• In Mülheim bieten das St. Marien-Hospital und das Evangelische Krankenhaus Mülheim ab sofort flexible Ausbildungs- und Umschulungsmodelle in der Pflege an.
  • Auf diese Weise wollen sie mehr Menschen den Einstieg in den Beruf ermöglichen.
  • Das Institut für Pflege- und Gesundheitsberufe startet im März erstmals eine vierjährige Teilzeitausbildung, während die Ategris Fachschule mit einer zertifizierten Umschulung Interessierten auch ohne finanzielle Einbußen neue Perspektiven bietet.

Angesichts des akuten Fachkräftemangels in der Pflege gehen zwei Mülheimer Einrichtungen innovative Wege, um Menschen den Zugang zu diesem wichtigen Berufsfeld zu erleichtern. Sowohl das Institut für Pflege- und Gesundheitsberufe (IPG) des St. Marien-Hospitals Mülheim (SMH) als auch die Fachschule für Gesundheitsberufe, die wie das Evangelische Krankenhaus Mülheim (EKM) zum Ategris-Verbund gehört, setzen ab sofort zusätzlich auf flexible Ausbildungs- bzw. Umschulungsmodelle. So sollen auch jenen Menschen Chancen eröffnet werden, die bislang keine Möglichkeit hatten, eine Pflegeausbildung zu absolvieren.

Teilzeitausbildung in der Pflege: Contilia bietet in Mülheim neues Modell an

Das zur Contilia gehörende IPG bietet ab März zum ersten Mal eine vierjährige Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann in Teilzeit an. Das Modell richtet sich an Eltern, pflegende Angehörige sowie Quereinsteiger und Berufsrückkehrer. Die Ausbildung dauert vier Jahre und endet mit dem staatlichen Examen. Für den praktischen Teil arbeitet das IPG mit den Contilia Krankenhäusern, also etwa dem St. Marien-Hospital in Mülheim, oder der Contilia Pflege und Betreuung zusammen.

„Mit der Teilzeitausbildung schaffen wir eine echte Chance für Menschen, die Pflege mit Familie und Alltag vereinbaren möchten“, erklärt Susanne Lehmann, Schulleiterin des Instituts für Pflege- und Gesundheitsberufe. „Unser Ziel ist es, engagierten Menschen den Einstieg in die Pflege zu ermöglichen – mit einer Ausbildung, die zu ihrem Leben passt.“

Willi Evers in Mülheim an der Ruhr
Das IPG des des St. Marien-Hospitals Mülheim bietet erstmals eine Pflegeausbildung in Teilzeit an.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Am 27. November hat das IPG eine erste Informationsveranstaltung vorgesehen (siehe Kasten), um Interessenten über den neuen Ausbildungsweg zu informieren. Susanne Lehmann und Dozentin Nicole Höfer stellen den Ablauf der Ausbildung, Inhalte und Voraussetzungen vor. Sie geben zudem Einblicke in den Schulalltag und erläutern mögliche Förderungen durch die Agentur für Arbeit.

Infoveranstaltung und Kontakt

Das Thema Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann in Teilzeit steht am Donnerstag, 27. November, von 16 bis 17 Uhr im Fokus einer Informationsveranstaltung am Institut für Pflege- und Gesundheitsberufe (IPG) an der Wissollstraße 11 (Raum 4). Da die Plätze begrenzt sind, ist eine vorherige Anmeldung verpflichtend, telefonisch oder per E-Mail an: Bettina Juschka, Telefon 0208 / 30 52 811, E-Mail: B.Juschka@contilia.de

Weitere Informationen zur AZAV-zertifizierten Umschulung an der Ategris Fachschule für Gesundheitsberufe können online unter www.ategris.de/ausbildung/ategris-fachschule-fuer-gesundheitsberufe abgerufen werden.

Umschulung: Mülheimer Ategris bietet neue Chance ohne Gehaltseinbußen

Auch die Ategris Fachschule für Gesundheitsberufe hat gemeinsam mit der Agentur für Arbeit ein neues Angebot entwickelt: eine Umschulung zur Pflegefachkraft. Möglich wird die aufgrund er sogenannten AZAV-Zertifizierung, die die Mülheimer Einrichtung im Frühjahr dieses Jahres erhalten hat. Das Qualitätssiegel erlaubt es der Fachschule, Bildungsmaßnahmen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter abzurechnen. Daher können nun auch Menschen, die, so heißt es seitens der Ategris, „gewisse Kriterien erfüllen“, eine Umschulung zur dreijährig examinierten Pflegefachkraft absolvieren. Die praktische Ausbildung erfolgt im EKM, dem EKO in Oberhausen und in den drei Evangelischen Wohnstiften der Ategris in Mülheim.

