Zusammenfassung

  • Die „Mobile Retter“-App in Oberhausen ermöglicht schnellere Hilfe bei Notfällen
  • Ein Zeitgewinn von vier bis fünf Minuten kann entscheidend sein
  • Bereits 140 Ehrenamtliche wurden in Oberhausen trainiert

Das Telefon klingelt bei der Leitstelle der Feuerwehr in Oberhausen – ein Notfall, jemand ist in der Innenstadt zusammengebrochen. Sofort fährt der Einsatzwagen los, doch bis er am Ort des Geschehens angekommen ist, könnte es bereits zu spät sein. Denn bei den meisten Notfällen gilt: Jede Sekunde zählt! Bei einem Herzstillstand beispielsweise sinkt die Überlebenschance pro Minute um zehn Prozent. Um im Notfall noch schnellere Hilfe zu gewährleisten, gibt es in Oberhausen ab sofort die „Mobile Retter“-App. Oberbürgermeister Daniel Schranz durfte nun bei einem öffentlichen Termin den großen, roten Knopf zum Alarmierungsstart drücken.

Mobile Retter-App: Ein Zeitgewinn, der Leben retten kann

Zurück zum fiktiven Patienten, der in der City kollabiert ist: Um dessen Überlebenschancen zu erhöhen, könne mithilfe der App parallel zum Rettungswagen auch ein Ersthelfer alarmiert werden, erklärt der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Dr. Christian Afflerbach. Alarmiert werden Ersthelfer, die sich in der Nähe des Patienten befinden und in durchschnittlich vier Minuten den Einsatzort erreichen können. Der Rettungsdienst benötigt im Schnitt acht bis neun Minuten. Ein Zeitgewinn von vier bis fünf Minuten, der Leben retten kann.

Ersthelfer-App Feuerwehr
Der Beigeordnete Michael Jehn, Oberbürgermeister Daniel Schranz und Jörg Brandenburg, Leiter der Feuerwehr, (von links) drücken den symbolischen Startknopf für die neue App „Mobile Retter“ bei der Feuerwehr in Oberhausen. © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Mobile Retter sind Menschen, die medizinisch ausgebildet sind oder durch ihren Beruf Kenntnisse mitbringen, also etwa Pflegekräfte oder Feuerwehrleute. Die hätten genug Erfahrung, sich einer solchen Situation zu stellen, und in der Regel auch die mentale Kraft. Denn es könne ja immer auch passieren, dass ein Patient, wie unser Herr in der Einkaufsstraße, trotz aller Mühen dann doch verstirbt. In jedem Fall gebe es für die Ersthelfer Nachsorgeangebote, erklärt Afflerbach.

Bestimmte Einsatzorte werden vermieden

Um mobiler Retter zu werden, müssen sich Interessierte einem Training unterziehen, bestehend aus Theorie- und Praxisteil. Danach wird ihnen ein Ersthelfer-Kit an die Hand gegeben, das zum Beispiel Handschuhe enthält. Bereits 140 Ehrenamtliche wurden in Oberhausen trainiert, 100 davon sind zum Start der App auch schon aktiviert. Gerät in ihrer Nähe künftig ein Mensch in Not, werden sie alarmiert und können helfen.

Bei medizinisch ausgebildetem Personal kann es natürlich durchaus sein, dass der nächste Ersthelfer bei der Arbeit gerade unabkömmlich ist. Dann kann er den Einsatz ablehnen und der nächstmögliche mobile Retter wird alarmiert. Um eine Gefährdung der Ehrenamtler zu vermeiden, sagt Dr. Afflerbach, würden sie zum Beispiel nicht zu Einsätzen auf Autobahnen oder zu Brandherden gerufen.

Ersthelfer-App Feuerwehr
Die App „Mobile Retter“ soll als Bindeglied zwischen der Feuerwehr-Leitstelle und den geschulten Ersthelfern die Zeitspanne von der Alarmierung bis zur Ersthilfe weiter verkürzen.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Finanziert wird die App zurzeit von der Stadt Oberhausen. „Wir hoffen aber auf die neue Regierung, dass das Projekt unterstützt wird“, sagt eine Vertreterin des Vereins Mobile Retter e.V. Die App gibt es unter anderem bereits für Essen und Mülheim und ist nun auch mit Oberhausen verbunden. So kann zum Beispiel jemand aus Essen, der gerade in Oberhausen unterwegs ist, auch dort alarmiert werden. Bundesweit sind es sogar schon über 20.000 Ersthelfer, die bei den mobilen Rettern mitmachen. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, bekommt Infos unter mobile-retter.org/ob.