• Peter-Michael Schüttler, engagierter Mülheimer und ehemaliger Ruder-Europameister, ist im Alter von 72 Jahren nach langer Krankheit gestorben.
  • Er war Mitbegründer der Regler Produktion, brachte die Freilichtbühne wieder zum Leben und setzte sich leidenschaftlich für Bildung, Kultur und das soziale Miteinander ein.
  • Sein Tod hinterlässt in der Mülheimer Kultur- und Bürgerszene eine große Lücke, viele Menschen erinnern sich dankbar an sein Engagement und seinen offenen Charakter.

Er war ein überzeugter Mülheimer und in seiner geliebten Heimatstadt vernetzt wie kein Zweiter. Viele Menschen trauern deshalb um Peter-Michael Schüttler, der jetzt nach langer schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben ist. Der kräftige Mann, der in der Jugend sogar Europameister im Rudern wurde (im Zweier, mit Otto Wedde) und sogar für Olympia qualifiziert war, zählt zu den Gründungmitgliedern der Regler Produktion und erweckte 2004 die Freilichtbühne wieder mit zum Leben. Seine Markenzeichen: die schulterlangen Haare, die Zigarette in der Hand, der schwere alte Volvo, mit dem er durch die Stadt gurkte, und die offene und freundliche Art, mit der er anderen stets begegnete.

1953 in Mülheim geboren, besuchte Peter-Michael Schüttler das (heutige) Otto-Pankok-Gymnasium, studierte Germanistik und Psychologie und wurde Gymnasiallehrer, bevor er im September 1983 zur Volkshochschule in Mülheim wechselte und dort bis 2017 in den Fachbereichen Grundbildung/Alphabetisierung und Rhetorik/Arbeitstechniken leitend tätig war sowie interne Fortbildungen für die Stadtverwaltung gab. „Er sah die VHS als Bildungseinrichtung und als Begegnungsstätte“, erzählt Hans-Uwe Koch, sein Freund und Regler-Kollege. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, Menschen den zweiten Bildungsweg zu ebnen oder auch Zugewanderten durch passende Bildungsangebote die Integration zu erleichtern. „Er war ein Verfechter des lebenslangen Lernens“, berichtet sein Sohn Lukas Fuchs-Schüttler. Und gründete beispielsweise auch die Mülheimer Seniorenzeitung „Alt - na und?“.

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Peter-Michael Schüttler war ein überzeugter Mülheimer, er erweckte die Freilichtbühne wieder mit zum Leben. Nun ist er nach langer schwerer Krankheit gestorben (unser Bild stammt aus 2021).
Peter-Michael Schüttler war ein überzeugter Mülheimer, er erweckte die Freilichtbühne wieder mit zum Leben. Nun ist er nach langer schwerer Krankheit gestorben (unser Bild stammt aus 2021).© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Konzert-Reihen in Mülheim: Schüttler brachte Menschen zusammen

Mit großer Leidenschaft habe er auch die Konzert-Reihen in der VHS initiiert und organisiert. Viele Mülheimerinnen und Mülheimer werden sich noch an die Estival-Reihe oder die Oldie-Nächte im VHS-Forum erinnern. „Als damals am Kassenberg Proberäume abgerissen werden sollten, standen viele Musiker auf der Straße. Peter-Michael hat sich für sie eingesetzt und ihnen Auftritte in der VHS ermöglicht“, erinnert sich Hans-Uwe Koch. Dem Pädagogen habe die Kultur sehr am Herzen gelegen. Er war dabei, als an der Theke in der Kneipe „Kaisereck“ die Idee zur Wiederbelebung der Freilichtbühne geboren wurde. „Wir wollten sie zu einem Ort machen, an dem wir uns selber gerne aufhalten. Zu einem Ort, an dem Menschen friedlich unter freiem Himmel Kultur genießen und ins Gespräch kommen sollten“, so Koch.

„Er sah die VHS als Bildungseinrichtung und als Begegnungsstätte“

Hans-Uwe Koch, Freund und Regler-Kollege

Für die Regler sei der Tod von Peter-Michael Schüttler ein herber Verlust, denn er habe sich mit viel Energie und zuweilen auch sehr entschlossen für die Open-Air-Bühne an der Dimbeck eingesetzt. Durch seine enge Verzahnung mit Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kulturszene habe er viel Know-how einbringen können in die Arbeit des ehrenamtlichen Regler-Teams und wertvolle Kontakte hergestellt. Der belesene Literaturfan war aber auch selbst Teil des Programms, lud gemeinsam mit Weggefährten zu „Lesungen zur blauen Stunde“ in die Freilichtbühne ein.

Regler: „Er ist ein Paradebeispiel dafür, was soziales Engagement bewirken kann“

Für die Regler schenkte er auch Glühwein auf dem Adventsmarkt in der Altstadt aus und plauderte gerne mit den Vorbeischlendernden. „Ein Vermächtnis meines Vaters ist, dass er es schaffte, die Menschen zusammenzubringen und zusammenzuhalten“, sagt sein Sohn Lukas. Sein Vater sei den Leuten stets vorurteilsfrei begegnet. „Ich habe mit ihm über Gott und die Welt geredet, er hat für die Probleme anderer immer ein offenes Ohr gehabt“, berichtet Hans-Uwe Koch.

Peter-Michael Schüttler (ganz rechts) im Kreise der Regler-Kollegen 2019: (v.l.) Stephan Bevermeier, Hans-Uwe Koch, Peter Szabowski und Susanne Beckers im Büroraum der Freilichtbühne.
Peter-Michael Schüttler (ganz rechts) im Kreise der Regler-Kollegen 2019: (v.l.) Stephan Bevermeier, Hans-Uwe Koch, Peter Szabowski und Susanne Beckers im Büroraum der Freilichtbühne.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Das Engagement des begeisterten Motorradfahrers ging über das normale bürgerschaftliche Engagement weit hinaus. 2009 wurde Peter-Michael Schüttler zum Ehrenamtler des Jahres bei der Aktion „Menschen machen‘s möglich“ von WAZ und RWW gewählt. Er liebte Mülheim, wollte in seiner Stadt Identität und Heimatgefühl stiften. Im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 beispielsweise hob er das „Local Heroes“-Festival in Mülheim mit aus der Taufe. „Er bleibt ein Vorbild für uns, ist ein Paradebeispiel dafür, was soziales Engagement bewirken kann“, erklärt Hans-Uwe Koch. Wichtig war Peter-Michael Schüttler vor allem auch seine Familie, zu der unter anderem die Söhne Lukas und Jons und Enkelin Hannah Mascha gehören. Der Mülheimer mit Herz hinterlässt auch einen großen Freundeskreis.

Eine Trauerfeier findet am 11. Juni um 13 Uhr auf dem Mülheimer Hauptfriedhof statt, die Regler laden danach zu einem lockeren Beisammensein in die Freilichtbühne ein – ganz im Sinne des Verstorbenen.