Als gäbe es nicht schon genug Ärger, wie man künftig seine Wohnung heizen und sein Duschwasser klimafreundlich erwärmen kann: Auf alle Oberhausener Haushalte, die Erdgas nutzen, kommt unausweichlich eine neue Aufgabe zu: Sie müssen ihre Gastherme von Monteuren umrüsten lassen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Dies ist erst einmal für sie selbst kostenlos – und man muss sich nicht selbst kümmern. Der Prozess wird sich über zwei Jahre hinziehen.

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Hintergrund der Umrüstung ist, dass sich die Gasanbieter in Deutschland gezwungen sehen, von dem energieärmeren L-Gas aus den Niederlanden auf das energiereichere H-Gas umzustellen. Denn den Holländern geht das L-Gas in den nächsten Jahren aus – die Energieversorgung Oberhausen kann wie viele Gasanbieter in Norddeutschland das L-Gas in näherer Zukunft nicht mehr erwerben. Ein Viertel aller Haushalte in Deutschland werden aber bisher noch mit L-Gas versorgt – und müssen umrüsten.

Neue Düsen benötigen Gasthermen und Gas-Herde für das neue Gas

Bedauerlicherweise können die heute in den Kellern und Etagen installierten Gas-Öfen oder Gasherde in Küchen das neue H-Gas nicht einfach so verbrennen, sondern es müssen neue Düsen her, um die Gasgeräte anzupassen. Sonst könnte das neue Gas das Gerät beschädigen oder gar zerstören.

Zuständig für die Anpassung ist die Oberhausener Netzgesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Energieversorgung Oberhausen (EVO). Auch für denjenigen, der sein Gas nicht mehr von der EVO bezieht, ist die Netzgesellschaft der Ansprechpartner – also für die Umstellung der Gasthemen im gesamten Stadtgebiet verantwortlich.

Das ist natürlich eine Mammutaufgabe, denn fachlich versierte Monteure müssen nach Informationen der EVO an die Medien gleich zweimal, in einigen Fällen auch dreimal zur Gastherme in den Wohnungen und Häusern, um dort die Umstellung komplett vorzunehmen. In einigen Fällen wird es allerdings für die Hauseigentümer heikel: Denn bestimmte Gasthermen lassen sich nicht umrüsten und müssen neu gekauft werden – und zwar zu eigenen Kosten.

Die Umrüstung einer einzelnen Gastherme für das neue H-Gas dauert eine Stunde.
Die Umrüstung einer einzelnen Gastherme für das neue H-Gas dauert eine Stunde.© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Beim ersten Termin erfolgt die Erhebung der Daten aller im Haushalt betriebenen Gasgeräte (Zeit: 45 Minuten pro Therme), beim zweiten Termin erfolgt die eigentliche Umrüstung meist der Düsen (Zeit: eine Stunde pro Gerät), beim dritten Termin, der nur in zehn Prozent der Fälle notwendig ist, wird die Qualität der Anpassung kontrolliert.

Alle Termine wird die Netzgesellschaft nach eigenen Angaben den betroffenen Bürgern schriftlich rechtzeitig mitteilen. Und tatsächlich sind die Bürger nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW verpflichtet, die Monteure für die Umstellung ins Haus zu lassen.

Über den genauen Ablauf werden alle Kunden der Oberhausener Netzgesellschaft ausführlich in einem eigenen Schreiben ab April 2025 informiert. Denn schon im zweiten Quartal 2025 soll es losgehen: Dann kommen Monteure in die Häuser und erfassen die Daten der Gasgeräte. Im Mai beginnt man im Stadtbezirk Alt-Oberhausen, im September in den Stadtteilen Schmachtendorf, Holten und Buschhausen - und ab Oktober 2025 sind die restlichen Sterkrader Stadtteile und Osterfeld dran.

Gasgeräte-Umrüstung erfolgt ab dem vierten Quartal 2026 in Oberhausen

Die Umrüstung erfolgt erst ab dem vierten Quartal 2026 in Alt-Oberhausen, in den Stadtbezirken Osterfeld und Sterkrade ab dem 1. Quartal 2027. Das H-Gas fließt durch die Leitungen in Oberhausen ab dem 6. April 2027 in Alt-Oberhausen, ab dem 29. Juni 2027 in den Stadtteilen Schmachtendorf/Holten/Buschhausen und ab 21. September 2027 im restlichen Sterkrade und in Osterfeld.

Vom Gesetzgeber festgelegt ist, dass nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW weder Netzbetreiber noch Handwerker eine direkte Rechnung den Mietern oder Vermietern stellen dürfen. Die Umrüstung ist für den einzelnen kostenlos, der Netzbetreiber wird die Rechnungen der Monteure bezahlen und diese Extra-Kosten werden von allen Netzbetreibern in Deutschland auf alle Gaskunden über 15 Jahre als Teil des Netzentgeltes umgelegt.

Das neue Gas ist teurer, liefert aber mehr Energie pro Kubikmeter

Doch kommen über den Gaspreis nicht höhere Kosten auf die Endverbraucher zu, weil H-Gas viel teurer ist als L-Gas? Die Verbraucherzentrale NRW ist der Auffassung, dass sich der tatsächlich höhere Einkaufspreis für das neue Gas nicht auf den Abrechnungen spürbar machen dürfte.

„Sie sollten weder beim Heizen, noch auf Ihrer Rechnung einen Unterschied merken“, schreibt die Verbraucherzentrale. „H-Gas kostet zwar mehr als L-Gas, aber für dasselbe Heizergebnis wird weniger Gas benötigt. Die gleiche Zahl an Kilowattstunden wird also aus einer geringeren Gasmenge gewonnen. Da für die Gasrechnung aber nicht die Menge, sondern die Kilowattstunden maßgeblich sind, sollte sich an der Rechnungssumme nichts ändern.“

Auch die EVO betont auf ihrer informativen Webseite ob-netz-erdgasumstellung.de: „Der Energiebezug wird in der Regel nicht teurer, da in kWh abgerechnet wird. Da das „neue“ Gas einen höheren Brennwert aufweist, werden mit weniger Volumen mehr kWh geliefert. Es sind also weniger Kubikmeter auf dem Gaszähler abzulesen.“