Im Gemeindehaus stapeln sich schon die Kartons - mit Kaffee-Packungen, Eintöpfen in Dosen, Campingkochern, Gaskartuschen oder auch Babykleidern. Die Christus-Gemeinde Mülheim in Eppinghofen sammelt Hilfsgüter für Menschen in der Ukraine, genauer gesagt in der Stadt Cherson, die direkt an der Frontlinie liegt. „Wie schlimm die Zustände dort gerade sind, kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist völlig jenseits unserer Lebensrealität“, sagt Pastor Clemens Pust.

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Das Stadtbild von Cherson sei von zerstörten Häusern geprägt, vor allem alte Menschen lebten noch dort. Und Frauen mit Kindern. „Die Leute haben keine Heizung, oft sind die Fenster kaputt. Es gibt keine Lebensmittel, keine Hygieneartikel, kaum Medikamente“, weiß Marlon Loewen, ebenfalls Pastor. „Wenn wir mit unserer Partnergemeinde Videos-Calls machen, hören wir im Hintergrund oft Drohnen und Detonationen.“ Bilder, die die ukrainischen Partner per Handy schickten, seien nicht selten schockierend.

Mülheimer Pastor hat ukrainische Vorfahren, die einst nach Brasilien flohen

Marlon Loewen hat einen besonderen Bezug zur ukrainischen Bevölkerung: Seine Urgroßeltern stammten aus der Ukraine und flohen in den 1920ern vor Hungersnot und religiöser Verfolgung nach Brasilien. 2025 schloss sich die Christus-Gemeinde auf Loewens Vorschlag hin der Hilfsinitiative „Arise & Shine Ukraine“ an, man knüpfte Kontakte zu einer Gemeinde in Cherson. Bereits dreimal startete seither ein Transporter mit Hilfsgütern von Mülheim aus in die zerbombte Stadt. Benötigt wird dort fast alles, denn viele Versorgungsketten sind abgebrochen.

Die freikirchliche Christus-Gemeinde Mülheim in Mülheim-Eppinghofen sammelt bis 24. Mai Spenden für einen Hilfstransport nach Cherson in der Ukraine.
Die freikirchliche Christus-Gemeinde Mülheim in Mülheim-Eppinghofen sammelt bis 24. Mai Spenden für einen Hilfstransport nach Cherson in der Ukraine.© FUNKE Foto Services | Kerstin Bögeholz

Mitgefahren sind Mitglieder der Christus-Gemeinde bisher noch nicht nach Cherson, denn es ist einfach lebensgefährlich vor Ort. Neben Drohnen, die Informationen sammeln und gezielt als Waffe eingesetzt werden, gebe es beispielsweise auch überall „Drohnenschläfer“, die irgendwann einfach explodierten. „Diese Art der Kriegsführung trifft auch die Zivilbevölkerung massiv“, weiß Clemens Pust.

Vieles wird gebraucht: Von Lebensmitteln bis zu Standheizungen

Als der Pfarrer der ukrainischen Partnergemeinde kürzlich verstorben sei, habe man alles daran gesetzt, um das Hilfsprojekt mit seinem Nachfolger weiterzuführen. „Wir möchten nicht nur punktuell helfen, sondern eine echte Beziehung zu den Menschen in Cherson aufbauen. Unsere Hoffnung ist, dass wir - wenn der Krieg einmal vorbei ist - die Leute hier bei uns begrüßen dürfen und ihnen vielleicht auch beim Aufbau in ihrer Heimat helfen können“, erklären die beiden Mülheimer Pastoren.

Der nächste Hilfstransport startet in Kürze, bis zum 24. Mai können neue oder gut erhaltene Hilfsgüter (von Lebensmitteln über Medikamente und Hygieneartikel bis zu Powerbanks, Taschenlampen, Gaskochern oder Standheizungen) im Gemeindezentrum an der Uhlandstraße 25 abgegeben werden. Vorher sollte man anrufen und sich erkundigen, was aktuell auf der Bedarfsliste steht. Telefon: 0208/471652. Infos: https://ariseandshine.berlin