- Im Ruhrwasser bei Mülheim wurden erhöhte Rückstände des Blutdruckmittels Candesartan gemessen, die für Fische sehr giftig sind.
- Das Trinkwasser bleibt laut Wasserwerksgesellschaft trotzdem sicher und kann bedenkenlos verwendet werden, da es gründlich gereinigt wird.
- Auch das Baden in der Ruhr ist nach Angaben der Stadt weiterhin unbedenklich, weil die gemessenen Werte kein Gesundheitsrisiko darstellen.
Wegen des Niedrigwassers finden sich in Mülheim aktuell deutlich mehr Rückstände des Blutdrucksenkers Candesartan im Ruhrwasser als normalerweise. Mit 0,67 Mikrogramm pro Liter wird die Meldeschwelle von 0,3 Mikrogramm um mehr als das Doppelte überschritten, warnte jetzt das Landesumweltamt. Das aus dem Ruhrwasser gewonnene Trinkwasser kann trotzdem weiterhin sorglos konsumiert werden, teilte die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft am Freitag auf Nachfrage mit.

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Laut Landesumweltamt ist Candesartan „stark wassergefährdend“. Das Medikament, das über die Kläranlagen in den Fluss gelangt sein soll, sei extrem giftig für Fische und andere Wasserlebewesen. Die Bevölkerung müsse dennoch nicht beunruhigt sein, betonte Birgit Kirch, stellvertretende Pressesprecherin bei RWW. „Das von uns gelieferte Trinkwasser kann weiterhin bedenkenlos getrunken und für die Zubereitung von Speisen und Getränken verwendet werden. Es wird kontinuierlich überwacht und durch mehrere aufeinanderfolgende Aufbereitungsstufen gereinigt.“
Im Mülheimer Ruhrwasser sind auch Rückstände anderer Arzneien nachweisbar
Laut Kirch nutzt Mülheims Trinkwasseraufbereiter ein „Multi-Barrieren-System“, das auch als „Mülheimer Verfahren“ bekannt sei. „Es besteht unter anderem aus Untergrundpassage, Ozonung, Filtration, Aktivkohlefiltration und UV-Desinfektion.“ Auf diesem Wege wird vieles zurückgehalten, so auch besagtes Candesartan. „Die hohe Konzentration wurde nicht im Trinkwasser gemessen“, sagt die Fachfrau, „sondern im nichtaufbereiteten Wasser.“ Solche erhöhten Werte im Ruhrwasser seien bei sehr hohen Temperaturen übrigens „keine Ausnahme“. Auch Rückstände anderer Arzneien seien nachweisbar, so etwa von Paracetamol.
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Es besteht kein Grund, das Wasser abzukochen – „das wäre bei einer mikrobiologischen Verunreinigung sinnvoll, auf Rückstände von Medikamenten aber hat es keinen Einfluss“. Und man könne das Trinkwasser auch bedenkenlos für Aquarien mit Fischen und anderen Wasserorganismen verwenden. „Man sollte hier aber klar zwischen Ruhrwasser und aufbereitetem Trinkwasser unterscheiden.“ RWW verfügt über „ein sehr leistungsfähiges und mehrstufiges Aufbereitungssystem für das Ruhrwasser“, unterstreicht Kirch. Die Aufbereitung sei „darauf ausgelegt, auch auf Veränderungen der Rohwasserqualität zu reagieren“.
Gesundheitsamt: Baden am Ruhrstrand ist kein Problem
In diesem Roh-, also Ruhrwasser, kann man sich gemäß Mülheimer Gesundheitsamt auch weiterhin guten Gewissens abkühlen: „Bei der gemessenen Candesartan-Konzentration von 0,67 Mikrogramm pro Liter ist beim Baden keine gesundheitliche Gefährdung zu erwarten“, gab Mülheims Pressesprecherin Tanja Schwarze am Freitag auf Nachfrage an. Selbst bei der Aufnahme eines Liters Ruhrwasser läge die Wirkstoffmenge „um ein Vielfaches unterhalb einer therapeutisch wirksamen Dosis“.
Die Warnmeldung der Landesbehörde sei „insbesondere für die Trinkwasseraufbereitung und wegen möglicher langfristiger Auswirkungen auf Wasserorganismen relevant“, so Schwarze.








