menschen landen kann. Rede und Antwort muss das Werk noch den Behörden stehen, die Bezirksregierung Düsseldorf hat bereits nachgefragt. Die Stadt Oberhausen ist für den Vorfall nach eigenen Angaben nicht zuständig.