Mit einem Umschulungsmodell möchte das EKM neue Kräfte in der Pflege gewinnen.
Mit einem Umschulungsmodell möchte das EKM neue Kräfte in der Pflege gewinnen.© Sina Schuldt/dpa/dpa-tmn | Sina Schuldt

Das Entscheidende: Die Umschulung hat für die Teilnehmenden keine finanziellen Einbußen. Bhabuk Mainali etwa arbeitet seit über zehn Jahren im EKM an der Information. Im Mai hat er die Umschulung begonnen. Seitdem erhält er weiterhin sein Grundgehalt vom EKM, obwohl es höher ist als die Ausbildungsvergütung. Das EKM selbst bekommt die Differenz zwischen dem ursprünglichen Grundgehalt und dem Entgelt für die Berufsausbildung von der Agentur für Arbeit zurück.

Voraussetzung für die Teilnahme ist unter anderem, dass Bewerber (ab 18 Jahren) keine abgeschlossene oder nur eine verkürzte Berufsausbildung haben oder seit mehr als vier Jahren nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten. „In Gesprächen mit der Agentur für Arbeit und uns wird dann immer individuell entschieden, ob jemand diesen Bildungsgutschein erhält“, erklärt Schulleiter Arne Zalkau.

Umschulung am Mülheimer EKM erfolgt ohne Altersbegrenzung

Aussenansicht evangelisches Krankenhaus
Trotz Bindung an den BAT-KF ist das EKM Mülheim auch darum bemüht, ältere und erfahrene Pflegekräfte zu halten. © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Zugleich betonen beide Häuser, erfahrene Mitarbeitende in der Pflege halten zu wollen. Ein Punkt, der aktuell für Diskussionen sorgt: In der Nachbarstadt Essen steht eine Klinik in der Kritik, weil ältere Pflegekräfte dort ihre Teilzeit-Jobs verlieren. Hintergrund ist der Bundesangestellten-Tarifvertrag in kirchlicher Fassung (BAT-KF). Dieser sieht standardmäßig vor, dass Arbeitsverhältnisse mit Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze automatisch enden, ohne dass es einer Kündigung bedarf.

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Das EKM arbeitet zwar nach demselben Tarifvertrag, nutzt aber aktiv Spielräume. „Für Mitarbeitende, die darüber hinaus bei uns weiterarbeiten möchten, schließen wir regelmäßig Hinausschiebensvereinbarungen. Dadurch kann das Ende des Arbeitsverhältnisses auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden“, erklärt Unternehmenssprecherin Julia Mannheim. Dadurch könne das Arbeitsverhältnis im beiderseitigen Einvernehmen verlängert werden.

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Pflegedirektor Jens Gorgs unterstreicht diese Haltung: „Wir freuen uns über jede Pflegekraft, die bei uns arbeiten möchte und zu uns passt – unabhängig vom Alter. Natürlich müssen die Personen in das Aufgabenprofil passen, aber das klären wir individuell. Unsere Teams profitieren davon – die Jüngeren und die Älteren können voneinander lernen.“

Auch für das Umschulungsangebot gebe es keine Altersgrenze. Mannheim: „Bhabuk Mainali war zu Beginn der Umschulung 45 Jahre alt. Im September haben drei weitere Personen die Umschulung begonnen – zwei davon sind ebenfalls über 40 Jahre alt.“

Auch am Mülheimer St. Marien-Hospital sind im Einzelfall Verlängerungen möglich

Am St. Marien-Hospital ist die Situation ähnlich. Hier arbeitet man indes nach dem AVR-Caritas-Tarifsystem. Das sehe, so Katharina Landorff, Sprecherin des SMH, „keine konkrete Alterszahl vor, bezieht sich aber auf die Regelaltersgrenze.“ Sprich: Auch hier endet das Dienstverhältnis automatisch mit Erreichen der Regelaltersgrenzen. Und auch hier gibt es die Möglichkeit, den Beendigungszeitpunkt zu verschieben.

„Wir schauen auf den Einzelfall. Wenn wir als Krankenhaus gemeinsam mit dem Mitarbeitenden feststellen, dass eine Weiterbeschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus, sinnvoll und möglich ist, schließen wir befristete Arbeitsverträge, in der Regel maximal über ein Jahr. Bei der Planung und Verlängerung werden die Rahmenbedingungen neu bewertet. Derzeit beschäftigen wir zum Beispiel einen Mitarbeitenden im OP über die Regelaltersgrenze hinaus.“